Nightlife-Guru: Jan Leyk im Universal D.O.G. in Lahr

Nightlife-Guru

Was man über Jan Leyk wissen muss? Am Samstag hat ihn die GDL angeblich angezeigt - wegen Volksverhetzung. Irgendwie hat es "Macho Carlos" aus der Soap "Berlin, Tag & Nacht" zum DJ gebracht. Freitagnacht legte er im Universal D.O.G. auf - und das gar nicht mal so gut:



Die Jungs an der Tür:

Eine fette Bonzen-Karre nimmt dem Taxi des Nightlife-Gurus direkt mal die Vorfahrt. Der Fahrer hupt, macht eine "Kannsch du mal ufpasse"-Handbewegung und fährt mit 180 Sachen um die Kurve. "Fahren Sie dem bitte hinterher", sage ich - und tatsächlich: Der 5er-BMW weist uns den Weg ins D.O.G.

Von drinnen ertönt Cro, das Durchschnittsalter der Warteschlange (mit Muttizetteln in der Hand) würde ich ungeschminkt auf 14 schätzen. Wo bin ich denn hier gelandet? In der Kindergalaxie? Sogar der kleine Türsteher sieht mit seinem kugelrunden Bauch und der Glatze aus wie Humpty Dumpty aus "Alice im Wunderland" - nur in der "Expendables"-Version mit Lederjacke und schwarzer Ray-Ban.

Inneneinrichtung und Deko:

Die riesige Halle ist standardgemäß mit allem ausgestattet, was man für eine fette, fette Party eben so braucht. Die große Glitzerkugel an der Decke dreht sich, wirft farblich abgestimmte Lichtstrahlen auf die bunt bemalten Gesichter der Dancing-Queens. Ab und zu fliegen Lametta-Schleifen durch die Gegend. Um das Publikum in den Showakt mit einzubeziehen, bekommt die vorderste Reihe bunt blinkende Styropor-Stäbe.

Am Eingang wird man durch einen funkelnden Scherbenteppich in die Halle geführt. Dieser wird bis zum Ende der Veranstaltung höchstwahrscheinlich jeden Plateauabsatz ruiniert haben. Der Außenbereich ist schlicht gehalten und der darauf folgende Floor im weißen Zelt schmückt sich mit den Mädels, die wie Dekoartikel in der Gegend rumstehen. Sieht alles etwas aus wie die Kabinenparty aus dem Musikvideo von Skero, nur in XXL.



Wer war da?

Heute mal Boys statt Ladiesnight? Dürfen die Kevins und Justins etwa vor 24 Uhr gratis rein? Pure Penisparty! Dann kommen die Mädels aber doch noch - etwas verspätet und im "D.O.G.(y)-Style".

Die ganze Assi-Namensliste aus dem Film "Ted" ist stilgemäß vertreten: "Mandy, Marilyn, Britney, Nicky, Tamylin und - ja, scheiße - sogar Becky." Größten Teils locker lässig. Die ganze Nike Air-Kollektion steht zur Schau. Man scheint sich abgesprochen zu haben. Dazu trägt man die schwarzen, aber leider doch durchsichtigen Leggings mit einem bauchfreien New Yorker-Top in Größe 34 statt 40. Egal. Hüftgold ist angesagt!

Die Haare sind cool kaputtgeglättet und haben einen natürlichen pinken Ombre-Effekt in den Spitzen. Wenn man probiert, auf den weißen Lack-High-Heels zu tanzen, muss man unten am Kleidchen etwas zupfen. Ups. Zu viel. Tittenblitzer. Dann doch lieber nur stehen bleiben.

Ich gebe zu, es ist viel zu heiß! Liegt entweder an den heißen 1,60 Meter kleinen Magic Mike Doubles oder an der Klimaanlage, die nicht zu funktionieren scheint. Doch bei den knappen Outfits kommt mein inneres Fettes Brot zum Vorschein: "Chantal, pack deine Brüste ein, Chantal, zieh dir bitte etwas an!"

Die Muttifraktion ist natürlich auch vertreten und beobachtet ihre Rivalinnen haarscharf. Auch ein bis zwei Hipster hopsen durch die Gegend. Es ist somit alles da. Nur Hauptakteur Jan Leyk - wo ist der eigentlich?

