Nightlife-Guru: SC gegen Leverkusen @ Dreisamstadion

Nightlife-Guru

Am Samstagnachmittag spielte der SC das letzte Mal in dieser Saison. Zu Gast im Dreisamstadion war Bayer Leverkusen - und unser Nightlife-Guru, der in Anbetracht der Abschlussparty auf Freibier spekulierte. Und insgeheim hoffte, die Telefonnummer eines jener Models zu ergattern, die die neuen SC-Trikots präsentierten.



Die Jungs vor der Tür ...

... versuchen noch die letzten Tickets zu verchecken. Die Party ist begehrt, da brummt das Schwarzmarktgeschäft wie selten. Die anderen kippen ihr letztes Zäpfle runter. Vorgeglüht wird schon seit 14 Uhr.

Den Pfand staubt einer der vielen Pfandsammler ab: Von weitem beobachtet er genau wer als nächstes seine Flasche leert und staubt dann in Cissé-Manier ab. Noch bevor die Flasche auf dem Boden steht ist er zur Stelle. 30 bis 50 Euro macht er pro Spiel, so steht's im Stadionheft.

Inneneinrichtung & Deko

Keep on rockin' ist das Motto der Saisonabschlussparty, das von der Nordtribüne vorgegeben wird – wobei an diesem Nachmittag hauptsächlich auf Fanseite gerockt wird. Die Herren auf der grünen Bühne spielen eher Kuschelrock mit Schönheitsfehlern, die weiblichen Fans sehen die Performance als Wet-T-Shirt-Contest und haben Spaß.

Immerhin ist die Partydeko schön einheitlich. Dresscode: Rot, Schwarz und Weiß für Fans des SC und Leverkusen gleichermaßen. Harmonie schon bei der Farbenwahl - das kann ja ein entspannter Nachmittag werden.



Wer war da?

Erstens, ein paar Models, die das neue SC-Trikot vorführen und damit natürlich erbitterte Diskussionen lostreten: Pyjama-Look oder zeitgemäßer H&M-Style? "Geht mal gar nicht" oder "Richtig geil"? Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ich find's gut, weil mein alter Ringelpulli jetzt endlich als SC-Outfit durchgeht.

Zweitens, der Live-Act: Ein Team, das durch einen Sieg die Champions League-Teilnahme sichern kann, plus ein Team, das nur noch spielt, weil man in der Bundesliga nun mal 34 Spiele machen muss. Für den SC geht es um nichts mehr, so tritt das Team auch die meiste Zeit über auf. Entschuldigend muss man hinzufügen, dass es wie aus Eimern gießt, sodass auch zwei technisch starke Mannschaften wie Leverkusen und Freiburg nicht allzu oft Herr des flutschigen Balls sind. 1:0 für die Gastmannschaft ist unterm Strich das Ergebnis, das der Stimmung am besten tut.

Drittens, geduldige Partygäste: Die Fans aus Leverkusen feiern den Sieg und die Champions League-Teilnahme; die SC-Fans feiern wehmütig den Abschied von Robin Dutt, sich, den Nicht-Abstieg, die neuen Trikots. Alle feiern, alles gut?

Viertens, zum letzten Mal: Ömer Toprak, Tommy Bechmann, Jonathan Jäger, Robin Dutt, Marco Langner und Damir Buric. Tschüss, Danke, viel Erfolg!



Feieratmosphäre & Klangwaren-TÜV

Hat man Spiele mit einer Stimmung wie gegen Hoffenheim miterlebt, geht das, was an diesem Nachmittag geboten wird, eher in Richtung 3+. Trotzdem verleiht ein melancholische Schleier dem letzten Spiel der Saison einen besonderen Flair.

Zombie Nation, Badnerlied, SC Freiburg vor!, oft gehört – selten so intensiv erlebt, der Gedanke an die noch endlos erscheinende Sommerpause lässt mich traurig werden, meine Gedanken schweifen zurück und lassen eine tolle Saison Revue passieren. Eckballtore, Derbysiege, Europa League Gedankenspiele: All das kommt nochmal hoch.

Bei der Songwahl greift die feiernde Meute auf bewährtes Liedgut zurück. Das hat man in dieser Saison zwar schon inbrünstiger gehört, aber dafür gibt's - zumindest für Haupttribüne und Gegengerade - Stadiongesang in Stereo-Quali: Die mitgereisten Leverkusener sind fast genauso laut wie die Nordtribüne, dazu haben beide Lager ziemlich ähnliche Songs im Repertoire.



Wahnsinn: Harmonie wo man hinschaut. Als dann auch noch der FC Bayern zurückliegt, kennt das gemeinsame Glücksgefühl keine Grenzen mehr. Trotzdem: Das miese Wetter und der miese Kick trüben die Stimmung deutlich, Fans verlassen sogar frühzeitig das Stadion. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil sie nicht im Regen auf die überfüllte Straßenbahn warten wollen.

Catering & Getränkekarte

Ich versuche die letzte Stadionwurst der Saison ganz bewusst zu genießen, gehe in mich und erinnere mich an viele vergangene Stadionwürste. Auf mein obligatorisches Stadionradler verzichte ich – vorerst, denn ab 17:30 Uhr ist Freibierzeit, der Pfennigfuchser bricht in mir durch.

Auf dem Klo um halb drei mittags

Das letzte mal Klogehen beim SC versuche ich ganz bewusst ... nein! Nix los auf dem Klo um halb drei.

Aufregerle

SC-Marketingchef Hanno Franke macht im Stadionheft dezent darauf aufmerksam, dass der liebe SC-Fan in Zukunft mehr Geld hinblättern muss. Das Aufregerle ist für mich die Formulierung: "Wir führen sanfte Preiserhöhungen durch." Lieber Herr Franke! "Sanft" ist meinetwegen die Ballbehandlung von Julian Schuster oder der Wind, der durchs Stadion weht - von mir aus auch Ihre Dauerwelle. Aber "sanft" ist keine Preiserhöhung!



Aufheiterle

Der Sitzplatz, den ich mir gönne, lohnt sich heute doppelt. Während Beyer Leverkusen unten auf dem Rasen das 1:0 nach Hause schaukelt, bietet sich mir keine zwei Meter entfernt ein herrliches Bild: Eine Treppenstufe ist ohne ersichtlichen Grund einige Zentimeter höher angelegt worden als ihre Stufennachbarn und zwingt einen Partygast nach dem anderen zur unsanften Bier-Bruchlandung. Zeitweise konzentriere ich mich viel mehr auf das Erspähen neuer potentieller Bierverschütter als auf das Spiel. Die Häme schlägt knallhart auf mich zurück: Auf dem Heimweg legt es auch mich flach.

Fazit

Zumindest während des Spiels kommt die Abschlussparty des SC noch nicht so richtig in Fahrt. Ich schnappe mir noch ein Freibier für den Heimweg und frage mich, ob ich nun die Party des Jahrhunderts verpasse. Live-Musik von Lingua Loca, Auftritt der Mannschaft plus Trainerteam auf der Bühne - gegen 20 Uhr endet die Fanparty.

All das entgeht mir. Mag sein, dass die Freibieraktion noch für exzessive Stimmung sorgt. Meine Gedanken nehmen derweil aber bereits Kurs auf die weitere Abendplanung. Die erste Party für heute ist vorbei, ein Abschluss ohne Abschuss. Es ist 17:45 Uhr.

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[Bilder: Michael Bamberger/Badische Zeitung]