Nightlife-Guru: Max-Goldt-Lesung im E-Werk

Nightlife-Guru

Eine Woche nach dem Papst, am Samstag, kam nun auch Max Goldt nach Freiburg. Der Musiker, Satiriker und Comic-Autor las im E-Werk aus seinem Bilderbuch "Gattin aus Holzabfällen" sowie älteren und taufrischen Werken. fudders Nightlife-Guru saß mit dem Rücken zur Bühne in der Lesung und hat sich angekuckt: Wer geht so zu Max Goldt?


 

Die Jungs an der Tür

Max Goldt ist zwar berühmt, aber jetzt nicht der Papst oder so. Die Damen an der Tür verkaufen halt Karten. Vor der Tür steht das Gros des Publikums in der warmen Frühherbst-Abendluft nach dem Motto: Warum eine Minute zu früh in den dunklen stickigen Saal gehen? Ach ja, und ein Hipster (charakteristische Brille, Hemd und Anzug, Turnschuhe) wird wegen seines Longboards am Einlass aufgehalten. Er muss es hinter der Tribüne deponieren, damit niemand darüber fällt.

Inneneinrichtung & Deko

Herrn Goldt haben sie an einen Tisch in der Mitte einer schwarz umrahmten Guckkastenbühne gesetzt. Nur ein paar Scheinwerfer, die jeweils einen blauen Striemen an das schwarz abgehängte Hintere scheinen. Im Publikum bleibt das Licht an, so dass trotz der Bühnensituation nicht das Gefühl aufkommt, vor YouTube zu sitzen und gerippte Max-Goldt-Hörbücher zu schauen, sondern das Gefühl, Onkel Max sitze uns gegenüber und lese etwas vor.
Die Luft ist tendenziell warm und stickig im großen Saal des E-Werks.

Wer war da?

Also. Da wäre zunächst mal Max Goldt, Satiriker und Comicautor aus Berlin. Er ist öfter in Freiburg und „freut sich, wieder hier zu sein“. Die Menschen, die er anzieht, sind zum größten Teil hippe junge Leute zwischen Ende 20 und 50. Neben dem Longboard-Hipster stechen besonders ins Auge: ein älterer Herr mit leuchtgrünem Plattenteller-Piktogramm auf dunkelgrünem T-Shirt; sehr viele junge Frauen in Kapuzenpullis; ein Mann mit dem Schriftzug „Helvetica“ in einer Serifenschrift auf dem Shirt (das ist so doppelbödig, mir ist gerade die Postmoderne geplatzt); sowie zwei Jungs in Johnny-Cash-T-Shirts, die sich augenscheinlich nicht kennen – das ist praktisch schon ein Flashmob.

Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre

 

Ein bisschen Verkrampfung liegt in der Luft: Max Goldt, der ist lustig, wissen viele hier und erwarten gespannt die jeweils nächste Pointe. Manchmal sind die aber nicht so aufdringlich oder liegen in einer subtilen sprachlichen Wendung. Dann dürsten die Witzhungrigen aus und lachen behelfsmäßig auch mal über mittelgute Jokes. Bis Goldt wieder einen Zahn zulegt und die Lacherfrequenz erhöht.

Zweitens sind manche Stellen in Goldts Texten – wie soll ich sagen – ähem, sexuell. Mindestens ein Drittel der Zuhörer lacht über diese Stellen erstaunlich verklemmt und mit spitzem Mund.

Herr Goldt hat eine angenehm tiefe Stimme voll Großvater-Autorität. Er liest sehr bewusst, in pointenfreundlichem Tempo und prononciert.

Catering & Getränke

An der Bar gibt es eine kleine Auswahl Biere und Verwandtes. Zum Beispiel das Radler der Firma aus dem Schwarzwald, das so nach Süßstoff schmeckt. Tankstellen- bis Dönerbudenpreise und damit relativ teuer, wenn auch nicht so ein Wucher wie im Kino. Immerhin mal eine Literaturaufführung, in die man was zu trinken mit rein nehmen darf!

Auf dem Klo um zehn

Der Toilettenkeller ist der sanierteste Teil im E-Werk. Sehr modern alles: Schieferbodenfliesen, rote Türen, masssives Grau. Und ein proximitätssensorgesteuerter elektronischer Papierhandtuchspender! Leider sehr nass auf den Waschbecken und Armaturen.

Meine Damenklo-Korrespondentin kolportiert den Satz aus einem benachbarten Abteil: „Entschuldigung! Hat es bei Ihnen drüben vielleicht noch Klopapier?“

Aufregerle

Die Preise! 15 Euro für ein normales Ticket, 12 ermäßigt. Dafür kann man ja schon eine Band auf die Bühne bringen. Aber für eine Lesung? Die hinteren sieben von 21 Reihen bleiben leer.



Aufheiterle

Um eine Signierstunde muss man Max Goldt nicht bitten, um eine Zugabe genauso wenig. Im Schlussapplaus steht er kurz auf, stellt sich an der Seite hinter einen Vorhang, wobei sein Bauch und seine Füße noch hervor gucken, tritt dann wieder auf und setzt sich noch mal hin. Sagt, dass er schon aus Treue zum Ritual jetzt eine Zugabe lese – auch, wenn noch gar keine verlangt wurde.

Fazit

Zusammen lachen auf die anspruchsvolle Art. Max Goldt und Publikum verschwören sich in einem wohligen Gefühl intellektueller Überlegenheit. Er ist der herausragende Profi seines Fachs: Stand-Up-Comedy vom Blatt.

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