Nightlife-Guru: Semestereröffnung in der StuSieBar

Nightlife-Guru

Die StuSieBar am Seepark verwandelt sich stets zum Semesterbeginn zu Freiburgs Anbaggertempel Nummer Eins. Klar, dass unser Nightlife Guru da auch die Fühler, sorry, den Füller ausstreckt. Ein feuchtfröhlicher Partybericht vom Samstagabend, inklusive Tankensnack.



An der Tür

Der Kenner holt sich seinen Stempel, bevor der große Rummel losgeht. Auf meinem Handgelenk klebt noch die Tinte von gestern Abend – keine Ahnung, was das White Rabbit für ’n Teufelszeug benutzt. Zum Glück steht morgen kein Besuch bei den Schwiegereltern auf dem Programm.

Noch kann sich die Security entspannen und nutzt die Gunst der Stunde, um harmlose Ami-Schnecken durchzuchecken. Ruhe auch noch an der Kasse. Zwei Euro. Bald wird der Sturm partysüchtiger Studis über den Eingangsbereich hinwegfegen.



Location

Eine StraBa-Station nach den Runzmattenslums liegt das größte Studentenghetto Freiburgs – die StuSie. Seelische Wunden hinterlassen die hässlichen Plattenbauten – Euphemismus: „Gemeinschaftshäuser“ – nur deshalb nicht, weil die Siedlung direkt ans Seepark-Idyll grenzt.

Berühmt-berüchtigt: Partys in den immergleich aussehenden Großraum-WGs. In meiner Erinnerung verschmelzen sie alle zu ein und derselben riesigen Sause. Haus 46, 40, 30; 8., 6., 4. Stock – scheißegal: Der Absturz war immer schon vorprogrammiert.

Auch wenn wir heute mal wieder – klassisch – in einer der besagten WGs „vorglühen“, steigt die eigentliche Fete in der StuSieBar. Parterre, im großen Allzwecksaal, befindet sich der Mainfloor, hinten die kleine RioBar und unten, in übersichtlichen Katakomben, eine Billard-Höhle, ein weiterer Floor, die Kopfschmerz-Bar samt Siff-Lounge und die Klos. Angenehm und notwendig: die Terrassen, auf denen frische Luft schnappen kann, wer drinnen mal wieder umzukippen droht.



Wer war da?

Junge StudentInnen jeglicher Couleur, allseits bekannte StuSiedler und nimmermüde Bachelor-Partysanen. Typen, die in der Bunten Liga mitkicken, Austauschstudenten aus Spanien, Polen und Australien, verklemmte PH-Mäuschen, bebrillte Physik-Singles und durchgeknallte Anglisten. Obwohl bunt, scheint die Masse erstaunlich grau.



Wer seinen Lockenschopf mit psychedelischem Kopftuch à la Hendrix stützt, originäre Sonnenbrillen aus den Spät-60ern trägt oder mit schwarzem Hut den Blues Brothers nacheifert hat’s nicht schwer, die Aufmerksamkeit seiner stilistisch mediokren Kommilitonen zu erlangen.



Party-Atmo und Klangwaren-TÜV

Man könnte meinen, die Mucke auf den StuSie-Partys sei nur Vorwand und eigentlich gehe es um gänzlich anderes – honi soit qui mal y pense. Seit Jahren legen die „DJs“ hier nämlich dasselbe Mixtape ins Kassettendeck, tun so, als ob sie in ihrer ach-so-großen CD-Sammlung nach dem nächsten, passenden Track suchen und gaukeln der Feiergemeinde stundenlang Geschäftigkeit vor. DJ-Karaoke von Feinsten.

Auf dem Mainfloor wird für Freunde schwarzer Beats „Think“ (Aretha Franklin), „Kiss“ (Prince) und „Jump Around“ (House of Pain) aufgefahren; wer’s Lateinamerikanisch mag, wird mit Gloria Estefans „Conga“, Ricky Martins „Maria (Un, Dos, Tres)“, und Shakiras „Whenever, Wherever“ abgespeist; und irgendwann zwischen drinnen gibt es natürlich die üblichen Twist-Verdächtigen auf die Ohren.



