Nightlife-Guru: The Disco Boys im Universal DOG

Nightlife-Guru

Samstagabend gab es viel zu feiern in Lahr: den Geburtstag von Christian Gimbel von Subculture und den Auftritt der Disco Boys zum Beispiel. Vor zwei Jahren wurden sie im DOG ja ins Gartenhäusle gesperrt. Diesmal nicht, wie der Nightlife Guru weiß. Sein Fazit: Es hätte wohl auch Angela Merkel und Theo Zwanziger gefallen.



Die Jungs an der Tür

…machen keinen Unterschied zwischen sehr wichtigen Personen, Gästelistegästen und ordinärem Fußvolk. Jeder muss warten. Der Bouncer vorm VIP-Bereich ist zwar größtenteils von schweigsamer Freundlichkeit, wird aber einmal sehr ungemütlich, als er einen Gast ohne das rote Bändel erwischt.

Dichtung und Wahrheit

Angekündigt waren drei Floors: Der Electric Disco Floor (Disco Boys, Shelectric), der Tech-House & Minimal Floor (Len Faki, Marcel Fengler etc) und Christian Gimbel's B-Day Floor (Adriano Russo, Buschwerk Bouncesystem etc). Letztlich gibt es aber nur zwei Tanzmöglichkeiten. Eine drinnen in der Halle (Disco Boys) und eine draußen im Garten, wo sich ein schwer zu fassender DJ-Zappelhaufen das Vinyl in die Hand drückt. Mantis und Red Dog sind zu.



Speis und Trank

Die VIPs müssen genauso viel für die Getränke zahlen wie die anderen Gäste, haben dafür aber eine kleinere Auswahl an der Bühnenbar. Viele ordern Jägis (etwa DOG-Chef David Kunz für sich und seine Freunde), man kann aber auch "Ficken" (bestellen).

Ein trauriger Witz ist der Vodka Bull. Man kriegt ein 0,2-Literglas für drei Euro, mit ganz viel Eis und einem Fingerhut Wodka. Draußen im Garten gibt's Bratwürste, Pizza und Weizenbier.

Wer war da?

Die Disco Boys zum Beispiel. Wenn man die noch nie gesehen hat, ist das schon ein überraschender Erstkontakt. Gegen 1.15 Uhr stapfen sie mit ihren reisekofferartigen Plattentaschen auf die Bühne der Halle, deren Besucher bereits von den reizenden Shelectric-DJanes zu ersten Tanzversuchen animiert wurden.



Dann also die Disco Boys: Zwei aufgedunsene Typen in braunen Hummel-Trainingsanzügen; Pornobrillen, Bierbäuchle, seltsame Wischmoppfrisuren mit teils weit gezogenem Seitenscheitel. Das sind sie also? The legendary, the marvellous, the incredible, the one and only, the magical, the wicked, the unbelievable, ladies and gentlemen, from Hamburg Germany, the Disco Boys? Aha. Ein Wiener Grantler würde jetzt vielleicht sagen: "A geh, die Sandler."

Bei dieser optischen Einschätzung zu bleiben, wäre natürlich total oberflächlich. Und umso schöner ist es, sich positiv überraschen zu lassen von Raphael Krickow und Gordon Hollenga, den Hamburger Discojungs. Was sie bis in den frühen Morgen abliefern, ist Discounterhaltung vom Feinsten. Spex-Leser, Root-Down-Gänger und andere deepe Connaisseure von Avantgarde-Elektronika dürften sich mit Grausen abwenden, alle anderen haben mächtig Spaß am Rummelplatz-House-Fetz der Discodoggen.

Man kriegt, was man erwartet und kennt von den bislang acht DB-Kompilationen: Süffig abgemischten Cabriohouse, bei der die eine ihren Handyklingelton ("I came for you") wiedererkennt und der andere ausflippt zu "No Fate" von Zyon: "Des kenn ich schon von der Dreamdance 1."

Ansonsten: Die mit dem roten Halsband, Armed, I need a Miracle, 3 Tage wach und so weiter.



Die Tanzfläche im Garten

...ist in dieser Nacht die Heimstatt der Verschickten. Harter Sound mit Hang zu Psychedelik. Klangtherapie mit dem flirrenden Vorschlaghammer. Samples, die klingen wie startende Kampfjets, was ja ganz gut zur DOG-Umgebung passt. Die Fläche am Gartenhäuschen ist stets gefüllt. Es kommen wohl nicht alle wegen den Disco Boys.

Feieratmo

Ausgesprochen gut und friedlich. Auffallend sind die uniformierten Disco-Boys-Fans mit ihren schwarzen Jack-Daniels-Poloshirts samt Rückennummer. Verwirrend: Sie trinken Sekt statt Whiskey. Einer von ihnen sagt: "Wir kommen fast alle aus Lahr. Die Disco Boys sind geil. Wir haben ab und zu Mailkontakt zu denen. Heute haben sie uns auf die Gästeliste gesetzt."



Auf dem Klo um halb vier

Am großen Pissoir ermuntern sich lallende Franzosen zu beherzterem Flirtverhalten. Im VIP-Bereich sehen die Gäste glücklicherweise davon ab, in die Dusche zu urinieren.

Aufheiterle

…ein Gast nennt sie "Fame Bitches": die sechs bis zehn Ortenauschönheiten, die sich im Abglanz der Pilskugel-Discoboys sonnen. Ständig wuseln sie um die Plattenaufleger herum, bemühen sich um Stimmungsanheizung und die Wahrnehmung ihrer Bauchfrei-Erotik. Am allerwenigsten werden sie von den Disco Boys selbst beachtet.



Aufregerle

Siehe Aufheiterle.

Fazit

Spaßige Party mit heterogenem Publikum. Raphael Krickow und Gordon Hollenga nehmen sich selbst nicht besonders ernst und verstehen es ausgezeichnet, die Bedürfnisse des Publikums zu befriedigen. Falls Matt Groening eine Discofolge für die Simpsons plant – die Disco Boys würden dafür herrliche Figuren abgeben.

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