Party-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV:

Ich schaue auf mein Handy. Siehe da, ein Facebook-Post von Leyk um kurz vor Elf: "Heute wird das D.O.G zerrockt!!! Aber vorher heißt es: Schnitzeltime!" Heute? Es ist kurz vor zwei Uhr. Der unbekannte Vor-DJ probiert die Leute in Stimmung zu bringen. Eine musikalische Überraschungstüte ist das, was aus den Anlagen kommt, aber definitiv nicht. Mein Ohr erlauscht ein Déjà-vu. Klingt irgendwie nach David Guetta für Arme und der Euro-Mir-Melodie im Europapark.

Ach, das ist er ja. Mit ein paar coolen Moves am Pult und Sprüchen wie "Put your hands up in the air!" oder "Turn up the Bass!" will er die Menge für sich gewinnen. Doch die übergroße Kabinenparty wird immer leerer. Dafür füllt sich der Nebenfloor mit der Black-Music immer mehr. Hier herrscht geile Stimmung und der Bass könnte nicht besser sein.

Kleine Dance-Battles bringen die Hüften in Schwung. Die Beine fangen durch die Musik an zu zucken und bringen selbst die Dekomädels am Rand zum tanzen. Egal wie - selbst, wenn man nur wie beobachtet (wie die Männerfraktion am Rand): Man hat definitiv seine Freude, es gibt einiges zu sehen!



An der Bar:

Zu den 10 Euro Eintritt gibt es einen Getränkebon im Wert von vier Euro - preislich sehr fair. Der Mann hinter der Bar sieht mit seinem grauen Schnäuzer aus wie die rockige Version vom Nikolaus und ist ebenso geduldig und freundlich.

Neben mir torkelt ein junger Mann an die Theke und will mir meine bestelle Cola bezahlen. "3,50 Euro mit Pfand." Worauf mein großzügiger Kumpel mit nuschelndem, östlichem Akzent meint: "Ich hätte dir jetzt auch 50 Euro gegeben. Geil, dass ich Drogendealer bin."

Eher gut, dass die Cola geschlossen ist.

Aufheiterle:

Die Show haben Leyk zwei Personen gestohlen: "Wolle Rose kaufen?" Ein älterer Inder verkauft rote Rosen, die wahrscheinlich den einen oder anderen Streit der Pärchen an diesem Abend besänftigen konnten. Dazu schwingt ein korpulenterer, dunkelhäutiger Big Daddy seine Hüften und ist mit seinen weißen Sneakers, dem Goldkettchen und der weißen Cap dem Möchtegern-DJ mit seiner Hafensängerfashion stilistisch weit überlegen.

Aufregerle:

Definitiv, dass Herr Leyk meint, sich wegen eines Schnitzels erst um zwei Uhr blicken zu lassen und sich gerade mal nach einer Stunde um drei Uhr wieder verkrümelt!

Der Mann hat gerade aber auch andere Probleme: Nach seinem irren Facebook-Rant gegen Weselsky und die Lokführergewerkschaft GDL (inkl. Reichtschreibfehlern, Fäkalsprache und - na klar - Hitler-Vergleich) hat ihn Jan Böhmermann zum Gespött der Woche ernannt.

Einige Stunden nach seinem Auftritt im D.O.G. wird ihn die GDL anzeigen - wegen Volksverhetzung (zumindest behauptet sie das - ebenfalls auf Facebook). Vielleicht hat er’s ja schon geahnt und sich deshalb nur kurz ins Rampenlicht gewagt. Feststellen muss man an dieser Stelle: Geschadet hat das niemandem.

Fazit:

Jan Leyk, der Checker. Wenn er sich nicht so gut vermarkten und anders aussehen würde, wäre der "Berlin Tag und Nacht"-Star "Carlos" tatsächlich "Car los".

Und dieser Witz hat mehr Niveau als das, was "einer der bekanntesten DJs Deutschlands" an diesem Abend aufgelegt hat!



Video: "Der kleine Mann" - Jan Böhmermann verspottet Jan Leyk im "Neo Magazin Royale":



Mehr dazu:

Was: Jan Leyk live - Leyk That Madness Tour 2015
Wann: Freitag, 12. Juni 2015
Wo: Hans-Bunte-Areal, Hans-Bunte-Straße 16c. 79108 Freiburg [Fotos: fudder]