Nightlife-Guru: Südwestbank-Lounge beim Badenova Stadion

Nightlife-Guru

Am Samstag spielte der Sportclub gegen den 1. FC Nürnberg. Unser Nightlife-Guru war dazu von einem Sponsor in die Südwestbank-Lounge beim Badenova Stadion eingeladen - und dachte zuerst, dass er seinen Lieblingsverein endlich unter VIPs feiern dürfte. Was auch immer dann passierte: Gratis-Essen und Frei-Alk waren spitzenmäßig!

An der Tür


Im Gegensatz zu den meisten Clubs der Stadt erwarten mich hier weder gelangweilte Kassierer noch irgendwelche Securitytypen. Stattdessen: Zwei der Kälte angemessen und adrett gekleidete Damen, die mich freundlich begrüßen. Ein kurzer Blick auf meine Eintrittskarte – ein rotes Armband, von der Machart jenem des Southside Open Air ähnlich – und schon bin ich im Warmen.

Deko & Einrichtung

Die Dekoration der Lounge ist dezent und sparsam – aber dennoch irgendwie gemütlich. Neben einer Vielzahl an (Steh-)Tischen und Sitzecken gibt es auf der rechten Seite eine lange Bar nebst Essensausgabe des Caterers „Landgasthof zum Lamm“ aus Bahlingen. Im hinteren Bereich des doch sehr groß wirkenden Zelts befindet sich eine kleine Cocktailbar, die von der Hemingway Bar bewirtet wird, und eine Raucherecke. Auf der großzügigen Terrasse befindet sich bei den Temperaturen erwartungsgemäß niemand, hier scheint es im Sommer aber durchaus nett zu sein. An den Zeltwänden hängen fünf große Flatscreens, auf denen stumm das Bundesligaprogramm des Bezahlsenders SKY zu sehen ist; weitere Deko haben sich die Organisatoren gespart (was will man an Zeltwänden auch groß aufhängen?), so dass Weiß den Farbton angibt.



Wer war da

In Anbetracht der geringen Promi-Dichte bietet die Lounge auch Platz für Normalos wie mich. Irgendwie hält sich hier heute jeder und niemand auf - ein Querschnitt durch Freiburgs Einwohnerstruktur. Der lokale Handwerksbetrieb aus dem Umland genauso wie der gegelte, sonnenbebrillte Business-Schnösel eines Freiburger Start-Ups, aber auch Ehefrauen, für die das hiesige „Event“ das Highlight des Monats darzustellen scheint - zumindest ihrer Kleidung nach zu urteilen. Auch einige Nürnberger Fans sind am Start: Sie wurden von Freiburger Geschäftspartnern und Firmenniederlassungen eingeladen. Beziehungen müssen schließlich gepflegt werden.

Die einzigen mir bekannten Gesichter sind ein CDU-Spitzenpolitiker, der einsam in seinem Essen rumstochert, sowie Fritz Keller, Rudi Raschke und ein paar andere SC-Offizielle, die sich nach Spielende in das Zelt gesellen.

Apropos Haargel: Angesichts des auffällig häufigen Gebrauchs dieser klebrigen Masse sollte der Sportclub mal ein entsprechendes Unternehmen als potentiellen Sponsoringpartner ansprechen - die Zielgruppe findet sich garantiert in dieser Lounge wieder.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Der Zuspruch der Südwestbank-Lounge ist enorm. Als wir gegen 14:30 Uhr ankommen, ist das Zelt schon ordentlich gefüllt und es wird sich lebhaft unterhalten. Die Stimmung ist gut und die Zuversicht auf drei weitere Punkte trotz der großen Verletzungsmisere groß. Also erstmal ein Bier und einen kleinen Happen zu Essen. Alles umsonst, natürlich.

Die Musik des DJs ist wegen der angeregten Gespräche und des Geschirr- und Besteckklapperns nur im Hintergrund zu hören. Soll aber vermutlich auch so sein. Klangtechnisch reicht die Palette von Easy Listening, NuJazz und Brazil, wie man es von Trüby’s „Glücklich“-CDs und Compilations im Stil von „Café del Mar“ kennt, bis hin zu Soul, Disco und House, was nach dem Spiel für ein wenig Belebung sorgt.

