Nightlife-Guru: Peter Kruder bei der Root Down im Waldsee

Nightlife-Guru

Peter Kruder und Rainer Trüby all night long: Das ist Root Down Champions League, und deshalb haben wir unseren Nightlife-Guru am Samstagabend von der Fußball-Couch auf- und ins Waldsee gescheucht. Was er an der Tür, an der Bar und auf dem Klo erlebt hat, erfahrt ihr in seinem Nachtbericht.



An der Tür

"Ist das der Kruder von Kruder und Dorfmeister, der heute Abend auflegt?", fragt ein Kerl die beiden Frauen an der Abendkasse. Er ist geschätzt Anfang zwanzig, trägt einen braunen Cardigan mit Lederflicken an den Ellenbogen, und ein flaumiger Vollbart umrahmt sein Gesicht. Als er geboren wurde, hatten die Wiener Elektronikmusiker Peter Kruder und Richard Dorfmeister gerade ihren ersten Hit, die EP "G-Stoned" in ihrem Hinterzimmerstudio in der Grundsteingasse produziert.

Gut möglich, dass er diese Platte vor Kurzem in der elterlichen Sammlung entdeckt hat und sich an diesem Samstagabend auf die Spuren der Exzessvergangenheit seines Vaters oder seiner Mutter macht. Seine Frage geht in einer Dub-Wolke, die Rainer Trüby soeben durch die Lautsprecher jagt, völlig unter. Er wiederholt sie. Ich helfe nach. "Ja, das ist der Kruder von Kruder und Dorfmeister." Und er: "Wow, und der in Freiburg? Cool."  

Inneneinrichtung und Deko

 
Das Waldsee wäre nicht das Waldsee, die Root Down wäre nicht die Root Down, ohne einen installatorischen Raumeingriff der Haus- und Hofkünstler Owald und Ernesto. Heute sind es zwei Lichtakzente, die thematisch zum Kontext des Finales der UEFA Champions League passen: die Projektionen "Root Down Champions Leage" und "Kruder vs. Trüby". Und sonst so? Das Waldsee ist frei von neumodischem Deko-Schnickschnack. Nirgendwo liegen Häkeldeckchen aus, stehen Nachttischleuchten aus Großmutters Zeiten rum, hängen Hirschgeweih und Kuckucksuhren an den Wänden. So braucht der Gast auch keine Angst zu haben, mit seinen Tanzbewegungen eine kleinbürgerliche Eigenheimidylle zu zerstören.

 

Wer war da?

 
Root Down ist wie eine Familienfeier in schön: ohne Geschwister, die nach Außen eine ach so perfekte Beziehung vorleben; ohne Cousin oder Cousine, die zehn Jahre jünger, in Karrierehinsicht zielstrebiger und erfolgreicher sind als man selbst und sich inzwischen nur noch über zu volle Flughafen-Lounges und das schlechte Wetter beim Polo On Snow in Kitzbühel, St. Moritz und Gott weiß wo aufregen; ohne die Tante mit Boy-Toy, der ihr Sohn sein könnte; ohne Eltern, die man zwar über alles liebt, die aber seit jeher in nachtdunklen Augenringen Vorboten ernst zu nehmender Krankheiten erkennen wollen.

Zu einer Root Down kommen dagegen: Trüby-Supporter der ersten Stunde; junge, nicht weniger begeisterte und leidenschaftliche Fans; Musikliebhaber zwischen Basel und Offenburg; Gäste aus der Schweiz, dem Elsass und der ganzen Welt. Und alle, die sich von Musik und Tanz Tiefenentspannung versprechen.  

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

 
Fesch schaut er aus, der "Kruder von Kruder und Dorfmeister": schwarzes Hemd, gut sitzende Jeans, ein perfekt auf seine Kopfform angepasster Undercut. Stilbewusstsein, Eleganz und Etikette - la noblesse viennoise oblige, auch am Mischpult eines Clubs. Dieses bedient Peter Kruder nach über zwanzig Jahren Erfahrung an den Decks mit spielerischer Leichtigkeit. Britische Bassmusik mit hohem Booty-Faktor, Tech House, der vor Funk und Energie nur so strotzt, Techno mit leidenschaftlicher Pathosgeste, Stücke der Londoner Produzenten Dusky, des Italieners Andrea Di Rocco und ein Tribut an den kürzlich verstorbenen House-Gott Romanthony ("Let Me Show You Love"), all dies landet auf den Decks. Davor, danach und zwischendrin zeigt Rainer Trüby Gespür für Tanzfläche und Publikum. Das dankt es ihm mit Johlen, Pfeifen und Hands-up-in-the-air.



An der Bar

Weißwein, Gutedel und Müller-Thurgau, Bier, Gin Tonic, Club Mate: heute geht alles, und das wild durcheinander, ohne Rücksicht auf den vom Fußballfernsehabend vorbelasteten Magen.  

Auf dem Klo um halb fünf

 
Urplötzlich schlägt der Alkohol mit aller Gewalt zu. Ich schwindle, taumle, schwitze, friere. Ich höre mein eigenes Blut in den Ohren rauschen. Mein Herz klopft und pocht. Es könnten auch Kruders Bassdrums sein. Ich höre Stimmen in der Ferne. Mein Blutdruck fällt ab. Mir geht es gar nicht gut. Ich lasse kaltes Wasser über meine Unterarme laufen. Das wirkt. Minuten später ist alles vorbei.  

Aufheiterle

 
An der Bar stehen zwei Mädels, Abiturientinnen, erstes oder zweites Semester, vielleicht sind sie auch jünger. Die Braunhaarige kommt mir bekannt vor. Mit langsamen Schritten nähere ich mich dem Tresen. Ist sie's? Ist sie's nicht? Und wenn sie's ist: will sie von mir gesehen, von mir erkannt und angesprochen werden? Sie, das ist die Tochter eines Bekannte, siebzehn Jahre jung, und gerade dabei, einen Fuß ins Freiburger Nachtleben zu setzen. Jetzt sieht sie mich. Sie blickt zu Boden, schaut mich wieder an und lacht. Ich lache zurück. Wir sagen 'Hallo'. Und sie: "Sag bloß nichts meinen Eltern."

Aufregerle

Spannendes Fußballspiel, kühle Drinks, angenehme Menschen, gute Musik: an Abenden wie diesen gibt es nichts, worüber ich mich aufregen kann.

Fazit

Das Waldsee und die Root Down sind seit jeher ein angenehmer Ort, um fernab des Innenstadttrubels entspannt zu feiern. Und Stücke wie "Proton Candy" von Metro Area sind bei einer Party das Zuckerl obendrauf.

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