Nightlife-Guru: Rhythm and Schaschlik im Bucovina Club

Nightlife-Guru

Der Balkanschwof mit dem Bukovinahessen Shantel erfreut sich im Badischen einiger Beliebtheit. Wir haben uns die Klezmergaudi am Ostersonntag im Jazzhaus angesehen und dabei nicht mal Schnaps getrunken. Hier kommt das nüchterne Urteil - und die erste Folge unserer neuen Serie "Nightlife Gurus".



Die Jungs an der Tür

Ausgesprochen freundlich. Den Stempel drücken sie für 7 € ab. Als ich später im Eingangsbereich rauche, werde ich darum gebeten, dies doch weiter oben zu tun, auf der überfüllten Treppe.

Deko

Wie so oft ist das Jazzhaus karg und undekoriert. Die bunten Partymenschen stehen im Kontrast zum nackten Kellergewölbe.

Wer war da?

Ein extrem heterogenes Publikum. Die 19-jährige Abiturientin rumänischer Herkunft tanzt neben dem weißhaarigen deutschen Beamten. Mittzwanziger alternativen Schlages bilden das Gros.



Feier-Atmo

Um 23:30 Uhr steigen die ersten Look-at-Me's auf die Bühne und schwofen wild drauflos. Oben steht Shantel im weißen Anzug hinter den Plattentellern. Um 23:45 Uhr spielt er den Chart-Hit „Disko Partizani“, die Menge johlt. Beim nächsten Kracher, der Club-Polka „Disko Boy“, sieht man viele Arme in der Luft. Den Refrain kennt man hier. Exzess, Jazzhaus wird zum Partyschaschlik.

0:55 Uhr. Shantel bringt das Partisanenlied „Bella Ciao“ und fragt: „Freiburgiii! Seid ihr mit mir?“ Dämlich, sowas aus dem Mund eines Frankfurters zu hören. Oh Neiniii!



Getränke

An der Bar gehts ungewöhnlich fix. Tequila 2,50 €, großes Fürstenberg 3,40 €. Getränkekarte liest sich unverschnörkelt, annehmbare Preise. Wodka oder Schnaps trinkt hier keiner, trotz Balkanmotto.

Auf dem Klo um halb vier

Die Ausgelassenheit der Party spiegelt sich im sanitären Bereich zum Glück nur bedingt wieder. Witzig, den einen oder anderen Derwisch mal im Hellen zu sehen.

Klangwaren-TÜV

Die Bässe sind satt, die Höhen prägnant, das Schlagzeug knackig. Die Beats des R’n’Balkan und die Blechbläser folkloristischer Roma-Orchester sind bestens aufeinander abgestimmt.

Aufregerle

Ich muss eine Viertelstunde in eisiger Kälte warten, bis ich reinkomme. Die Garderobe ist so stark belagert, dass ich mich entscheide, meine Jacke später abzugeben. Später ist dann die Garderobe voll.



Aufheiterle

Ich treffe einen hünenhaften, glatzköpfigen Polen wieder, mit dem ich mal nach Berlin gefahren bin. Auf der achtstündigen Fahrt hatte er meine Nerven mit polnischem Ska auf die Probe gestellt. Heute bewegt er seinen massigen Körper extatisch zu Gypsy Grooves.

Abrechnung

Den Freiburger Abend dürfte Stefan Hantel (Shantel) einmal mehr als Erfolg verbuchen. Zumindest an der Dreisam ist die Balkanwelle noch nicht gebrochen.

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