Nightlife-Guru: Oberlindenhock

Nightlife-Guru

Der Guru war wieder auf der Piste und hat sich diesmal – natürlich nur für Euch – nicht nur eine Nacht, sondern ein ganzes Wochenende um die Ohren geschlagen. Der Oberlindenhock feierte sein 40. Jubiläum, und da musste der Guru dabeisein: Von Bächlepinklern und Leopardenjackets.

 

Am Eingang

... ist abgesperrt. Jedenfalls für Fahrzeuge – nur eine große Schweizer Flagge begrüßt alle, die sich dem Hock von der Schusterstraße aus nähern. Die Herrenstraße und Oberlinden am Schwabentor sind mit Buden, Bierbänken und Zelten vollgestellt, um für drei Tage die Rolle des Freiburger Bermudadreiecks zu übernehmen.

Wer war da?

An den drei Abenden war jedes Mal sehr gemischtes Publikum mit allen gesellschaftlichen Schichten – vom Ed-Hardy- bis zum Hugo-Boss-Model alles dabei. Gleiches gilt für die Altersklassen. Auffällig am Sonntag waren die vielen Leute in Schwarz-Rot-Gold, die in regelmäßigen Abständen den Namen unseres Staates brüllen mussten. Was wohl deren Botschaft gewesen sein mag?

Am Vorabend hingegen war nur eine Gruppe gleichaltriger Ladys in diese Farben gehüllt, um unter einem nicht zu definierenden Motto (vielleicht war der Gatte in spe Engländer?) den Jungesellinnenabschied zu feiern. Das traf sich gut, zumal gefühlt ein Drittel aller Hockgäste einem ähnlichen Ansinnen frönte. Neun JGA-Gruppen habe ich gezählt. Aber im Gegensatz zu sonstigen Wochenenden fielen die hier gar nicht nervend auf.



Partyatmosphäre

Musik kommt aus zwei kleinen Band-Zelten, meistens live. Es gibt Oldies und Lateinamerikanisches, unterbrochen ab und zu von Folk und Schlager. Eine angenehme Mischung, zumal auch nicht zu laut, so dass die Publikume beider „Bühnen“ der Anderen Musik nicht gewahr werden. Wenn Musik- und Rauschpegel stimmen, wird ausgelassen getanzt, was bei diesem Kopfsteinpflaster doch einiges Geschick erfordert.

Sonst sind die Leute unter Zelten oder auf Bierbänken (oder beides) in angeregte Gespräche vertieft. Schwankende Menschen haben kein Problem aufrecht zu bleiben, denn die Masse bildet nur kleine Gassen. Außerdem ist der Heimweg kein Problem: Das ist die wohl einzige Party Freiburgs, durch die die Straßenbahn direkt mittendurchfährt.



In einer Seitengasse um halb zwölf

Nicht jeder der Hockgäste benutzt die Toiletten der ansässigen Gastronomie. Ein Mann hält sein Kind, fast wie ein Paket, über ein Bächle, das Richtung Münsterplatz fließt. Auch aus dem unteren Teil des Kindes sprudelt ein Bächle, der Mann versucht so gut es geht zu zielen. Ein sehr reinliches Beispiel des Wasserabschlagens rund um den Hock, wie man in diversen Passagen und Hauseingängen sehen und riechen kann.

Catering und Getränkekarte

Auf den Speisekarten steht alles, was man von einem Stadtfest erwarten kann – vom Würstchen über Brezeln und Flammkuchen bis zum Fleischküchle. Natürlich ist alles etwas teurer als auf dem Münstermarkt oder einer Standard-Imbissbude. Einzige Ausnahme: Der Dönerladen am Anfang der Herrenstraße macht das Geschäft des Jahres. Und hier wird sich nicht an die getränkepreislichen Gepflogenheiten gehalten, die Flasche Rothaus kostet 2 €. Sonst ist 0,4 l Ganter für 3 € zu haben, ebenso wie ein Viertele Zechwein (Gutedel). Und noch 2 € Pfand auf jedes Glas.



Aufregerle

Eine Weinschorle besteht, nach allgemeiner Definition, je zur Hälfte aus Wasser und Wein. In mehr als einer Bude bestand die Mischung aber eher aus Schorle und Wasser. Aber vielleicht ist das eine andere Interpretation von „Viertele“.

Aufheiterle

Modische Spitze war nicht etwa die Beinahe-Braut im Entenkostüm, sondern der Herr Mitte 50 mit weißem Pferdeschwanz und Leopardenjackett. Äußerst stilsicher und ein echter Blickfang.

Fazit

Durchzechte Nächte sind nur teilweise der Grund, warum euer Guru eine multiple Persönlichkeitsstörung hat. Aber dass ich auf diesem Hock ein anderes Ich treffe und mit diesem eine sehr angenehme Plauderei führen kann, zeigt mir einmal mehr: Alkohol (in Maßen) schadet nicht. Und der Guru hat Geschmack – denn dieser Hock war ein durch und durch angenehmer Zeitvertreib für mich. Und mich.

[Fotos: Guru]

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