Als Gast dieser Lounge bekommt man das Privileg, zum einem schon mehr als eine halbe Stunde vor Spielbeginn per ausgeteiltem DIN-A4-Zettel die Aufstellungen beider Mannschaften mitgeteilt und zum anderen eine halbe Stunde nach Ende des Spiels exklusiv die Übertragung der live stattfindenden Pressekonferenz über die Bildschirme gezeigt zu bekommen. Dafür wird sogar die Hintergrundmusik unterbrochen, so dass die Kommentare beider Trainer gut zu verstehen sind. Toller Service!



Zudem ist mittlerweile auch die Cocktail-Bar besetzt und Planter's Punchs sowie Mojitos fließen in Strömen.

Während im Hintergrund der Abstiegsknaller Köln – Werder über die Screens flimmert, drehen sich bei uns - dank des hohen Bierkonsums - die meisten Gespräche immer noch um das Spiel und das unfähige Schiedsrichtergespann.

Gegen 19 Uhr - die Partie ist bereits seit über anderthalb Stunden vorbei - halten sich hier immer noch geschätzte 120 Leute auf. Die Stimmung ist beschwingt und gelöst, und der Abend könnte für manche hier noch lang nicht zu Ende sein. Mich beschleicht das Gefühl, dass das Zelt hier dem einen oder anderen als zweites Zuhause dient.

Catering

Das Catering hier hat auf jeden Fall schon mal ein Gutes: es ist umsonst! Bier, Rot- und Weißwein sowie allerhand Nicht-Alkoholisches wird von freundlichen Bedienungen direkt an den Platz gebracht. In der Halbzeitpause und nach Ende des Spiels warten die Servicekräfte dann mit vollen Tabletts am Zelteingang - ausgestattet mit Sekt, Bier und O-Saft.

Auch das Essen sieht gut aus und schmeckt vorzüglich. Ob Lachs, Nudelsuppe, Gemüselasagne, Maispoularde oder Ochsenfleisch, hier wird definitiv jedermanns Geschmack getroffen. Und nachnehmen kann man sich natürlich so oft man will.



Einzig die Cocktails sind bezahlpflichtig, mit fünf Euro aber auch absolut im Rahmen. Und über die Qualität der Drinks der Hemingway Bar brauch ich mich hier ja nicht weiter auszubreiten.

Als nettes Gimmick hat Hauptsponsor Ehrmann neben dem Getränkeausschank einen großen Kühlschrank mit Joghurt in allen Geschmacksvariationen zur Selbstbedienung platziert. Mein Favorit ist unumstritten die Himbeer-Orange-Granatapfel-Variation.

Auf dem Klo um 16:20 Uhr

Es ist Halbzeit und die Schlange vorm Männer-WC unbarmherzig. Einziges Gesprächsthema: das Spiel. Wenigstens sorgt die Klofrau hier regelmäßig für Ordnung und angenehme Düfte, was auf den Stadiontoiletten höchstens zwei Stunden vor Spielbeginn zu beobachten ist - wenn überhaupt.

Aufregerle

Bei diversen Gästen ist es offensichtlich, dass das Gratis-Essen und der Frei-Alk einen höheren Stellenwert einnehmen als der eigentliche Anlass – das Bundesligaspiel. Selbst in der Halbzeitpause wird hier in aller Seelenruhe gegessen und sogar noch ein zweites Bier bestellt - es sind ja schließlich auch 45 Minuten zu überbrücken. Vermutlich reichen jene Personen bald noch eine Petition beim DFB ein, die Halbzeitpause auf 30 Minuten auszudehnen, es muss ja schließlich ausreichend Essen in sich hineingespachtelt werden.



Fazit

Die Idee, die Südwestbank-Lounge am Stadion aufzubauen, ist gut. Vor und nach dem Spiel hat man die Möglichkeit, mit Freunden und Geschäftspartnern in einem anderen, lockeren Umfeld zusammenzukommen, gute Gespräche zu führen und sich bestens unterhalten zu lassen. Das Personal ist freundlich und zuvorkommend, das Essen hervorragend und die Atmosphäre sowie die Musik äußerst entspannend. Auch wenn es jetzt nicht unbedingt das kulturelle Ereignis des Jahres ist, stellt ein Nachmittag in der besagten Lounge eine nette Abwechslung dar, und die Location setzt sich zumindest ein wenig vom typischen Klischee eines Fußball-VIP-Bereichs ab.