Nightlife-Guru: Kunstpause im Kunstverein Freiburg

Nightlife-Guru

Wenn zwischen After-Hour und Vorglühen kein Matratzen-Mehrkampf mit sympathisch monogamiefeindlichen Nachtfaltern dazwischenkommt, dann hat auch der Guru Zeit für eine Kunstpause. Tipp für heute Mittag!



Der Junge an der Tür

...muss erstmal telefonisch nachfragen, was ich nun als Mittagspausler alles darf – „das passiert mir jetzt zum ersten Mal, dass einer vorbeikommt," erzählt er. Vollendet freundlich erklärt er mir dann die Räumlichkeiten und meine Möglichkeiten. Er bietet mir für die Dauer meiner Brotzeit sogar brüderlich die kunstvereinseigene Ausgabe der Zeitschrift „art“ an, in der er gerade gelesen hat, als ich reinkam. Bei Interesse wird der Türsteher auch zum Kaffeekoch.

 

Location und Deko

Die Location ist ein Erlebnis. Das weite, hohe, helle ehemalige Schwimmbad und die Licht- und Schattenspiele darin wären auch ohne Kunst einen Besuch wert. Derzeit stellt im Kunstverein Gabriel Kuri unter dem Titel „join the dots and make a point“ aus. Das Gebäude ist nicht nur Ausstellungsraum, gewissermaßen „Abstellkammer“, sondern in die Ausstellung einbezogen. Beim Hereinkommen wird der Besucher abgebremst durch eine im Eingangsbereich aufgeschüttete Sandskulptur mit dem Titel „Donation Box“, die tatsächlich auch die Spendenbox ersetzt. Der Besucher wirft seine Spende einfach in den Sandberg. Der Mann von der Tür empfiehlt mir, beim Münzgeldwurf auf einen ästhetischen Effekt zu achten, aber ich fühle mich der Herausforderung nicht gewachsen und werfe einfach irgendwie. Sieht gut aus.




Im Erdgeschoß sind Skulpturen aus penibel zugeschnittenen Marmorplatten ausgestellt, denen Kuri durch Fundobjekte wie Zigarettenstummel und Fahrkarten die Sterilität nimmt. Das Leben setzt sich gewissermaßen in den Ritzen ab. Im ersten Stock hat Kuri das gesamte umlaufende Geländer mit Taubenabwehrstacheln besetzt, auf denen wie hingeweht und hängengeblieben Quittungen, Rechnungen, Einkaufszettel aufgespießt sind, die von unten betrachtet wie Laub auf einem Ast aussehen. Das Motiv aus dem Erdgeschoß wiederholt sich hier mit dem gesamten Gebäude anstelle von Marmorplatten. Lebenszeichen und Meilensteine, jedes mit Datum, Uhrzeit, Ort versehen, sonst vergänglich, weggeworfen, jetzt „hängengeblieben“, aufgespießt. Beeindruckend und schön.



Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Sehr „Minimal“ hallen meine Schritte durch das Gebäude. Knochentrockene Beats zum Selberbauen. Ich sitze alleine mit einem Wasser und meiner Brotzeit und höre mir auf DVD ein Interview mit Gabriel Kuri an. Als Interview und Brotzeit beendet sind, bekomme ich von Caroline Käding, der Direktorin des Kunstvereins, eine Führung durch die gesamte Ausstellung. So offen und gastfreundlich wird man selten empfangen.

Wer war da?

Ich war da, der Mann an der Tür, ein Bekannter von ihm kam vorbei, viertel vor eins kam die Direktorin aus dem Büro runter, um mir die Führung zu geben. Wer in aller Ruhe Brotzeit machen und Kunst auf sich wirken lassen will, der ist hier richtig, aber es ist natürlich trotzdem zu wünschen, dass die Bude in Zukunft voll wird.

Catering und Getränke

Kaffee ein Euro, Wasser gratis, Stullen von Mutti, Kunst aufs Haus.



Aufheiterle

Bei der Führung erfahre ich, dass Gabriel Kuri in der Vergangenheit auch mehrere interaktive Skulpturen gemacht hat, und etwas später, wie kompliziert es war, die schweren Marmorplatten für die Ausstellung sicher an der Wand zu befestigen, damit die Kunst nicht mit dem Betrachter „interagieren“ kann.

Fazit

Eins a Programm für erste oder zweite Dates – Kunstinteresse zieht! – Vorlesungspausen, Sightseeing bei Eltern- und Freundebesuchen sowie falls man in seiner Mittagspause nicht nur den Hosenbund, sondern auch die Seele erweitern möchte.

Termin

  „Kunstpause“ im Kunstverein Freiburg. Dreisamstraße 21, Di-Fr 12-13 Uhr, Führung auf Wunsch 12:45. Eintritt frei, Brotzeit mitbringen.

Mehr dazu:

     

Foto-Galerie: Nightlife-Guru

Mit N (next) zum nächsten Bild klicken