Nightlife-Guru: U-18er Mai-Party im Crash

Nightlife-Guru

Crash meets Teenie-Party: Hunderte Jugendliche tanzten bei der Vacation Beats Party im Crash in den Mai. Wir haben den Junior-Nightlife-Guru - gerade 16 geworden - auf die Party geschickt. Ergebnis: Die böß-dreinblickenden Türsteher sind netter als man denkt - und die Schuhe schmutzig:



An der Tür

Donnerstagabend, 21 Uhr, strömender Regen und Schlange vor der Tür. Ich ziehe meine Kapuze tiefer ins Gesicht, bahne mir einen Weg durch allerlei Überreste ordentlichen Vorglühens und hoffe inständig, dass ich es nicht bereuen werde, die Couch heute mal gegen Jeans und Daunenjacke eingetauscht zu haben. Glücklicherweise löst sich die Schlange schneller auf als gedacht und die beiden Türsteher - Format: 1,80 x 1,80 - sind viel lieber, als sie auf den ersten Blick vielleicht wirken mögen. Ich bilde mir sogar ein freundliches Grinsen ein. Na dann kann's ja losgehen.

An der Garderobe

Erster Schock: Die Garderobe ist voll. Ja, richtig gehört, und das an einem nass-kalten Maiwochenende, an dem ich alle Möglichkeiten der Mode aufgefahren habe, um den Winter nochmal so richtig aufleben zu lassen. Beladen mit Schal, Pulli und Jacke geht es also Richtung Tanzfläche – Nicht cool! Wie zur Hölle soll eine Party gut werden, bei der ich nicht mal Hände schütteln, geschweige denn Tanzen oder Drimnks halten kann? Zusätzlich nervig: Wenn man statt einer Entschuldigung nur schmatzende Kaugummikaugeräusche erhält. Wer also vorhat, eine Vacation Beats Party im Crash zu besuchen, muss offensichtlich pünktlich um 20 Uhr die Türen einrennen, um auf Gepäck beim Tanzen verzichten zu können. Oder gleich nackt kommen. Einziges Trostpflaster (erst im Nachhinein erfahren): Der DJ wusste um den Garderoben-GAu und ließ manche Gäste Jacken und Taschen hinter seinem Pult ablegen. Edle Geste.

Inneneinrichtung & Deko

Abgeranzte Toiletten mit zerdellten Blechtüren, kahle Steinwände, Lichter und Nebelmaschine auf der Tanzfläche und Leuchtdreiecke, die mal das Clublogo oder eine Discokugel zieren, ringsherum. So ist es also, dieses Crash von dem immer alle reden, als wäre darin der heilige Gral oder so etwas versteckt. Ich habe gelesen, dass der Club sowieso bnald wegkommen soll. Schade wäre das schon – irgendwie hat diese Kelleratmosphäre ja seinen Charme. Von hellen Schuhen ist allerdings abzuraten, die sind am nächsten Morgen schwarz. Vielleicht, so überlege ich mir, sind Metaller und Goths ja eigentlich hell angezogen - nur hat das Crash ihre Klamotten nach all den Jahren schwarz gefärbt.

Wer war da?

Vacation Beats Party im Crash - das klingt nach Kartoffelsalat mit Schokoladensauce, nach Berlin-Freiburg, nach Papst und Kondom, nach irgendwas jedenfalls, das überhaupt nicht zusammen passt. Vom Crash-Publikum, das sich an normalen Tagen wahrscheinlich hier tummelt, ist denn auch überhaupt nichts zu sehen. Stattdessen; Max und Anna, Schüler vom FG, Schülerinnen von der Staudinger, Azubis. 16 bis 18-Jährige in normalen Outfits - niemand fällt auf, niemand will auffallen. Wobei: Hier im Crash fallen wir natürlich alle auf. Ein wenig enttäuscht war ich dennoch, dass ich so gar keine ausgefallenen Tanzstile, Klamotten, Frisuren ausmachen konnte.

Im Toilettenvorraum sammeln sich die Raucher (U18, dürfen die das?), auf der Treppe gibt’s Gedränge, unten auf der Tanzfläche wird in Grüppchen ausgelassen getanzt. Ich bemerke ein paar Jungs, die sich durch die Menge schlängeln und ihr Glück immer mal wieder bei der ein oder anderen Gruppe versuchen - vergeblich. Ein knutschendes Pärchen drängt mich regelmäßig zur Seite. Eine kleine Schubserei lässt die beiden die Flucht ergreifen.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Nach besagtem Garderoben-Schock brauche ich erstmal eine kurze Besinnungspause. Not macht bekanntlich erfinderisch und so stürze ich mich wenige Minuten später, Schal und Jacke zu einem unförmigen Klumpen um die Tasche geschnürt, ins Getümmel. Die Tanzfläche ist etwas tiefer gelegen, wenige Treppenstufen darüber heizt ein DJ der Menge ordentlich ein. Die Stimmung ist ausgelassen, euphorisch - und reißt einen sofort mit. Die Luft ist heiß, von den Wänden tropft es, T-Shirts sind nassgeschwitzt: Die Feierlaune ist aber so gut, dass das niemanden zu interessieren scheint. Was gespielt wird? Charts, tanzbare Mainstream-Mucke: Jeder kennt's, jeder grölt mit. Je später es wird, desto tiefer scheint in der Hit-Auswahl gegraben zu werden, bis sich irgendwann auch an „Das geht ab“ von den Atzen niemand mehr stört. Ist sicher nicht state of the art, trifft aber den Geschmack der breiten Masse und schafft es, die Stimmung den ganzen Abend aufrecht zu erhalten.

Aufheiterle

Netter Türsteher, der sich auf einen kleinen Plausch einlässt, während man draußen auf den Rest wartet. Man darf sich nur nicht von Vollbart und Piercings abschrecken lassen.

Aufregerle

Einige Gäste verziehen sich schon so gegen 11 Uhr nach Hause. 11 Uhr, wtf?! Später wird klar, warum: Um 12 stürzen alle aus dem Crash, Leute an der Garderobe schreien sich an, die Türsteher versuchen Ordnung zu schaffen. Ich sitze derweil draußen, schaue mir das Schauspiel an und wünschte, ich hätte Popcorn zur Hand.

Auf dem Klo um halb 12

Brrrrr...

Fazit

Der Mai wurde gebührend begrüßt. Die Stimmung war ausgelassen, die Party gelungen. Aber Vacation Beats Party und Crash, das passt nicht so richtig. Und über die Garderobe war ich richtig sauer.

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