Nightlife-Guru plädiert für härtere Türen in Freiburger Clubs

Nightlife-Guru

Diesmal meldet sich der fudder-Nightlifeguru nicht mit einem Partybericht, sondern mit einem Meinungsstück zu Wort. Denn er findet, dass das Freiburger Nachtleben unter mangelndem Auswahlverfahren leidet. Ein Thema, über das sich trefflich streiten lässt.



Kommendes Wochenende werde ich wieder einmal in nächtlicher Kälte vor der Tür eines Clubs anstehen, warten und vor Spannung zittern. Halte ich dem prüfenden Blick des Türstehers stand? Werden ihm meine vor Nervosität flackernden Augen auffallen? Wird er mir Einlass gewähren? Bin ich der richtige, um an dieser Clubnacht teilnehmen zu dürfen?


Fragen, die mich schon Tage zuvor umtreiben und an meine nervlichen Grenzen stoßen. Fragen, die in Freiburg völlig überflüssig sind. Denn die Türsteher in meiner geliebten Wahlheimat sind einfach zu lasch und zu zaghaft. Wann kommt es hier schon vor, dass Leute von vornherein der Tür verwiesen oder verhaltensauffällige Clubgänger umgehend vor die Tür gesetzt werden?

Dieses mangelhafte, gar fehlende Auswahlverfahren nervt! Denn nur so kommt es zu Situationen, in denen präpotente, hormongeflutete Jugendliche, New Era-bemützte Bling Bling-Kids mit Schachbrettmuster auf der Oberseite des Schirms, unter übermäßigem Alkoholeinfluss ihr gesteigertes Bedürfnis nach kindlicher Lustbefriedigung auf der Tanzfläche ausleben. Entweder stehen sie im Rudel mit gespielt gelangweiltem Gesichtsaudruck im Weg oder sie versuchen, ihr kaum vorhandenes Selbstbewusstsein mit offensiven Posen zu übertünchen. Die Mädels, die unfreiwillig in ihr Umfeld geraten, wissen sich ihren Zuwendungen und Aufdringlichkeiten kaum zu erwehren. Und nach wenigen Minuten kippt die Stimmung – Testosteronüberschuss.

Die fehlende Aussonderung an der Tür sorgt auch dafür, dass sich ab einer bestimmten Uhrzeit Neon lesende spätpubertäre Starbucks-Hipster, Vertreter des Indie-Yuppie-Establishments, um das DJ-Pult scharen und sich „etwas zum mitsingen“ wünschen. Oder, schlimmer geht’s kaum, „etwas mit Bass (wechselweise Beat), worauf man abtanzen kann.“ Ein für alle Mal: Nahezu jede Ausprägung von Tanzmusik, ob nun 4/4 oder nicht, beruht auf Bass- und Beatstrukturen. Und kaum ein Club-DJ wird atmosphärisch-experimentelle Ambientmusik spielen, wenn es ums Tanzen geht.

Ebenfalls nervig sind all die Kids, die ihrem Blutkreislauf irgendwelche Synthetik-Anteile beifügen, aber ab einer gewissen Dosis und Uhrzeit nicht (mehr) drauf klarkommen. Das Reingrölen in die Breakdowns, meist mit unkontrollierter Lautstärke, raubt einem DJ-Set, einer Clubnacht insgesamt, die ganze Atmosphäre.



Ich bin mir durchaus bewusst, dass es nicht leicht ist, den richtigen Clubgänger beziehungsweise die richtige Clubgängerin für eine Nacht, für eine Veranstaltung aus einer Vielzahl anstehender Gäste auszuwählen. Ich halte nichts davon, schicke Kleidung, Modemarkennamen und weitere Oberflächlichkeiten als Entscheidungshilfe heranzuziehen. Das ist etwas für die langjährig erprobten Sonnenbänkler und Nagelfeiler in Münchens P1, in der 089-Bar und in vergleichbaren Prosecco-Scheunen. Doch seien wir mal ehrlich: das sind auch keine Clubs.

Ich bin weit davon entfernt, ein Musterkonzept zur Lösung dieses Dilemmas anzubieten. Um sprichwörtlich die Spreu vom Weizen zu trennen, könnte man beispielsweise den Einlass hauptsächlich von einer Anmeldung per E-Mail oder über Facebook abhängig machen. So wäre gewährleistet, dass wirklich nur die Leute sich auf einer Veranstaltung einfinden, die wirklich daran teilnehmen wollen. Gerade heutzutage lässt sich dahingehend über soziale Netzwerke sehr viel bewerkstelligen. Und was ist mit auswärtigen Gästen und absoluten Spontanentscheidern? Diese sollen ja nicht gänzlich ausgeschlossen, nicht ihrer Feiermöglichkeiten beraubt werden. Hier tut sich ein Zwiespalt auf, der genauso kontrovers diskutiert werden kann, wie das ganze Tür-Dilemma selbst.

Was ich letzten Endes will, ist wieder mehr Risiko, eine größere Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit im Freiburger Nachtleben. Denn wie viel größer ist anschließend die Freude, Teil einer (Feier-)Gemeinschaft gewesen zu sein, die ein besonderes Erlebnis, das Erfahren einer rauschhaften Nacht teilt und tags darauf mit Stolz den Stempel an der Handinnenfläche trägt und weiß: ich war dabei!