Nightlife-Guru: "Tale of Us" bei Sunset in der Fondation Beyeler

Nightlife-Guru

Sunset im Garten der Fondation Beyeler war die Geheimtipp-Partyreihe des vergangenen Sommers. Am Samstag ging’s wieder los – mit Tale of Us im rappelvollem Museumsgarten.

Vor der Mauer

Als wir um die Ecke biegen der Schock: Vor der Mauer steht eine Masse an Menschen. "Bitte gönnd sie mit de Tickets a de Hauptiigang", hatte die Mitarbeiterin am offiziellen Fondation-Beyler-Eingang noch zu uns gesagt. Die Veranstaltung hat gerade mal vor 20 Minuten angefangen und die Security-Männer stoppen die Früh-Samstags-Feierwilligen. In den Garten kommen wir erst mal nicht rein.

Aufregerle

Die Menge sieht es gelassen. Es werden die ersten Joints gedreht und geraucht. Wir stehen in der prallen Sonne und der Schweiß beginnt den Rücken hinunterzulaufen. Meine Begleitung holt den mitgebrachten Sauvignon Blanc aus der Tasche – der ist immerhin noch kühl. Wir stoßen an – obwohl wir es schon sehr low finden, dass es keine extra Schlange für die Vorverkaufstickets gibt. Nach 15 Minuten kommt dann doch wer auf die Idee, alle Vorverkaufskartenbesitzer durchzulassen. Gemütlich schlendern wir an der endlosen Abendkassenschlange vorbei. Ein kleiner Aufreger zu Beginn, dann kann ja nichts mehr schlimmes kommen.

Der Garten

Ein paar Kunstwerke sind aufgestellt, doch für die interessiert sich trotz Art heute keiner. Zentrum des Geschehens ist der Pavillon, auf dem das DJ-Mischpult steht. Zu sehen sind hauptsächlich Menschen. Sehr viele Menschen. Vom Garten bleibt da wenig übrig.

Party-Atmosphäre

In der Luft liegt ein permanenter Grasgeruch. Dementsprechend ist die Atmosphäre einfach "huerelässig", wie der Schweizer zu sagen pflegt. Wer unter der Sonne tanzen will, mischt sich in die Menge vor, neben und hinter dem Pavillon. Wer es ruhiger angehen will, sucht sich zuerst ein Schattenplätzchen mit der mitgebrachten Picknick-Decke. Essen ist erlaubt und pro Person, darf eine volle Flasche mitreingenommen werden – die Schlangen vor den drei aufgestellten Bartheken sind trotzdem riesig.



Klangwaren-TÜV

Der Guru spricht: "Halloooo, Tale of Us? Mehr muss ich eigentlich nicht mehr sagen, oder?" Kann jemand bessere Drops machen? An diesem Abend bezweifle ich es. Minimaler Verbesserungsvorschlag: Da die Tanzfläche rund um den Pavillon ist, wäre es optimal, wenn die Veranstalter die Lautsprecher die sich gen Osten richten, noch im Süden, Westen und Norden um jeweils ein Exemplar ergänzen würden.

Wer war da?

Da ist der Mann, deutlich über 50, der sich mit seinem Motorradhelm in der Hand langsam im Takt bewegt, die 16-Jährige, die dem Typ der sie anmacht nicht ihre Nummer geben will und das Pärchen, Mitte 20, das selbst in der tanzenden Menge noch aneinander klebt. Allgemein ist die Grenze zwischen dem vielfältigen Publikum schnell gezogen: Sie ist an den Klamotten auszumachen. Es gibt nur die Versionen "lässige Alltagskleidung" oder "Schickeria, die gleich zu einer Galerieeröffnung im gehobenen Milieu geht". Hier scheiden sich die Geister.



Wer war nicht da?

Sind diese supercoolen, geplanten Raves, nicht die Orte an denen man den Studenten der Soziologie und der Kunstgeschichte begegnet? Sämtliche angehende Geisteswissenschaftler, where are you my friends? Ich habe euch in Riehen noch nie gesehen. Kommet und tanzet!

Aufheiterle

Die zwei Typen, gerade 20 geworden, die vor mir tanzen und anscheinend nur gekommen sind um Mädels abzuchecken:

Er (Schweizer): "Chunnsch nocher no mit in de Club?"
Sie (Deutsche): "Sorry, ich bin erst 16. Ich muss nach Hause."

Leuten beim Flirten und Scheitern zuzusehen macht Spaß.


Fazit

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top: Als Eintritt zahlt man nur eine Müllgebühr von fünf Franken – das ist für eine Party in der Schweiz sehr sehr billig. Im vergangenen Jahr war Sunset noch kostenlos, aber der Müllobulus ist vollkommen berechtigt: Überall im Garten liegen Zigarettenstummel, Plastikbecher und Bierflaschen.

Ansonsten muss man das Sunset wortwörtlich nehmen: Es ist eine der schönsten Arten einen Samstagnachmittag im Sommer zu verbringen. Viel besser als jeder Schwimmbadbesuch. Einziger Wermutstropfen: Die Musik wird vier Minuten vor Veranstaltungsende abgestellt. Auch die lauten "Zugabe"-Rufe des Publikums können das nicht ändern. Dann halt wieder beim nächsten Mal.