Nightlife-Guru: Klamotten-Tausch-Party im Kamikaze

Nightlife-Guru

Gestern fand im Klub Kamikaze eine Klamotten-Tausch-Party statt. Und da unser Nightlife-Guru seinem Ruf als ausgemachten Modekenner gerecht werden wollte, sortierte er seine Altklamotten aus und brachte sie zwischen Bier und Shots unter das Feiervolk. Im Gegenzug sahnte er ab: Zwei Secondhand-Shirts nennt er jetzt sein Eigen!

An der Tür


Ich und eine Plastiktüte voll verstoßener Kleidungsstücke – das kann ein großer Abend werden. Bevor ich die beiden Türsteher passiere, fallen mir zwei ausrangierte Möbelstücke auf, die vor dem Eingang abgestellt wurden: ein Fernseher und ein Koffer (dazu später mehr). Der erste Mann an der Tür reagiert routiniert – ein kurzer Blick zur Tüte und durchgehen, bitte! Der zweite überreicht die obligatorischen Flyer.

Vor der Tür und im Gang ist um halb elf noch alles cool: keine kreischenden Modefreaks, Lady Gagas oder des Klamottentauschens überdrüssige Raucher. Zu vorgerückter Stunde finden sich dann insbesondere Vertreter der letztgenannten Spezies vor der Tür wieder. Die Folge: ein klassisches Raucher-Spalier heißt die Neuankömmlinge herzlich willkommen.

Inneneinrichtung und Deko

Von Club-Athmo ist heute wenig zu spüren: Eine improvisierte Vorhang-Konstruktion - integriert zwischen Bar und Zigarettenautomat - dient als Umkleide, und an Wänden und in Kisten warten unliebsam gewordene Klamotten auf einen neuen Besitzer. Auch wenn die Räumlichkeiten des Kamikazes an diesem Abend an das Wohnzimmer einer Modestudentin mit Kaufsucht erinnern -  zum Feiern ist genügend Platz und schön anzuschauen ist es ohnehin.



Wer war da?

Vor 23 Uhr gestaltet sich das Gesamtbild im Großen und Ganzen äußerst homogen: Vor allem Mädels zwischen 18 (der Nightlife-Guru geht mit optimistischem Beispiel voran und bescheinigt den Türstehern eine konsequente Kontrollpraxis) und 28 scheinen von der Idee, alte, eigene Klamotten direkt durch alte Klamotten von anderen Leuten zu ersetzen, angesprochen zu sein. Später mischen sich auch ein paar Männer unter das Secondhand-Volk. Der Trend geht dabei in Richtung studentisches Publikum mit Ambition zur Bohème-Attitüde.



Klangwaren-TÜV und Partyathmosphäre

DeeJake Hurricane spielt Gassenhauer der letzten 30 Jahre. Die Stimmung ist bei dieser allgemein gefälligen Musikauswahl dementsprechend gut. Bereits gegen Mitternacht ist die Tanzfläche gespickt mit tanzfreudigen Klamottentauschern. Und auch die restlichen Ecken des Kamikazes sind ziemlich gut besucht. Ergo: Die Secondhand-Freunde können feiern!

Catering und Getränke

Möge der Klamottenberg noch so chaotisch und die Tauschekstase noch so groß sein: Das Kami bleibt eben das Kami und lässt sich von solch temporären Ereignissen nicht erschüttern. Und deshalb bleibt auch die bewährte Getränkekarte beim Alten (und wird nicht etwa gegen eine neue, alte Karte getauscht). Bier zu 2,50 €, Cola und Wasser kosten 2,20 €.

Auf dem Klo

Auch hier: alles wie gehabt. Und deshalb besteht auch die Wasserproblematik auf der Damentoilette weiterhin – auch wenn nun genügend potenzielle Wischlappen im Klub abhängen. Auffällig: Es herrscht erstaunlich wenig Andrang – dafür die gleichen bierseligen Gespräche wie eh und je. Impressionen: „Oh Mann, ich hab doch morgen um neun Uni!“ „Egal – lass noch einen trinken.“ „Oh, du bist echt mein Untergang.“ Ja ja, leidvolle Erfahrungen am Rande des Studentenalltags.

Aufregerle

Ein schwerer Schlag für die Spielkinder unter den Gästen: Der Kicker wird kurzerhand zur Ablage für zwei Klamottenkisten umfunktioniert. Das ist sehr schade und auch ein wenig traurig – die Röcke und Tops in den Kisten können daran leider auch nichts mehr ändern.



Aufheiterle

Jetzt kommt endlich auch mal der Koffer ins Spiel: Zu späterer Stunde betritt ein junger Mann mit Rollkoffer das Kamikaze. Anfängliche Scherze darüber lassen ihn kalt. Er habe den Koffer nicht von zu Hause mitgebracht, sondern direkt vor der Tür gefunden. Praktischerweise könne er nun einen Haufen Klamotten mit nach Hause nehmen. Ich denke mir: Der Typ hat's drauf - das nenn' ich mal Ökonomie.



Fazit

Konzept und Umsetzung der Klamotten-Tausch-Party funktionieren einwandfrei – besonders lustig wird die Idee zu vorgerückter Stunde, wenn die Kleidungsstücke von den Feiernden kurzerhand zu Party-Accessoires umfunktioniert werden. Die Organisatoren, sechs Studenten der Sozialen Arbeit, die die Party im Rahmen eines Seminars geplant hatten, haben gute Arbeit geleistet: Note 1+.

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