Nightlife Guru: Karmasutra Weekend Party im Karma

Nightlife-Guru

Von einem Besuch im Karma versprechen sich viele Freiburger Nachtschwärmer gesittetes Abhängen, den netten Aufriss auf der Tanzfläche und einen kleinen Cocktailrausch. Ein ganz normaler Samstagabend eben. Der fudder-Nightlifeguru hat noch etwas genauer hingeschaut.



An der Tür

Nach Mitternacht. Die Türsteher, sonnenstudiogebräunt und durchtrainiert, haben beide Hände frei. Alles ist ruhig und daran wird sich auch nichts ändern. Das Kassenmädel empfängt meine Begleitung und mich ganz den Temperaturen angepasst: mit eiskalter Miene. „Fünf Euro“, zischt sie durch ihre perlweißen Zähne. Kaum vernehmlich.
Ich bezahle. In Münzen. Abgezählt. Herablassend und abschätzig ihr Blick, den ich mir im Gegenzug einfange. Negative Energie bereits im Eingangsbereich? Wo wird das hinführen?



Inneneinrichtung / Deko

Kniegelenke frei von Abnutzungserscheinungen sind von Vorteil, wenns die zahlreichen Treppenstufen gefühlte hundert Meter unter die Erdoberfläche hinabgeht. Wer in dieser Tiefe Räumlichkeiten, opulent ausgestattet mit fernöstlichem Kitsch (Name!), erwartet, wird enttäuscht. Frisch und hell statt rubin- bis purpurrot lockt der stattlich hohe Gewölbekeller des Karma. Funktional und zweckmäßig, aber nicht unattraktiv. Lediglich ein paar Hängeleuchten sowie eine vereinsamte Götterskulptur muten entfernt asiatisch an.

Da mir der Flyer jedoch eine „Karmasutra Weekend Party“ versprach, hatte ich gehofft, wenigstens ein oder zwei phallische Symbole zusätzlich an Wände und Decken projiziert zu bekommen. Als erotisierenden Effekt gewissermaßen. Doch meine Hoffnung blieb unerfüllt.



Wer war da?

Männer, meist um die dreißig, die ihre freie Zeit gerne im Fitnessstudio beim Bankdrücken verbringen; entsprechend breit sind Brust und Kreuz, wohldefiniert die Muskulatur; zwischen achtzehn und achtundzwanzig Jahre jung die Ladies; an diesem Abend ein Schaulaufen von Rund-, Long-, Retro- oder Emo-Pony; insgesamt mehr Verdienende denn Studierende sowie ein paar bekannte Gesichter aus der Freiburger Clubszene.



Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

“It’s the jealousy, that has got u saying, all these things to me, so now you thing I’m saying, see eventually, we’ll end up together, always and forever…”

Ein Refrain zum Mitsingen. Robert Heart, bekannt aus dem ehemaligen F-Club, präsentiert sich an diesem Samstagabend im kleinen Raum des Karma (Buddhaclub) mit Chocolate Puma’s Hit Always And Forever aus dem Jahre 2006 in bester Ibiza-Laune. Der Funke springt über, die ersten Ladies fangen an, sich rhythmisch zum Takt der House-Beats zu bewegen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als DJ weiß Robert Heart, was der Clubgänger zu einer frühen Zeit benötigt, um Fahrt aufzunehmen in die Nacht. Gut angewärmt und mit positiver Energie versehen verlasse ich den Buddhaclub in Richtung des großen Raums.

„Nix Besonderes. Was im Radio so gespielt wird.“ Meine Begleitung klärt mich über die hier gespielten Sounds auf. Seichte R’n’B-, Hip-Hop- und Pop-Dutzendware, die mich nicht zu begeistern vermag. Und genau so ist die Stimmung: nicht besonders. Hier herrscht noch nicht einmal negative Energie. Ein paar junge Mädels tanzen schüchtern, die Leute stehen zumeist in Grüppchen zusammen, trinken Cocktails oder Bier und unterhalten sich.



Ein Blick hinauf zur DJ-Kanzel. Von Tomo, dem DJ des heutigen Abends, keine Spur. Er, in dessen Hand es liegt, uns durch die Nacht zu führen, fehlt des öfteren an seinem Arbeitsplatz. Eine Software übernimmt die Rolle des Diskjockeys. Ist das ein „Karmasutra Weekend“?

Schnellen Schrittes begebe ich mich wieder in den Buddhaclub. Temperaturen jenseits der 40°C-Marke. Die Wärme staut sich, die Luft ist zum Schneiden dick. Pfiffe, Schreie, Hände und wenigstens hier etwas Sex in der Luft. Derselbe Track, der die Masse bei Howard Donald im Stadttheater in Ekstase versetzte, sorgt auch an diesem Abend für (verhaltene) Euphorie: Eric Prydz presents Pryda – Pjanoo.



Bewirtung

Das in den Bartresen des Buddhaclubs eingelassene irisierend blaue Licht irritiert nicht nur mich. Es hat auch den Barkeeper aus dem Konzept gebracht, denn er serviert mir einen unsäglich schal schmeckenden Vodka Lemon. Für 6,10 €. Hoffentlich ergeht es nicht allen so. Geschmacklich überzeugend und optisch ansprechend hingegen die Cocktails an der Bar im großen Raum. Im Test ein Tequila Sunrise.

Aufheiterle auf dem Klo um halb Vier

„Die Kleine mach’ ich bis wir gehen klar“, tönt es schwerfällig aus einer Toilette. Die Zunge des Sprechers ist vom Alkohol fast schon gelähmt. „Alter, die würd’ ich nicht für 50 Euro bumsen“, gibt ihm sein Freund durch die Trennwand hindurch zu verstehen.

Aufregerle

Je später die Stunde, desto rücksichtsloser bewegen und benehmen sich die Jungs im großen Raum. Es wird geschubst, gedrängelt und getrampelt. Selbst Mädels, die in männlicher Begleitung da sind, werden frech von der Seite angegraben.

Fazit

Wer zu aktuellen Clubtunes irgendwo zwischen Funky- und Electro-House gerne tanzt, ist an diesem Abend bei Robert Heart im Buddhaclub bestens aufgehoben. Positive vibes all night long. Die Getränke, sofern nicht Bier oder Softdrinks, sollten allerdings aus dem großen Raum mitgenommen werden. Mit einem Longdrink aus dem kleinen Raum in den KarmaClub wechseln? An diesem Abend die eindeutig schlechtere Wahl.