Nightlife-Guru: Plastic Pop Up Club im Drifters

Nightlife-Guru

Die Macher des Plastic Pop Up Clubs haben am Freitag das dreijährige Jubiläum ihrer Party gefeiert. Unter den ungeladenen Gästen befand sich auch unser Nightlife Guru. Im Drifters Club hat er nach dem Rechten gesehen.



An der Tür

Die Türsteher im Drifters sind hart aber fair. Sie sind streng, flößen Respekt ein, tun. was manchmal getan werden muss, können aber auch nett und freundlich sein.

An der Drifters-Tür kann es einem aber unter Umständen passieren, dass man auch mal einfach nicht reingelassen wird. Eine wie ich finde gute Sache, die in eigentlich jedem anderen Club hier in der Stadt undenkbar ist, wird man doch getreu dem Motto “Selektion - was ist das?” regelrecht hofiert, in den jeweiligen Club zu kommen, außer, man ist hackedicht. Den Eintritt von fünf Euro drücke ich der netten Kassiererin gerne in die Hand und die Hürde ist genommen.

Nur so am Rande: Eine Hürde, die ich im Eimer in der Belfortstrasse vorher nicht überwinden konnte. Da wollte man mir leider kein Bier verkaufen und bat mich nach zehn Minuten Warten ziemlich wirsch und ohne mich eines Blickes zu würdigen mit den Worten “Diese Plätze sind schon besetzt” zum Ausgang.



Deko / Einrichtung

Als der Plastic Pop Up Club noch in der Jackson Pollock Bar stattfand, fielen einem unweigerlich Carla Commodores Dekorationskünste ins Auge. Mit viel Liebe zum Detail schuf sie in der sonst immer etwas kühl wirkenden Bar eine schöne Atmosphäre.

Auch im Drifters wird sofort auffällig, wer hier die Party veranstaltet. Zwar nicht so ins Auge fallend wie früher, doch ist auch dieser Club mit netten Gimmicks wie Blumen, von der Decke hängenden Federn und Zweigen (oder so was ähnlichem) und leuchtenden, kleinen, planetenähnlichen Kugeln ausgestattet. Da das Drifters selbst auch schon immer wert auf Stil (dezente Beleuchtung und coole Videoanimationen) gelegt hat, passt hier heute alles gut zusammen.



Wer war da?

Der Plastic Pop Up Club hat seine eigene, große Fanbase. So trifft man an diesem Abend nicht unbedingt die bekannten Drifters-Gänger, sondern sieht viele neue Gesichter, die einem sonst eher im Kamikaze über den Weg laufen. Das Publikum wirkt sehr homogen, entspannt und besteht, so wie ich tippe, zum Großteil aus Studenten.

Hier tummeln sich eine Vielzahl an Röhrenjeans und Chucks tragenden Indiemädchen und -jungs, die etwas ungelenk, aber irgendwie auch süß zu Techno tanzen und auch ohne weiteres an einem Ramones Look-a-like Contest teilnehmen könnten. Sonst sieht man den ein oder anderen stadtbekannten DJ, Fönfrisuren, Polohemden und kaum Technoheads. Besonders auffällig ist die ungewöhnlich hohe Frauenquote, strotzt das Drifters doch sonst immer nur so vor männlichem Publikum.



Partyatmosphäre / Klangwaren TÜV

Plastic Pop Up Club heißt voll auf die 12. Und zwar von Anfang bis Ende. Selbst, als der Laden noch relativ leer ist, ist hier die musikalische Abfahrt schon im vollen Gange. Die DJs, die sich im Rotationsprinzip die Plattennadel in die Hand drücken, heißen Jan Ehret, Silly Kohn, Pornoladenerbe, Uncut und natürlich die Residents Carla Commodore und Francois Super U. Stilistisch halten sich die Discjockeys wie gewohnt im Bereich Indie-MashUp-Techno-PostPunk-NuRave-Elektro auf.

