Nightlife-Guru: Strandcafé im Grethergelände

Nightlife-Guru

Auf dem Grethergelände hinter dichtem Pflanzengestrüpp liegt das Strandcafé verborgen. Wie isses da eigentlich? fragte sich unser Nightlife-Guru am Wochenende - und suchte jene schwulesbische Location prompterweise auf.




Die Kommune vor der Tür

Sechs Frauen Mitte Vierzig sitzen an einem Tisch, trinken genüsslich ihren Wein und lachen. Die Frauen tragen gestreifte Wollsocken in ihren Sandalen. Die Devise scheint zu lauten: bunt und Hauptsache bequem.



Wer war da?

 
Veranstaltet wird das "schwulesbische Café" von der Rosa Hilfe Freiburg. Leider ist es ein mehr oder weniger geschlossenes Café. Wer darf also das versteckte Café im Grethergelände betreten? Freunde von Mitgliedern, Bewohner aus dem Viertel und selbstverständlich werden Personen, die per Zufall vorbeikommen auch nicht weggeschickt und dürfen Victoria Bellatrice Violet, die Tresentranse, kennelernen.

Fünf Ladies sitzen an einem Tisch und können sich nicht einkriegen vor Lachen. An einem weiteren Tisch scheint sich männliche Prominenz aufzuhalten. Ein Junge sieht Robert Stadelober verdammt ähnlich und erinnert mit seinem Aussehen an den Film "Crazy". An der Bar sitzen drei Männer und trinken Bier. Draußen genießen zwei Männer, die sich sehr vertraut anschauen, ein Sandwich im Stil von "How I met your mother".

Inneneinrichtung und Deko?

Drinnen stehen vor allem Tische, Stühle und Hocker aus Holz. Die Bar ist ein Blickfang: ein Leopardenmuster zieht sich von einem bis zum anderen Ende der Tischplatte. Falls man ein bisschen länger auf sein Getränk warten sollte, kann man mit der Hand in die flauschige Deko hineingreifen und ein bisschen Dampf ablassen. Auf der Bar stehen zwei pompöse Kerzenständer. In der Ecke flackert eine Herzlampe und an der Decke dreht sich eine kleine Discokugel.



Atmosphäre und Klangwaren –TÜV

 
Draußen die Kommune, drinnen Muttis Stube. Wohnlich kuschelig lässt sich die Stimmung beschreiben; die Playlist lässt jedes schwule Herz höher schlagen. Egal ob Cher, Sunrise avenue oder Reamonn. Oldies regierendas Strandcafé. „ Es gibt nichts Schöneres als mit Klischées und Vorurteilen zu spielen, bis sie den negativen Beigeschmack verlieren“, sagt die Tresentranse Vicki und lacht.



Catering & Getränke

Auf der Bar und den Tischen steht kostenloses Knabberzeugs. Kaum ist die Schüssel leer, kommt die Tresentranse auch schon angerannt und füllt die Snacks wieder auf.





Um 22.30 Uhr auf dem Klo ...

... ist es leer. Man kann sich jede beliebige Toilette aussuchen. Auch wenn man mit einem guten Kumpel das Gespräch nicht abbrechen will, kann man auf der Toilette die Unterhaltung fortsetzen, denn es gibt keine Trennung zwischen Frau und Mann.

Von irgendwoher hört man es tropfen. Neben dem Waschbecken hängt ein Handtuch, triefend nass. Leider weit und breit keine Papierhandtücher, da trocknet man sich seine Hände doch lieber an den eigenen Klamotten ab.  

Aufheiterle


Die Tresentranse: Victoria Bellatrice Violet nennt er sich und wirkt im Vergleich zu der Location extrem overdressed. Die Haare sitzen perfekt, das Kleid schmiegt sich an den gut durchtrainierten Körper und die Highheels machen jeden Schuhfetischisten aus Neid zum Mörder.

Er ... äh ... sie ist die Attraktion des Abends, ob hinter der Bar oder bei den Gästen. Sie kommt mit jedem ins Gespräch und lässt jeden Gast wissen: „Bei mir bekommst du nur Gutes, Schätzelein.“ Auch Jan, der auf den Namen 'The Manager' reagiert, ist ein unterhaltsamer Thresenbursche. Und er weiß, wie man den Schuppen schmeißt.

Als Heterosexuelle ist alles sehr entspannt. Man wird mit keinem schlechten Spruch von der Seite dumm angelabert („Schöne Schuhe! Ficken?“ Eher: "Schöne Schuhe, wo haste die denn gekauft").

Die meisten Männer sind an Männern interessiert, die meisten Frauen an Frauen. Penetrant ist hier keiner. Außer die Getränkekarte, die durch auffallende Longdrinknamen wie „Gin Tuntic“ oder „Pufff“ extrem neugierig macht.

Fazit

Wer im Sommer in Freiburg draußen sitzen möchte, Oldies hören und einfach mit Freunden ein ruhiges Plätzchen zum Reden sucht, ohne doof angemacht zu werden, der sollte definitiv das Strandcafé aufsuchen.