Nightlife-Guru: Soundboutique @ Jackson Pollock Bar

Nightlife-Guru

Ermattet von einer anstrengenden Woche voller Nichtstun und auf der Suche nach ein wenig Entspannung fand sich unser Nightlife-Guru am Freitagabend in der Jackson Pollock Bar wieder. In der Soundboutique stellte er eine beunruhigende Verrohung der Party-Umgangsformen fest:



An der Tür…

…empfängt mich ein Selektor, der aus dem Freiburger Nacht-Einheitsbrei angenehm hervorsticht. Gotisch geschminkt und ganz in Schwarz entgegnet er mir ein verschmitztes Grinsen. „Irgendwoher kenn’ ich dich,“ denk ich mir, komm’ aber nicht drauf. Erst als mir Charon 3 Obuli abnimmt, fällt’s mir wie Schuppen von den Augen: von der Wahlparty der Piraten. So bunt ist Politik 2010.

Inneneinrichtung & Deko

Zwar war ich seit 'ner halben Ewigkeit nicht mehr hier, geändert zu haben scheint sich aber groß nichts. Statt Matthiessens Action Painting hängt hinter der Bar eine Collage, welche die „Birth of Installation“ auf 1951 datiert; die Lichtanlage ist gepimpt worden und sorgt für spacige Effekte.



Party-Atmo und Klangwaren-TÜV

Vor genau zwei Wochen stand ich noch in der Panorama Bar und ließ – eine lang gehegte Fantasie – Ricardo Villalobos meine auditive Wahrnehmung vergewaltigen. Heute will ich mich bloß vom Nichtstun erholen und hoffe auf eine gemütliche After-Müßiggang-Party. Als ich die JPB gegen 1 betrete, ist noch nicht allzu viel los. Sind wohl alle bei dieser Sachertortenschlacht im Jazzhaus. Oder auf jenem I-Heart-Sarmale-Festival im E-Werk. Mir soll’s recht sein, ich will meine Ruhe.

Die bekomm' ich zu Anfang auch musikalisch, denn das Eiskalte Händchen a.k.a. DJ Kidkut lässt es cool angehen und verbreitet technoide Monotonie. Ein unsauberer Übergang – wir drücken mal ein Ohr zu – leitet Treibenderes ein und beschert ein paar nicht vermisste 18 Months-Momente.



Schließlich zeichnet das leidenschaftliche Patschehändchen aber saubere Tanzschritte auf den Dancefloor und verwandelt die mittlerweile kuschelig-volle „Soundboutique“ in eine schwitzende, Endorphine versprühende Feiergemeinschaft.

Nicht Wenige tanzen sich weggetreten allein zur Seligkeit; einige willige Biederfrauen schütteln was sie haben, als wären sie nasse Hündinnen; eine Gruppe kulturinteressierter Bunnies begrüßt den Frühling, indem sie zuerst Matisses „Danse“ nachstellt und dann ausgewählte Szenen aus Strawinskys „Sacre“ (Choreographie: Vaslav Nijinsky) aufführt.

Begutachtet wird das Ganze von einem Spalier wohl schon berufstätiger Männer, die den Rand der Tanzfläche säumen und sich an ihrem Feierabendbier festhalten. Nachher werden sie entweder zu ihrer Freundin (Melanie, Britta oder Sabine) zurückkehren oder noch einmal ihr lauwarmes Händchen (a.k.a. DJ Cumshot) an sich legen.

Wer war da?

Zuerst extrem seltsames bis nerviges Publikum, Informatiker, die sich als solche zu erkennen geben und PH-Studentinnen, die heute Nachmittag noch mal schnell „was Schönes“ in der KaJo (Marc O’Polo, Esprit, bald s.Oliver) geshoppt haben. Dann ein paar langbeinige Medi-Miezen und unstressige Hiphopper.



Zuletzt das, was man in Freiburg wohl Szene nennt: immer schön Vintage, H&M, American Apparel und irgendnen Designer. Bei Frauen süß: das schmale Indianerhaarband; witzig auch: die Elly Jackson-Frisur. Einige Root-Down-Veteranen und JPB-Stammspieler.

Dazwischen versucht ein Haufen Prolls formal und inhaltlich Aufmerksamkeit zu erlangen, und ein Jurist würde sich am liebsten in Luft auflösen, als er die Uniform an seinem Körper bemerkt.



Aufregerle

Hab ich mich letztens noch für härtere Türen in Freiburger Clubs ausgesprochen, will ich heute für bessere Umgangsformen plädieren. Dabei geht es mir nicht darum, den Freak-Out zu verbieten. Keiner meckert hier über gelegentliche Rempler oder Getränkeduschen. Zumal wenn der Laden voll ist. Und die Crowd.

Aber. Wenn man andauernd ein und denselben Ellbogen in die Rippen bekommt und die immer gleiche Gruppe partyungebildeter Vollpfosten die Tanzfläche terrorisiert, vergeht einem die Lust am Feierabendschwof. Nicht nur im Sternerestaurant gibt’s Verhaltensregeln. Ja, selbst an der Höllenpforte des Crashs hängen seit jeher eherne Gebote.



Meinetwegen zahl ich 3 Euro mehr, wenn dafür den feierfernen Schichten am Eingang ein Grundgesetz des Feierns, ein bacchanaler Sittenspiegel ausgehändigt würde. Darin stünde zum Beispiel, dass, wer mit Drogen (welcher Art auch immer) nicht umgehen kann, sich von diesen fernhalten sollte. Auf dass wieder Anstand in die Clubs einzöge.

Morgens um 3 aufm Klo…

…gibt es weder Toilettenpapier, noch lässt sich die Kabine abschließen. Ich weiß: Man geht nicht zum defäkieren in einen Club. Aber wenn’s einen doch mal überkommt, wäre wohl nicht zu viel erwartet, wenn ein der Hochkultur angegliederter Schuppen einem dies ermöglichte.

Fazit

Eigentlich ein entspannender Abend mit feiner Musik und unterhaltsamem Publikum. Nur: Manche sollten noch mal ein wenig im Feten-Knigge rumblättern.