Insgesamt wirkt es so, als ob das neue Umfeld seit dem Weggang aus der Jackson Pollock Bar die musikalische Entwicklung der Party beeinflusst hat. Deutlich mehr Techno und weniger Breaks bestimmen den Sound, was aber auch die treue Fangemeinde nicht zu stören scheint. Knallt ja auch so gut rein. Aber auch der Plastic Pop Up Club schafft es trotz seiner Geburtstagsparty zum dreijährigem Bestehen nicht, das typische Driftersproblem (so fern man es denn so bezeichnen will) zu beseitigen:

Auch an diesem Abend dauert es lange, bis der Club einigermaßen voll ist, um 1 Uhr ist noch tote Hose und so richtig füllen wird es sich hier nicht vor 3 Uhr. Immerhin halten sich der Großteil der Gäste auch direkt auf der Tanzfläche auf, so dass die Party recht schnell in Schwung kommt. Leider leidet unter der Vielzahl der DJs definitiv der Flow und für meinen Geschmack will auch oft nicht so richtig Stimmung aufkommen.

Es ist zwar nicht so, dass das tanzende Volk keinen Spaß hat, aber irgendwie war früher mehr Ekstase angesagt. Nur vereinzelt fliegen auch mal die Hände in die Luft, dazu braucht es dann aber auch diverse Hits wie Digitalisms Home Zone, Samples wie Haddaways What is love (obwohl ich nicht verstehe, was so was hier zu suchen hat) und vor allem Jan Ehret, der eine gewaltige Ladung Gitarren in die Musik schaufelt.

Sonst rockt, rotzt und nu-ravt es vor sich hin und ich greife immer mehr zum Schnaps.



Catering

Der Service im Drifters war schon immer super. Die Betreiber haben hier wirklich ein gutes Händchen für fähiges Personal. Die beiden Frauen, die an diesem Abend hinter dem Tresen stehen, sind freundlich, schnell und verstehen es auch, gute Drinks zu mixen. Die Preise bewegen sich nach wie vor im Rahmen. Longdrinks sind für € 6,50 und ein Flaschenbier für € 3 zu bekommen.

Besonders mir zum Verhängnis wurden aber die äußerst günstigen Kurzen, so kostet der Shot nur schlappe € 1,50. Mein Kopf hat sich am nächsten Morgen bedankt.



Auf dem Klo um halb 4

Die Renovierung der Toiletten war die beste Investition, die das Drifters je machen konnte. Seit dem Umbau sind diese auch um halb 4 noch recht sauber, begehbar und erträglich. Irgendwie herrscht hier immer eine eigenartige Ruhe. Aber man kommt auch mal in den Genuss, neben dem Zwillingsbruder von Marilyn Manson pinkeln zu können.

Aufregerle

Die Anlage im Drifters schreit förmlich nach einer Überholung. Die Bässe sind viel zu wenig zu spüren, dafür geht einem der schrille und viel zu laute Sound durch Mark und Bein. Eine Anlage, die Krach macht, aber keinen Druck entwickelt, ist wirklich keine gute Anlage. Hat allerdings auch sein Gutes: mein Alkoholkonsum wäre sicherlich noch deutlicher gestiegen, wäre ich nicht zu sehr damit beschäftigt gewesen, dauernd meinen Finger ins Ohr zu stecken, um den letzten Rest Trommelfell vor der Explosion zu bewahren.

Ich bin sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber der Sound war wirklich viel zu laut. Und vergleichsweise gesehen ist der Sound hier trotzdem noch besser als in ihrer alten Residency in der Bar unter dem Stadttheater.

Fazit

Auch nach drei Jahren zieht der Plastic Pop Up Club immer noch eine Menge begeisterter Fans an, bietet allen, die auf Rock und Techno gleichzeitig stehen, ein legitimes Zuhause und hat mit dem Drifters einen mehr als würdigen Nachfolgeclub nach ihrem Weggang aus der Jackson Pollock Bar gefunden.

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