Nightlife-Guru: Project Freiburg aka Project Südbaden - in Lahr

Nightlife-Guru

Im Film "Project X" verwüsten feiernde Teenies ein ganzes Viertel. 16.000 Menschen hatten auf Facebook zu "Project Freiburg" zugesagt - es sollte die größte Hausparty der ganzen Region werden. Dann verlegten die Veranstalter die Party ins Universal D.O.G. in Lahr. fudders Nightlife-Guru war trotzdem da:



Die Jungs an der Tür

Wird Rollstuhl-Roberts Glatze poliert? Und gibt es den Tequila-Shot aus der Pistole? Im Film konnten 1500 Leute ein ganzes Viertel in nur einer Nacht völlig zerstören. Auf Facebook haben 16.000 Menschen zugesagt. Trotzdem bin ich mir unsicher, ob die Party im D.O.G. wirklich zehnmal geiler wird als die in der Dickens Street. Von den Veranstaltern wurde viel versprochen, die Party wird seit Monaten gehypt. Irgendwie bin ich gespannt, heute in die Rolle des Kameramanns Dax zu schlüpfen.

Die ganze Straße zum D.O.G. ist zu geparkt. Doch von Beamer, Benz oder Bentleys keine Spur. Immerhin, wie angekündigt: eine alte Rostbeule, die aussieht, als sei sie gerade von dem Schrottplatz der Ludolfs aus DMAX geklaut worden. Nett gemeint, aber das kleine Flämmchen im Auto und die lange Schlange erinnern mich an die Warteschleife der Dinobahn im Europapark. Passend dazu sieht der Türsteher aus wie Tyrannosaurus Rex, nur in Miniformat.

Inneneinrichtung und Deko

Angeblich soll die Inneneinrichtung im Wohnzimmer-Stil dekoriert werden. Es soll etwas "Hauspartyfeeling" rüberkommen. Ja, so stell ich mir auch meine vier Wände vor: eine Halle mit einer Riesen Leinwand mitten auf der Stage, wo - wie einfallsreich - der Project X-Film rauf und runter läuft. An die Mädels, die Shots verteilen, könnte ich mich auch gewöhnen.

Eigentlich hatte ich mich gefreut, etwas Deichkind spielen zu können. "Schmeiß die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum dancen" - aber das kann man heute vergessen.  Vom Wohnzimmer-Inventar keine Spur! Der absolute Witz: der fliegende Hund an Luftballons ist selber einer. Dabei hatte ich mich so auf den kleinen Köter Milow gefreut. Im Ernst, selbst Tine Wittler hätte das besser umsetzen können.



Wer war da

Alexis, die heißeste Tussi der High-School, oder die süße blonde Kerby: keiner anwesend. Weder nackt im nicht vorhandenen Pool, noch sonst irgendwo. Von den Jungs hat auch keiner Stil und traut sich, wie J.B. im Anzug vom Herrenausstatter zu kommen. Dafür sind die Damen hollywoodreif geschminkt. Sie hoffen wohl, dass heute Abend ihr modernes Märchen von "Tinderella" in Erfüllung geht.

Barbies gibt es auch nicht. Mit den Riesen Pupillen - woher die bloß kommen mögen - sehen sie eher aus wie die verwandten Bratz-Puppen. Dafür können die meisten beim Twerken Miley das Wasser reichen.

Im Gegenzug gibt es wie in jedem amerikanischen Teenie Film die begehrte, sportliche Jungs-Gruppe. Ein paar der Eishockey-Spieler des EHC Freiburg sind am Start. Sie können zumindest den Baseball-Star Miles Teller aus dem Film stilgemäß vertreten. Entsprechend werden die frischen Oberliga-Meister im Jeep wieder abgeholt.

Party-Atmosphäre und Klangwaren TÜV

Party-Atmosphäre ist auf jeden Fall vorhanden! Ob in der großen Halle, dem Zelt im Outdoorbereich oder auf dem extra Floor, der etwas versteckt hinter den Toiletten liegt: Die Musik ist abwechslungsreich und trifft voll und ganz meinen Musikgeschmack. Die DJs wissen, wie man die Leute einheizt! Sie können definitiv eingesetzt werden, wenn es einen zweiten Teil geben sollte.

Doch wo ist der Soundtrack des Films? Wo bleibt "Heads will roll" von den Yeah Yeah Yeahs oder "Pursuit of Happiness" von Kid Cudi? Wenn "Beamer, Benz and Bentley" schon nicht auf dem Parkplatz zu finden sind, hätte ich sie wenigstens hören wollen. Na ja, ich war bestimmt immer zur falschen Zeit am falschen Ort.

Es ist eine ganz normale Party, nur mit ein paar Specials: Zwergenwerfen, Hüpfburg, Rodeoreiten, Bierpingpong und Schaum. Waren so nicht immer die Vacation-Beats-Partys?
Irgendwie mehr Schein als Sein. Mit dem Zwerg trifft jedenfalls niemand den Basketballkorb. Selbst als er beim hundertsten Mal runterfällt,  kommt keine weiße Pille raus.

Die Hüpfburg ist viel zu alt - den Sprung vom dicken J.B. würde sie sicher nicht überleben. Wo bleiben die Orsons mit "seid ihr schon mal nackt auf einem Trampolin gesprung‘?" Ein bisschen Eskalation? Nein?! Vom traurigen Rodeoreiten fange ich erst gar nicht an, beim Bierpingpong musste man trotz der viel zu überteuerten Karte 4 Euro extra latzen.



An der Bar

Die Mädels machen ihren Job gut und sind freundlich. Dem ein oder anderen unterhopften Typ können sie sogar auf dumme Anmachsprüche Konter geben. Leider gibt es kein Freibier, geschweige denn Tequila aus der Shot-Pistole. Alles überteuert. Wie immer.

Aufheiterle

Im besagten hinteren Floor laufen Black Beats. Ein paar Checker  beobachten die Mädels mit verschränkten Armen und nickendem Kopf heimlich am Rand. Kurz vor dem Ende der Veranstaltung schleichen sich die Hip-Hopper dann doch noch auf die Tanzfläche und liefern sich kleine Dancebattles. Mehr Step Up als Project X - aber geil!



Aufregerle

16 Euro für eine Karte? Bei so einem Preis erwarte ich, dass der Zwerg gefüllt ist! Und die Schaumkanone? Bleib geschmeidig? Man kann es auch übertreiben! Kostet mich nochmal 16 Euro für den nächsten Friseurbesuch.



Auf dem Klo

Schmutzig wie immer und überall liegt Klopapier rum. Auf der Männertoilette gibt es eine kleine Schlägerei, die Mädels trocknen ihre Haare unter dem Händetrockner.

Fazit

Beim nächsten Mal das D.O.G. durch "Smoke Weed every day mit motherfucking D-O-GG." ersetzen. Dann könnte es was werden. Aber so? Freiburg und Project X? Ein Satz mit X, das war wohl nix.

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[Fotos: fudder]