Nightlife-Guru: "The Party" auf dem Verbindungs-Haus Ripuaria

Nightlife-Guru

Verbindungsparty bei Ripuaria auf dem Lorettoberg: Das klang für den Nightlife-Guru nach Fechtkampf, Knotentanz und vollgekotzten Segelschuhen. Nun ist der Guru sauer: Nichts davon hat er erlebt. Es stellt sich die Frage: Sind das Phritten, die Ripsen?



Der Korporierte an der Tür...

...ist, wie es sich für einen Verbindungsstudenten gehört: um halb 12 bereits völlig besoffen. Schwankend kassiert er drei Euro Eintritt und bittet lallend ins Haus. Das violett-weiß-güldene Band, dass er quer über dem Oberkörper trägt, weißt ihn als Korporierten des Hauses Ripuaria aus. Darüberhinaus ist der Junge aber bereits die erste Enttäuschung: Sein hellblaues Hemd erinnert eher an Aldi-Viererpackung als an "Comme-des-Garcons". Und seine Wangen sind glatter als Cara Delevignes Arsch. Die Begleitung erklärt: Ripuaria ist eine nicht-schlagende Verbindung. Fuck it, echt.

Einrichtung und Deko?

Beginnen wir außen: Das Haus Ripuaria steht in der Schlierbergstraße, hoch oben auf dem Lorettoberg. Der Blick übers nächtliche Freiburg ist prächtig, die Lage des Hauses signalisiert: Wir sind über euch erhaben. Das Haus selbst erinnert an klassische Schwarzwald-Bauernhäuser (Walmdach) und darf als "wunderschön" bezeichnet werden.

Der Nightlife-Guru würde gerne einmal durchs Haus spazieren, über Ahnentafeln streichen, in den Papst (Kotzbecken) spucken. Er hat aber lediglich Zugang zum großen Gemeinschaftsraum im ersten Stock, der für die Party hergerichtet wurde. Nach oben, zu den Zimmern, dürfen lediglich die Ripsen selbst (und manch eine Couleur-Dame, aber dazu später mehr).

Der Gemeinschaftsraum wurde leer geräumt. An der Decke baumelt eine runde Lampe mit lilafarbenen Glühbirnen, an der Wand hängt ein Hirschgeweih mit Glitzerband. Ein ausgestopfter Fuchs, nach Wissen des Nightlife-Gurus Grundbestand jeder Verbindung, ist nicht zu sehen. Überhaupt scheint man sich Mühe gemacht zu haben, klassische Verbindungsklischees zu verbergen. Schließlich sollen mit der Party zum Semesterbeginn auch Jungfüxe gesucht werden. 

Wer war da?

Eine kleine Artenkunde:

Der Fux: Er wohnt bereits auf dem Haus Ripuaria, ist aber noch nicht vollberechtigtes Mitglied der Verbindung. Zu erkennen ist er an dem lediglich zweifarbigen Band, das er trägt. Gefühlt steht er ständig unter Beobachtung der vollwertigen Ripsen, weshalb er sich keine Fehler erlauben darf - sonst droht die Ablehnung. Besoffen ist er trotzdem, das ist schließlich ein Zeichen für Standfestigkeit. Ständig um ihn herum: junge, teils bildhübsche Frauen, die um ihn (und das Geld, das er eines Tages verdienen wird) werben.

Der Fuxmajor: Ist ein studierendes, älteres Mitglied der Verbindung. Er ist damit betraut, die Füchse zu beaufsichtigen und ihnen in Sitzungen das Wesen der Verbindung näher zu bringen. Zu erkennen ist er an zwei gekreuzten Bändern. Er wirkt weniger besoffen, da er ein Auge auf seine Füchse haben muss.



Die Couleur-Dame: Für manche Damen ist diese Party die Gelegenheit, sich einen Korporierten anzulächeln. Denn Verbindungsstudenten sind selten arm, sehen schneidig aus und können tanzen. Besonders beeindruckt eine blonde Dame, deren weißes Shirt am Rücken so tief ausgeschnitten ist, dass nicht nur dem Nightlife-Guru schwindlig wird. Wenn sie tanzt, gucken die Jungs und zupfen sich das Band zurecht. Immer wieder verschwinden Couleurdamen mit Studenten in die oberen Stockwerke. Wenn sie dann mit zerzausten Haaren zurückkommen, versteht selbst der frigide Nightlife-Guru, was da eben los war.



