Nightlife-Guru: Kanzlerduell-Public-Viewing im Cinemaxx

Nightlife-Guru

Fernsehen in Gesellschaft und auf dem ganz großen Flachbildschirm: Wer sich das TV-Duell Sonntagabend nicht zu Hause ansehen wollte, konnte auch ins Kino gehen. Der Nightlife-Guru interessiert sich natürlich auch für Politik. Aber war es ihm eventig genug?

Die Jungs an der Tür


Lassen keinen rein, der keine Karte hat. Und Tickets sind aus, mindestens seit Freitag. Einerseits: Waren ja auch gratis. Andererseits: Eine politische Diskussion – und trotzdem voll! Entgegen der Befürchtung des Gurus werden große Taschen (Notizblock drin!) nicht beanstandet und müssen nicht eingespindet werden.

Inneneinrichtung und Deko

Das Kino ist nicht besonders dekoriert – im Gegensatz zur US-Wahlnacht. Nur zwei Infostände haben Badische Zeitung und Landeszentrale für politische Bildung im Foyer vor Saal 9 aufgebaut. Der Abend hat weniger Stehparty-Charakter. Die TV-Debatte steht im Mittelpunkt.

Wer war da?



Auf dem Podium ordnen der Badische-Zeitung-Chefredakteur Thomas Hauser und der Politikwissenschaftler Uwe Wagschal vor der Übertragung ein, was zu sehen sein wird und hinterher, wie sich die Kandidaten geschlagen haben. Michael Wehner, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, moderiert.

Der Freiburger Bundestagskandidat Matern von Marschall (CDU) ist im Publikum und wird namentlich begrüßt, ebenso ein Vertreter der SPD, die ihr eigenes Public Viewing in der Burse veranstaltet.

Im Publikum, Altersklasse jung mit einer Tendenz zu mittelalt, sind - dem Szenenapplaus beim Duell nach zu urteilen - etwa genauso viele Merkel- wie Steinbrück-Fans. Und ein weiteres Drittel verfolgt die Diskussion interessiert, aber ohne lautstarke Sympathiebekundungen für die eine oder andere Seite.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV



Die Stimmung ist gut. Zumindest sind nicht – wie bei der US-Wahlnacht – Schulklassen unter vorgehaltener Waffe zum Duell-Gucken verdonnert worden. Es sind ja auch Ferien. Die Freiburger Crowd will sich nicht nur politisch überzeugen, sondern auch unterhalten lassen.

Den ersten und überhaupt die meisten Lacher kassiert Stefan Raab. Das Publikum schaut genau hin: Manchmal kriegen kleine Gesten eines Moderators oder Politikers einen Lacher. Aber weil es neben dem dunklen Kinosaal keinen zweiten Floor gibt, hält sich der Austausch zwischen Zuschauern und über ihre jeweiligen Grüppchen hinaus in Grenzen.

Catering und Getränke

Hier und da jemand, der sich ein Bier geholt hat, eine Cola oder eine Schale Popcorn. Naschwerk und Getränke sind in Kinos aber skandalös teuer. Weil Rucksäcke und Taschen bei den Jungs an der Tür durchgingen, zaubern Leute sogar konditorfrische Käse-Sahne-Schnitten hervor.

Auf dem Klo um Viertel elf

Sauber, ist ja auch kein Mega-Kino-Abend. Das Jungs-Schild ist von der Jungsklo-Türe abgefallen, aber nach einer Übung im Ausschlussverfahren lässt sich der richtige Abtritt ermitteln. Zufällig fällt dem Guru auf: Der Kondomautomat enthält neben Kondomen auch Sexspielzeuge. Wirft die Frage auf, was Kinobesucher eigentlich außer Popcorn noch während des Films … nein, wir lassen die Frage unaufgeworfen.

Aufheiterle

Zum Glück gibt es die Live-Pre-Show und Kommentatoren-Runde mit Hauser/Wehner/Wagschal, so dass die Freiburger in den Genuss lokaler Expertise kommen. Günther Jauch wird nicht mal rot, als er ankündigt, dass er seine Expertenrunde unter anderem mit einem Fußballer besetzen musste.

Aufregerle



Kaum verlässt man den Kinosaal, reißen sich drei Kamerateams und ein Radiomann um einen. Alle wollen unsere Daten. Wie wir es fanden und wer sich besser geschlagen hätte. Verdammte Presse! Hyänen!

Fazit

Ein zweiter Floor wäre nett gewesen. Ein bisschen Rahmenprogramm im Foyer. Vielleicht was zu knabbern und Getränke und mehr Info-Stände. So dass man sich im Duell die Füße vertreten und mit anderen Zuschauern austauschen könnte. Sind aber nur ein Luxuswünsche zu einer gelungenen Veranstaltung. Denn Politik macht entschieden mehr Spaß, wenn man sie zusammen erträgt.

Video: BZ-Chefredakteur Thoma Hauser über das TV-Duell



[Fotos: nightlife-guru, Rita Eggstein]

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