Nightlife-Guru: Semestereröffnungsparty in der StuSie-Bar

Nightlife-Guru

Die Semestereröffnungsparty der StuSie-Bar ist legendär. Eigentlich. Denn: Diesmal hat sie unseren Nightlife-Guru bitter enttäuscht.



Die Jungs an der Tür

Ich begehe den Generalfehler und hole mir bei der Semestereröffnungsparty in der Stusie-Bar den Stempel nicht gleich um 22 Uhr - die Vorglühfeierei hatte höchste Priorität. Also ist Schlangestehen - und das eine gefühlte halbe Stunde.

Immer mehr Studenten kommen aus den Blocks der StuSie am Seepark. Die Securitys kämpfen gegen eine Meute an, die, je näher sie dem Eingang kommt, quetscht, drängelt und quengelt.

Den Stempel gibt's für 4 Euro von einem schlecht gelaunten Security. Egal, denke ich mir, jetzt geht's ab! Ist ja nicht die erste StuSie-Semestereröffnungsparty für den Nightlife-Guru.



Inneneinrichtung und Deko

Der so genannte Allzwecksaal ist standardmäßig der Mainfloor. Eine geile Lichtshow und geiler Sound. Ich merke, dass ich für eine StuSie-Party noch nicht genug vorgeglüht habe und gehe direkt zur Bar, um mich mit neuem Stoff zu versorgen. Danach aber schnell ab runter in die StuSie-Katakomben a.k.a. Kicker-Gruft, Räucherkammer, Booty-Shake-Floor und Elektro-Ecke.



Die Wände erstrahlen in fetten neonfarbenen Farbkleksen und erzeugen Underground-Feeling. In einer Ecke unter der Treppe, direkt neben der Damentoiletten, steht DJ Papabear und legt elektronische Tanzmusik auf. Ein schwarzer Vorhang bietet die Chance, zurückgezogen zu tanzen. Geile Sache, aber ich will StuSie-Madness. Also erstmal wieder ab auf den Mainfloor und noch mal schnell an der Bar vorbei.

Wer war da?

Ich höre Englisch, Spanisch, Schwedisch, Französisch, Italienisch und alles, was das Erasmus-Programm noch so an Sprachen hergibt. Abseits davon hauptsächlich Erstis - und zwar in Massen. Dem G8 ist zu verdanken, dass man die männlichen Erstis auch direkt erkennt: an langweiligen Hemden, noch von Mama gebügelt, und schüchternem Verhalten.

Die Mädels stehen zwar auch schüchtern in ihren Kreisen zusammen, sind jedoch zum Teil top gestylt und hip angezogen.

Alle sind jung, sehr jung. Geschätztes Durchschnittsalter: 18 Jahre.  

Party-Atmo und Klangwaren-TÜV

Jetzt gehts los. Ab auf den Mainfloor. Ich will StuSie-Chaos, ausziehende Blicke, verschwitzte Körper auf der Tanze und zu abgewrackten, durchgenudelten Chart-Klassikern abfeiern. Doch es geht nicht. Die Meute, die vor kurzem noch vor der Tür stand und beinahe die Revolution geprobt hat, bewegt sich nicht. Also gehe ich in die Offensive. Ab in die Mitte.

Es läuft Jay-Z, irgendein Track vom neuen Album "Holy Grail". Der DJ haut alles raus, was geht, Flo Rida und den "Wild-durch-die-Gegend-Hüpf"-Klassiker "Jump Around" von House of Pain.

Ich tanze, schaue mich um und fühle mich in meine erste Tanzstunde mit 15 Jahren zurückversetzt, als Angstschweiß und Foxtrott mir den Atem nahmen. Vereinzelt sehe ich Gleichgesinnte, die verzweifelt versuchen, Spaß zu haben, aber argwöhnische Blicke vertreiben jeden Anflug von Ausgelassenheit.



Doch ein Nightlife-Guru gibt nicht so leicht auf. Auf dem Elektro-Floor ist nicht sehr viel los, das erhöht meine Chancen auf neue Bekanntschaften. Kurzes Blicke-Austauschen, und man bewegt sich aufeinander zu - doch plötzlich taucht eine ganze Abteilung Ersti-Bengel auf, die zum Lachen in den Keller gehen und den Wettbewerb der schlechtesten Partymacher des WS 2013/14 schon jetzt gewonnen haben. Sie umkreisen unsere Tanzegruppe, stehen starr da und ziehen die Mädels rechts und links von mir so offensichtlich mit Blicken aus, dass diese schnell verschwinden. Fremdschämfaktor 1000.

Auf dem HipHop-&-R&B-&-Reggeaton-Floor herrscht komischerweise ein gewisser Sicherheitsabstand zwischen den tanzenden Menschen. Ich verstehe die Welt nicht mehr, es läuft Reaggeton, da wird normalerweise angetanzt und rumgebaggert, dass es nur so kracht in der Hose. Nicht einmal die tanzbare Musik kann dieses Desaster retten.



An der Bar

Ich flüchte an die Bar. Jäger-Shots für 1,50 Euro, Gin-Tonic für 3,50 Euro - die Barfrau kennt mich schon, denn das übliche Gedränge an der Bar bleibt aus. Der Kater am nächsten Tag auch, denn es gibt nicht den allerschlimmsten Fusel. Fast schon schade, irgendwie.  

Auf dem Klo um halb zwei ...

... steht ein Kerl, der seine Club-Mate auf dem Kopf balanciert und gleichzeitig das Urinal trifft. Respekt dafür, aber ehrlich gesagt, wäre mir eine Horde feierwütiger Jungs lieber - ob auf der Tanzfläche oder auf dem Klo.



Aufheiterle

Die Frau an der Theke, die zwei Drinks falsch gemacht hat und sie mir schenkt.

Aufregerle

Wer auch immer das G8 erfunden ha: Ich hasse ihn.

Fazit

Die Semestereröffnung in der StuSie am Seepark hat mich tief enttäuscht. Keine Frage, sie war gut organisiert, die Musik hat gepasst. Ich habe keine krassen DJs erwartet, kein Ibiza-Feeling oder sonstwas.
Ich habe eine StuSie-Party erwartet, bei der keiner alleine nach Hause muss, und falls doch: mit Erinnerungen an eine eskalative Nacht. Was ich wollte: Drogen, Sex und Eskalation. Stattdessen: Enttäuschung.

Und Irritation. Kann es sein, dass die 18-jährigen Erstis einfach noch nicht so weit sind, mal richtig auf den Putz zu hauen? Falls ja: Liebe Uni, führ bitte das Pflicht-Modul "Partyeskalation für Anfänger" ein. Und verteile dafür mindestens 6 ECTS-Punkte.