Generell war der Guru aber enttäuscht von den Gästen: Statt Segelschuhen trugen sie Nike-Air, statt Scheitel Undercut, statt Hemd T-Shirt. Ganz ehrlich: Da war mehr drin.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Vermutlich ist dies der einzige Ort auf der Welt, an dem man noch grölt und ausflippt, wenn aus den Boxen folgendes dröhnt: "Alle ham nen Job, ich hab Langeweile, keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern...". Das Lied war nun wirklich vor einem Jahr cool, hier feiert und tanzt man dazu, als würde Marsi persönlich performen. Tut er nicht. Das macht ein DJ, der eine Baseball-Kappe trägt. Generell hat dieser Kappen-Trend auch vor Ripuaria nicht Halt gemacht. Selbst hier, wo "Rapper" eine Beleidigung sein sollte, trägt man nun Käppis. Was für ein Frevel. Wo ist der gute alte Seitenscheitel geblieben?

Die Party ist, betrachtet man sie völlig vorurteilsfrei, natürlich trotzdem ein Knaller. Verbindungsstudenten wissen wie man tanzt, sie sind stockbesoffen und sie haben keine Scham. Es wird geknutscht, getanzt, gelacht. The Party war damit eine deutlich bessere Party, als alle anderen Partys in Freiburg in dieser Nacht. Yeah!

An der Bar

Bier zwei Euro, Sekt zwei Euro, Shots ein Euro. 10 Shots für 8 €, 5 Bier für 8 €, 3 Longdrinks für 8 €. Alle saufen, bis sie umfallen. Denn eines verstehen die Ripuaren: Much Alkohol, much party.

Aufregerle

Als der Nightlife-Guru, mit Hemd und Fliege übrigens besser gekleidet als die Majorität der Korporierten, auf die Toilette muss, schüttet ihm ein Unbekannter von hinten einen Schluck Bier ans Hemd. Als der Guru sich umdreht, um zu fragen, was das denn solle, stecken fünf Verbindungsstudenten ihre Köpfe zusammen und simulieren eine angeregte Unterhaltung. Wäre das hier eine schlagende Verbindung, der Nightlife-Guru hätte seine Visitenkarte eingerissen und sie den Bandträgern zu Füßen geworfen - die Aufforderung zur Mensur, zum Fechtkampf mit scharfen Waffen. So geht er schlicht weiter. Die Ripuaren kichern.



Auf dem Klo um halb zwei...

...trocknet der Nightlife-Guru sein Hemd.

Aufheiterle 1

Drei Studenten einer anderen Verbindung betreten so gegen ein Uhr das Haus Ripuaria. Sie tragen Anzug und Schlips, einer hat eine dicke blaue Beule überm Auge. Die Party ist zu dieser Zeit in vollem Gange, aus den Boxen dröhnt Pitbull und die Couleur-Damen tanzen slutty zum Beat. Knoten tanzt niemand. Als die drei Verbindungsstudenten sich die Party anschauen, legen sie zu aller erst die Krawatten ab und knüpfen das Hemd auf. Der Guru weiß das Zeichen zu deuten. Es heißt: Für so eine Party trage ich keine Krawatte.

Aufheiterle 2

Als der Nightlife-Guru die Party irgendwann verlässt, läuft er durch die Schlierbergstraße zu seinem Auto. Direkt vor ihm parkt ein Audi, aus dem laute Techno-Beats dröhnen, ums Auto haben sich ein paar Verbindungsstudenten versammelt. Ein Anwohner öffnet das Fenster und schreit: "Musik aus, sonst beschwere ich mich bei euren alten Herrn!" Die Studenten gehorchen sofort. Klüger als der alte Mann kann man nicht agieren: Er hat das System durchschaut und manipuliert es. Wenn die Linken das verstehen würden...

Fazit

Die Studenten-Verbindung Ripuaria gilt eigentlich als steile Verbindung. Steil bedeutet: Konservativ, strikt die Regeln befolgend, traditionell. Der Nightlife-Guru war genau deshalb dort - er wollte eine schnöselig-abgehobene Verbindungsparty haben. Was er vorfand: Nike-Air tragende, wahnwitzig junge, unfrisierte Typen. Er sah weder einen ordentlichen Fechtkampf, noch einen einzigen Knoten.

Mal ehrlich, Ripuaren: Wie phrittig war das denn bitte?

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