Nightlife-Guru: SC vs. St. Pauli @ Dreisamstadion

Nightlife-Guru

"Die Partie als Party" stand auf den Plakaten, mit denen der SC zum ersten Spiel der Saison gegen den FC St.Pauli lud. Grund genug für uns, unseren Party-Fachmann, den Nightlife-Guru, ins Dreisamstadion zu schicken. Er kam einigermaßen desillusioniert zurück.




(Die Jungs) An der Tür

Das Hologramm auf meiner jungfräulichen Dauerkarte glitzert verführerisch im strahlenden Sonnenschein, als ich sie vor dem Eingang zur Nordtribüne aus der Tasche ziehe. Es ist kurz nach 14 Uhr, es gibt quasi keine Schlangen mehr, ich bin spät dran. Am ersten Spieltag heißt es: pünktlich sein. Ein freundlicher junger Mann scannt meine Karte, und dann bin ich drin. Sofort umfängt mich eine Wolke von Würstchenduft, verschütteten Bier und Vorfreude.

Dreisamstadion, wie habe ich dich vermisst.

 

Inneneinrichtung & Deko



Ich mache mich auf den Weg die rappelvolle Nord hoch und suche den Stammplatz bei den Fußballfreunden. Die halten bereits - Fußballfreunde! - ein Bier für mich bereit.

Große Freude, dass es heute! endlich! wieder! losgeht! Um nervöse Energie abzubauen und die Nord zu dekorieren zerschnipseln wir gemeinsam das Altpapier der vergangenen Wochen und führen nicht nur den Kulturteil der Badischen Zeitung sondern auch diverse Ausgaben von Financial Times, FAS und Jungle World ihrer letzten Bestimmung zu.



"Choreo." Ein ausgesprochen doofes Wort. Aber das, was sich vor diesem Spiel dahinter verbirgt ist gut geplant und sieht toll aus. Auch ich lupfe zum Einzug der Mannschaft das weiße Stück Papier, das mir gerreicht wurde.



Wer war da?


Alle. Das Dreisamstadion ist ausverkauft.

Frappierend aber, wie immer, die Unterschiede auf den Tribünen. Auf Haupt- und Gegengerade kommt man spät, bleibt ruhig und sitzen. Ich hoffe, dass ich nie dort enden werde.

Spielatmosphäre & Strategie-TÜV



Die Partie als Party? Nunja.

Innerhalb von wenigen Minuten nach Anpfiff ist klar: das wird ein Spiel der Variante 1. FC Not gegen SC Elend.

St. Pauli macht dabei aber erstmal ziemlich viel richtig: Sie stehen sauber in zwei Viererreihen in der eigenen Hälfte und setzen offensiv den einen oder anderen Nadelstich. Freiburg zuckt relativ unorganisiert als Reaktion und kann der dichten Staffelung der Hamburger wenig entgegensetzen. Viel Laufarbeit wäre nötig, um deren Positionen zu durchbrechen. Stattdessen bleiben die Spieler des SC einfach stehen; relativ plan- und hilflos.

Makiadi geht mehrfach noch einen Schritt weiter, halt, nein noch einen Schritt weniger: er schwalbt, und bleibt dann erstmal liegen, um abzuwarten, was der Schiedsrichter macht. Der pfeift jedoch bei beiden Situaionen nicht ab, und Pauli erspielt sich Chancen.

Ich schäme mich fremd.

Wo ist die vielbeschworene Einheit der Mannschaft? Die Körpersprache der Spieler ist unterwürfig und hektisch. Julian Schuster versucht schreiend seine Mannschaftskameraden zu motivieren. Neuzugang Jan Rosenthal bleibt blass.

Die Papierbögen der Choreo werden derweil in den sonnenbeschienen unteren Reihen der Nord zu Hüten verarbeitet. Origami zur Ablenkung von Not und Elend auf dem Rasen.



Catering & Getränkekarte


Alles ist wie immer.
Aber irgendwie habe ich sie vermisst, die Plastikbecher des Dreisamstadions. Kurz vor der Halbzeit - in der Hoffnung, dass während meiner Abwesenheit wie so oft ein Tor fällt, hole ich gleich mal einen ganzen Schwung für die Fußballfreunde.



Der Plan geht nicht auf.

Die Stimmung in der Halbzeitpause ist dementsprechend deprimiert. Und so geht es dann auch gleich mal weiter. Warum tut es manchmal so weh, Fußballfan zu sein?

 

Aufheiterle


In der 78. Minute trifft Cissé.
Ein nicht sonderlich verdientes Tor, aber das ist einem in Spielen und Momenten wie diesen egal. Ein Tor! Unfassbar! Juchu! Das Spiel dauert ja nur noch zwölf Minuten. Das halten wir! Garantiert!



Aufregerle

Noch im Torjubel kommt die nächste Torchance für St.Pauli. Fünf Minuten später kann Simon Pouplin einen Schuss von Boll nicht halten. Tor. Okay. Also nur 1 Punkt und nicht 3. Doof, aber kein Drama, das Spiel dauert ja nur noch sieben Minuten.

Doch St. Pauli gelingen in genau diesen Minuten unfassbarerweise noch zwei weitere Treffer durch Sukuta-Pasu und Bartels. Der Gästekäfig vibriert vor Freude rhythmisch, und zwar vollkommen zu recht.

Noch vor dem Abfiff machen die Besucher der Gegengerade sich auf dem Heimweg. Eigentlich mag ich sie nicht, diese Leute, aber beim Fußballgott, heute kann ich sie verstehen.



Auf dem Klo nach dem Spiel

Im Klo unter der Nordtribüne klebt ein 'Hund am Strand'-Sticker. Die kleine Combo aus Köln war vor fünf Jahren groß, ein gutes dreiviertel Jahr lang. Länger sollte der SC sich nicht in der ersten Bundesliga halten können, wenn er weiterhin so spielen sollte wie heute.



Fazit

So kann das nicht weitergehen. So soll das nicht weitergehen. So darf das nicht weitergehen.

Robin, tu was!