Die Wheather Girls und Village People verpasse ich. Dafür bin ich wieder da, wenn Rumäniens gruseligstes Produkt seit Vlad III. Draculea den großen Saal in Schrecken versetzt: O-Zones „Dragostea din tei (Maya Hee)“. Das gleicht nicht mal Peter Fox aus, dessen „Alles neu“ sicherlich nicht der partytauglichste Track seines Solo-Albums ist.

Immerhin fühle ich mich zuletzt durch Seeeds „Dickes B“ in meiner hauptstädtischen Provenienz geschmeichelt.



Im Gegensatz zu mir fährt der Großteil der Studis auf das eindimensionale Für-Jeden-Etwas-Programm voll ab. Textsicher mitgrölend wird gedanct, gerockt, geschwitzt. Der Flirt-Faktor ist extrem hoch. Der Frühling scheint hier jeden mit seinem blauen Band ausgepeitscht und stranguliert zu haben. Von allen Seiten treffen mich aggressiv und unzweideutig weibliche Blicke.

Reizüberflutung. Overkill. Wie ein Schuljunge schaue ich schüchtern zu Boden. Ladys, ich will nicht. Aber danke der Nachfrage. Wer heute alleine nachhause geht, ist selbst schuld.



Catering

Hier fließt heute mehr Bier als zu besten Wodan-Zeiten: Fürstenberg: 1,50; Beck’s & Co.: 2,00; Desperados: 3,00. Unten, an der Cocktail-Bar, werden zu Spottpreisen Longdrinks zusammengepanscht. Wer einmal zur mittwöchigen Shot-Night hier war, weiß, welche Schmerzen der StuSieFusel am Folgetag verursacht.

Die Bedienungen sind indes perfekt aufeinander eingespielt und handeln den großen Andrang genauso souverän wie freundlich.



Essen gibt es all-night-long bei ESSO. Und so gehorchen ich meinem chemischen Hunger und mach gegen halb Vier noch mal einen kleinen Abstecher zur nahe gelegenen Tanke. Für meinen „tierisch leckeren“ (so die Werbung) Tiger-Burger zahl ich 2,49; mein Kumpel organisiert sich für 3,79 das Menü des Monats und hat also zusätzlich noch eine Mini-Packung Chips und ’ne Null-Dreier Coke am Start. „Denkt an die Elektrolyte!“ höre ich benebelt Karl Schmidt mahnen.

Aufs Klo um Drei

… schaff ich’s nicht. Im großen Saal ist die Party gerade zu Ende gegangen und so strömt alles nach unten oder sonst wohin. Ich eile nach draußen, erwähle mir den schönsten StuSie-Strauch und: Wasser marsch!

Und während ich noch am Ginster stehe, schaue ich nach oben, in die klare Nacht, und habe irgendwie das Gefühl, mit dem Universum eins zu sein.



Nostalgie-Trip

Abenteuerliche One Night Stands. Das erste Mal Fremdgehen; das letzte Mal Fremdgehen. Horrortripps auf fiesem Dope. Die große Liebe; die kleine Liebe. Chaos, Blut, vergossne Tränen. Alk-Absturz und Voll-Blackout. Freunde kommen, Freunde gehen. Schweden, Spanien, Kanada. – StuSie, du bist ’ne geile Sau.

Fazit

Wer keinen Wert auf ausgetüftelte DJ-Sets legt; wer billig saufen und schwitzend feiern will; es typisch studentisch und obendrein international mag; einsam nur schwer in den Schlaf findet; – der darf sich die Semestereröffnungspartys der StuSie auf keinen Fall entgehen lassen!

Mehr dazu:

fudder.de: Serie Nightlifeguru