Nightlife-Guru: So schlecht besucht war das Hans-Bunte-Sommer-Fest

Nightlife-Guru

Ein Sommerfest im Garten mit Grill und Cocktails: Genau das fand am Freitag im Hans-Bunte nicht statt. Für unseren Guru war das spannendste an diesem Abend der Weg zur Veranstaltung.

Der Eintritt

Bist Du schon mal nachts um einen Baumarkt gerannt – auf der Suche nach Musik? Ich schon.

Es ist 21.57 Uhr, ich hüpfe über einen Busch, rase über einen leeren Parkplatz. Meine Beine überschlagen sich. Die losen Geldmünzen in meiner Tasche klimpern. Eigentlich will ich sie später gegen eine Flasche Desperados eintauschen: Bis 22 Uhr komme ich gratis in das Hans-Bunte – bin ich zu spät, gehen die Münzen für den Eintritt drauf. Renn, Guru, renn!

Ich sehe das große Toom-Baumarkt-Schild, ich höre Bässe. Aber wo muss ich lang? Es ist 21:58 Uhr. Panik. Letztes Mal – mit 16 Jahren – war das alles einfacher: Ein Shuttle-Bus hat mich direkt zur Vacations-Beats-Party in das damalige "Stinnes" kutschiert. Jetzt finde ich die Party nicht.

Doch, da! Sechs blinkende Deko-Würfel weisen mir den Weg zum Eingang. Ein letzter Sprint, 21:59 Uhr, freier Eintritt – geschafft. Ich keuche.

Inneneinrichtung und Deko

Draußen, vor dem Baumarkt, soll ein Sommerfest stattfinden. Ein Hans-Bunte-Sommer-Fest. Aber von einem Fest, Sommer, bunter Deko oder Hans ist nichts zu sehen.

Im Eingang stehen nur leere Bier-Bänke und Palmen. Mehr Palmen als Gäste.

Seit 18 Uhr soll hier das "Sommerfest" stattfinden. In der Facebook-Veranstaltung steht: "Wie immer steht der Grill bereit und es gibt Cocktails und Fassbier an der Gartenbar!"

Ich höre nur leises Schnattern der Gäste. Kein Barkeeper, der Cocktails schüttelt. Rauch schweift an meiner Nase vorbei – aber kein Geruch von Fleisch, das auf dem Grill schmort. Was es aber tatsächlich gibt: Bier – wohlverdient.

Der Outdoor-Bereich ist komplett aus Holz gebaut: die Sitzbänke an der Wand, die Couch, das DJ-Pult, das Dach, die Bar. Sogar eine Hollywoodschaukel wurde aus Paletten zusammengenagelt. Sieht alles gemütlich aus – viel besser als damals, mit 16.

Wer war da?

Ein Mädchen mit rosafarbenem Haar schleift mit ihren Chucks über den Boden. Es scheint, als würde jeder Ton durch ihren Körper fließen. Sie spürt die Musik, shuffelt auf der Tanzfläche – erstmal alleine.

Die Hollywoodschaukel knarrt, die Gäste lehnen sich an die Holzwand, die Augen auf die Tänzerin gerichtet. Links plappert eine Mädchengruppe, rechts zieht eine Jungs-Gang an ihren Zigaretten. Wie bei einem Abschlussball: Keiner traut sich aufzustehen und zu tanzen.

Erst drei Schlücke am Pils und zwei Züge an der Lunte später steht ein Junge hastig auf. Erst steht er steif da, dann ertönt ein Beat und plötzlich fuchteln seine Arme in der Luft und seine Füße zappeln, als sei der Boden heiße Kohle.

Seine Kollegen werfen ihm einen besorgten Blick zu. "Was macht der da? Tanzt der etwa?"

Die Gäste, die ansonsten hier sind: Stammkunden, die teilweise selbst im Hans-Bunte arbeiten. Nach 22 Uhr latscht keiner mehr durch den Eingang. Wahrscheinlich hat heute niemand Eintritt gezahlt.

Klangwaren-TÜV

Steve Cole, Mandibula, Phuture Traxx, Sascha Ciccopiedi, Tom Nightowl und dann sogar Kellerkind: ein hochkarätiges Booking, das den Gästen feinste Tracks in ihre Ohren zaubert. Man sieht, dass die Köpfe der Gäste zum Beat wippen und die Beine zucken. Die Musik ist wirklich gut – aber keiner traut sich, zu tanzen.

Traurig aber wahr

Es ist Mitternacht, ein zweiter Floor – wofür auch immer – wird im Innenbereich des Hans-Bunte-Areals geöffnet. Der DJ spielt für sich alleine. Über die Tanzfläche weht ein kühler Wind von draußen. Hier steht: Niemand.

Fazit

Einfach eine schlecht besuchte Veranstaltung – "Party" kann man das nicht nennen, geschweige denn "Sommerfest". Man hatte ein paar nette Stunden, feine Musik und gute Gespräche auf der Schaukel. Für mich als Guru war alles in Ordnung – dank meiner Sprintkünste musste ich auch keinen Eintritt zahlen. Wie viel man nach 22 Uhr zahlen musste, wusste keiner.