Nightlife-Guru: Party auf der Fahrraddisco im Artik

Nightlife-Guru

Eine Party, deren Strom die Besucher selber produzieren müssen: Bei der Fahrraddisco im Artik hat das die Kopfkino-Crew am Samstag kräftig zelebriert. Der Nightlife-Guru war dort und hat mitgestrampelt.

Nach ein paar Bierchen im Kiez – und einem eher beiläufig angeschauten Fußballspiel – geht es endlich für den Guru mitsamt Begleitung in Richtung Artik. Wegen fehlender Handschuhe stellt sich das Unterfangen Wegbier und Fußmarsch als recht frisch heraus. Als das Artik endlich in Sicht ist, zählt der Guru schnell seine verbleibenden Finger – alle anwesend – um geht schnell ins warme Innere.


Allzu viel ist noch nicht los, die Musik läuft schon. Vereinzelt haben sich Leute zum Tanzen animiert. Die Bühne weckt sofort neugierige Blicke. Fünf Räder sind hinter dem DJ-Set aufgebaut; schön in einer Reihe. Räder im Artik? Ach ja, da war ja was. Nicht umsonst heißt die Veranstaltung Fahrraddisco. Während das DJ-Kollektiv Kopfkino die Menge zu House, Techno und Acid Techno stampfen lässt, wird der Strom dafür von den anwesenden Feierwütigen auf den aufgebauten Fahrrädern selbst produziert. Keine Frage, dass der Guru sich auch ausprobieren muss – aber das reicht auch später.

Zwei Stunden Party mit vollem Akku

Erstmal geht es nämlich zur Bar. Nachdem sich der Guru für einen Gin Tonic entschieden hat, ergibt sich an der Theke ein Gespräch mit einer der Veranstalterinnen. Reicht der Strom denn für den ganzen Abend oder geht bei fehlenden Radfahrern die Musik aus? Sie erklärt, dass die Räder einen Akku aufladen, der wiederum das DJ-Set in Betrieb hält. Ein voller Akku hält für ganze zwei Stunden und für fünf Minuten – da hatte sie das letzte Mal geschaut – war der noch zu 90 Prozent geladen. Im vorigen Jahr mussten sogar für ein paar Stunden die Räder ausgestellt werden, da der Akku überlastet gewesen ist. Das Angebot der Strom produzierenden Räder wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern also mit Freude angenommen. Auch diesen Abend werden die Räder nicht ein einziges Mal stillstehen.

Es ist 00.30 Uhr. Zeit für den Nightlife-Guru selbst seinen Dienst zu tun – zum Glück wird gerade ein Fahrrad frei. Ohne zu zögern springt der Guru auf das Rad und beginnt zu strampeln. Der Moment ist perfekt, denn der Laden füllt sich immer mehr und später wird der Andrang an den Fahrrädern noch wesentlich größer sein – jetzt heißt es aber erstmal kräftig in die Pedale treten.

Den Blick vom Rad aus in die Party-Manege schweifen lassend, entdeckt der Guru einen vor den Rädern aufgeklappten Laptop. Der zeigt in einer Tabelle an, wie viel Strom jedes Fahrrad produziert. Die Tabelle ist in drei Abschnitte eingeteilt. Ein roter Abschnitt zeigt an, dass beim Strampeln ruhig noch etwas mehr Einsatz kommen darf. Der grüne Bereich ist perfekt, und der gelbe ist sogar noch besser, aber dafür auch wesentlich anstrengender. Durch dieses System kann jede Radfahrerin und jeder Radfahrer sehen, wie viel Strom zur Zeit vom eigenen Rad produziert wird – Wettkämpfe zwischen den Strampelnden sind also vorprogrammiert.

Der Guru liefert sich ein Rennen

Auch den Guru hat der Eifer gepackt. Mit dem linken Nachbarn liefert er sich ein Rennen, dass sich sehen lassen kann. Nach 15 Minuten jedoch muss sich der Guru geschlagen geben und seinem Nachbarn den Sieg einräumen. Der bleibt sogar noch länger auf seinem Rad, dem Guru reicht es für’s Erste.

Das Radfahren hat extrem viel Spaß gemacht, die Augenblicke danach weniger. Ganz schön heiß ist dem Guru geworden, weshalb er sich vor der Tür abkühlen muss. Dort angekommen, zeigt sich noch eine weitere Folge der Radtour. Mit genug Alkohol im Blut, erweist sich die eben vollzogene sportliche Betätigung für den Rausch effektiver als jeder Shot. Schon beim ersten Atemzug im Freien merkt der Guru, wie sich das anfängliche Angetrunken-Sein zu einem vollblütigen Rauschzustand weiterentwickelt. Um nicht ganz abzudriften, fängt der Guru deshalb ein Gespräch mit seinem Nachbarn draußen an – in diesem Fall der Türsteher.

Drei Stunden für die Menge radeln

Jetzt erstmal auf die Tanzfläche. Dort lässt die Kopfkino-Crew die Meute zu Acid Techno springen. Für den Guru ist das nichts. Er entscheidet sich nach kurzer Beratung mit seinem Magen gegen das Springen – für’s Tanzen reicht es aber. Mittlerweile gesellt sich auch der Wettkampfnachbar von vorhin zum Tanzen dazu. Man teilt Glückwünsche zum Rennen aus und kommt beim Tanzen ins Gespräch. Hier erfährt euer Guru, dass seine 15 Minuten auf dem Rad kaum der Rede wert sind. Letztes Jahr muss wohl ein Triathlet auf der Party fast drei Stunden auf einem Fahrrad verbracht haben – den Sportsgeist für sowas in Ehren, aber man kommt ja eigentlich wegen der Party.

3.15 Uhr: Der Nightlife-Guru hat für heute genug. Der Rausch ist wegen des Tanzens etwas klarer geworden, aber einer aufsteigenden Müdigkeit gewichen. Ein kurzer Blick noch auf den Akku – stolze 100 Prozent übrigens – und auf nach Hause. Den Türsteher verabschiedet man mit Vornamen – dank des netten Gesprächs von vorhin. Als es aus dem Artik rausgeht, fragt sich der Guru, ob der produzierte Strom noch gereicht hätte, um woanders genutzt zu werden. Die Party allein hat ja gar nicht soviel Strom verbrauchen können, wie produziert wurde. Wäre doch eine Idee für die nächsten Jahre, den produzierten Strom noch anderweitig zu nutzen. Ab nach Hause – natürlich mit dem Rad. Aber ohne Strom zu produzieren, denn der Guru schiebt sein Rad brav.

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