Nightlife-Guru: Party-Train @ B3

Nightlife-Guru

Da kam der Redakteur und meinte so: "Guru, geh' doch mal ins B3 nach Krozingen!" Ich: "Ne, voll nich." Er: Doch doch!" So ging ich. Vorweg: es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hab'. Dafür sind mir die Beine eingeschlafen. Mein Kurschatten ist daheim geblieben.




Eine Kurstadt ist an einem Sonnabend ziemlich trist. Ein paar Autos verirren sich um kurz nach Mitternacht noch auf die B3 (also die Bundesstraße). Die ersten Taxen stehen bereits vor dem Clubeingang. Ich stelle mein Fahrrad auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab.


Die anfängliche Skepsis ist der Neugierde gewichen. Wer geht in Bad Krozingen in eine Diskothek? Freiburg ist 15 Minuten mit dem Zug entfernt. Der Betreiber der Räumlichkeiten wechselte in den Jahren einige Male. Vormals hat die Disse den rustikalen Namen „Saustall“ gehabt. Hat der Laden eine Daseinsberechtigung?

An der Tür

Drei Türsteher ignorieren mich vor der Tür. Es ist kein Gast weit und breit zu sehen, nicht einmal die Musik ist zu vernehmen. Ich zahle die fünf Euro Eintritt und bekomme einen unsichtbaren (?) Stempel auf den Handrücken gedrückt.

Ein blinkender Kirmesboxautomat steht gleich am Eingang. Eine große Bar ist mittig in dem schlauchförmigen Raum positioniert. Ich bestelle ein Zäpfle (3 Euro), allgemein sind die Preise vertretbar, recht großes Angebot an Cocktails und Longdrinks. Das Übliche eben. Am Zäpfle nuckelnd, hole ich mein Handy heraus und lese alte SMS. Eine typische Verlegenheitshandlung in einem viel zu leeren Club.

Wer war da?

Um kurz nach Mitternacht waren etwa 30 Gäste da. Um kurz nach eins füllte es sich mit gut 60 Gästen. Durchaus enttäuschend, könnte der Laden doch weit mehr fassen. Zwei der vier Bars waren geschlossen.



Das Publikum war jung. Die meisten dürften gerade erst die Untergrenze von 18 Jahren überschritten haben. Leichter Männerüberschuss, aber generell eine angenehme Stimmung. Keine Aggressivität oder maßlose Trunkenheit feststellbar.

Inneneinrichtung und Dekoration

Der erste Eindruck wirkt stimmig. Das B3 ist in einem rustikalen Holzstil gehalten. Über der runden Bar in der Mitte und an den Seitenwänden sind Hüttendächer angedeutet. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten und auch Separées mit Sofas. Es wirkt einladend, im Sinne von Bier trinken und gemütlichen Barabend verbringen. Tanzlaune versprüht es auf mich nicht, aber das mag auch an der mageren Besucherdichte liegen.

Die Mittelmäßigkeit siegt

Nach dem zweiten Zäpfle überkommt mich die Müdigkeit. Es muss doch was passieren hier! Ich rappel mich auf und laufe in Richtung der Toiletten. Hoppla! Da ist ja ein DJ. Mit dem habe ich nicht gerechnet. Die Musik ist viel zu mittelmäßig, langweilig, von der Stange, unüberraschend. Ich dachte, das läuft vom Band. Was für Musik? Die offizielle Programmbeschreibung lautet: „Die beste Party-Musik aus den 80er, 90er und von Heute“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Auf der Tanzfläche halten sich meist bis zu sechs Personen auf. Der, hüstel, "Party Train", nimmt gerade mal soviel Fahrt auf wie das Museumsbähnle zwischen Kandern und Binzen.



Weiter zu den Toiletten. Und aufgepasst: Die sind sauber, ordentlich, nicht zu groß, nicht zu klein. Okay, der Handtrockner fehlt. Aber auch kein Aufregerle. Eher schon ein persönliches Aufregerle war, dass ich fast den zweiten Floor übersehen habe. Erst beim Verlassen fiel mir auf, dass es einen House- und Elektro Floor gibt. Einzige Person in dem eher spartanisch-modern eingerichteten Raum: Der DJ.

Leicht deprimiert ziehe ich mich zurück und trete wieder in die Stille des nächtlichen Bad Krozingens ein. Hatte ich mir doch wenigstens Kuriosität von dem Abend versprochen. Aber nein, alles ganz normal, grundsolide, unspektakulär.

Das B3 ist ein unterbesuchter, aber angenehmer Laden für einen unspektakulären Abend. Kein Assiclub und keine Dorfkaschemme.

Es muss ja nicht immer Freiburg, nicht immer exklusiv sein.

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