Nightlife-Guru: Stummfilmschauen im aka-Filmclub

Nightlife-Guru

Am Donnerstag war der Filmmusikprofi Günter A. Buchwald zu Gast im aka-Filmclub. Zu sehen gab's den Klassiker "Berlin, die Sinfonie einer Großstadt". Und weil unser Nightlife-Guru ein großer Fan der Roaring Twenties ist, schaute er vorbei, im Hörsaal 2006. Was in dort erwartete? Yogitee und Weimarer Republik.



Die Jungs an der Tür ...

... öffnen den Hörsaal 2006 um acht nacht acht. Die Schlange schlängelt sich vorher schon einige Minuten unruhig durch das KG II. Wer den aka-Mitgliedsausweis bereits hat, braucht nur noch eine Kinokarte für den Film und drängelt sich gekonnt an der wartenden Reihe vorbei zur Kasse. Für 1.50 Euro kommen auch die ärmsten Studis rein. Der nette Kartenkontrolleur wird dabei fast überrannt.

Inneneinrichtung und Deko

Hörsaal bleibt Hörsaal. Ob die Vorlesung morgens oder der Film am Abend. Die schwarzen Bankreihen sind nicht so bequem wie die üblichen Kinosessel. Die Qualität der Kinoleinwand, wo sonst Power-Point-Präsentationen laufen, ist aber wunderbar.

Wer war da?

Zwei Dutzend Geschichtsstudenten und angehende Historiker, die üblichen aka-Filmclub-Fans in Kapuzenpulli, mit ihrer Thermoskanne Yogitee oder wahlweise Bier. Aber auch einige Paare der Generation 60plus sowie ein Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft tummeln sich im 2006er Hörsaal - der leider nur halbvoll ist.

Aufführungs-Atmo und Klangwaren-TÜV

Langes Haar, Jogi Löw-Gedächtnisschal, markante Brille, ein Schmunzeln auf dem Gesicht.  Günter A. Buchwald ist ein Künstlertyp. Der Freiburger Dirigent und Komponist gehört zu den Mitbegründern der Stummfilmrenaissance. Mit elektrischem Klavier und seiner Geige untermalt er weltweit Stummfilme. Zum Auftakt einer aka-Filmclub-Reihe über in Berlin spielende Filme gab es nun „Berlin, die Sinfonie einer Großstadt“ inklusive der Live-Musik von Buchwald. Der Stummfilmmusiker spielt seine eigene Improvisationen.



Der Film zeigt das Berliner Leben der Weimarer Republik im 24-Stunden-Zeitraffer. Walther Ruttmanns Lieblingsmotive sind Dampfloks, S-Bahnen, Busse, Kutschen. Buchwald weiß diese Mobilität eindrucksvoll zu vertonen. Man hat das Gefühl, der Ton kommt direkt aus dem Film. So bringt er etwa die stummen Schreibmaschinen zum Klingen. Buchwald spielt auch Teile von Kurt Weills Musik zu Brechts Dreigroschenoper sowie den Neujahrsmarsch. Mit dem fröhlichen Kinderlied „Da hat das rote Pferd sich einfach umgedreht“ untermalt der Virtuose die Bilder vom Berliner Sport: Sechstagerennen, Kricket, Volksläufe, Turnen, Tennis und Golf in raschem Tempo.

Essen und Trinken

Wie immer im aka-Filmclub stehen Bier- und Weinflaschen, Thermoskannen mit Glühwein und Tee auf den Tischen. Zum Abendessen gibt’s unter anderem Pizza und Knabberzeug.

Auf dem Klo nach dem Film ...

... bleibt es stumm.

Aufheiterle

„Hab’ kein Ton“, ruft Buchwald während der erste Akt bereits auf der Leinwand flimmert. Das Publikum lacht, doch nach 5 Sekunden kann Buchwald mit seiner musikalischen Untermalung loslegen.

Aufregerle

Als im Film ein Pferd am Boden liegt, ist die Unruhe groß. Während viele Ohhhhs zu hören sind, kommt aus den letzten Reihen Gelächter.

Fazit

Buchwalds stimmungsvolle Live-Musik zum Stummfilm war wohl fast wie Kino der Goldenen Zwanziger. Als „Kinokappelmeister“ wünscht man sich den Musiker für weitere Filmklassiker an der Uni Freiburg.

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