Nightlife-Guru: Jan Ehrets "Tribute to my love" in der Passage46

Nightlife-Guru

Eine Nacht wie der Milchreis in der Mensa: Am Anfang wohlig warm, doch am Ende zu süß und pampig. Freiburgs Kult-DJ hat geladen und seine Jünger kommen. Jan Ehret legt in der Passage 46 auf – in Gedenken seines verstorbenen Freundes Oliver Rath.

Eichhörnchen an der Garderobe

So richtig heiß ist die Party nicht. So richtig kalt aber auch nicht. Jedenfalls nicht so kalt, dass man seine Daunenjacke anbehalten muss. Oder anders gesagt: Was will mir der Best Ager sagen, der mit rustikalen Bootsschuhen und fetter Winterjacke am Tresen steht? "Nach einen gefährlichen Törn über die Beringsee bin ich wieder an Land und brauche jetzt erstmal einen Drink." Oder: "Ich bin nur für einen Zwischenstopp hier, meine Huskys mit dem Schlitten warten draußen auf mich, gleich geht es weiter zur nächsten Party."

Apropos Garderobe: Zwischen den Kleiderständern flitzt den ganzen Abend eine kleine Lady wie Eichhörnchen auf Ecstasy hin und her – dem Andrang der Gäste hoffnungslos unterlegen und dem frühzeitigen Herzklabaster nahe. Keine zwei Meter entfernt krault sich beim Einlass derweil das Personal die Eier. Irgendwie gemein. Apropos Personal: Liebe Passage 46: Wenn ihr Getränke verkaufen wollt, dann sollte das auch möglich sein. Klar muss man manchmal etwas anstehen, aber wenn zu wenig Barkeeper da sind - und die wie Hühner umherirren, denen gerade der Kopf abgeschlagen wurde, dann ist das schon recht nervtötend.

Wer war da

Von 18 bis Scheintod, wie Marius Müller-Westernhagen sagen würde. Ein Senior versucht per Shazam die Tracks von Ehret zu taggen – selbstverständlich ohne Erfolg. Eine Mittvierzigerin mit Lederimitat-Leggings hat aufgetragen wie Oliva Jones und schweigt sich mit ihrem deutlich ältere Lover am Stehtisch an. Gerade als die Stimmung zu kippen droht, kommt das tätowierte Girl mit Rastas und löchriger Strumpfhose um die Ecke – ein Stereotyp und trotzdem ein Lichtblick. Der östrogenhaltige Rest sieht aus, als wollte er gleich zum Stewardessen-Casting der Lufthansa.

Inneneinrichtung und Deko

Zwei LED-Strahler mühen sich ab, um auf der Tanzfläche für Stimmung zu sorgen – erfolglos. Die Atmosphäre erinnert eher an eine Mittelstufenparty am Gymnasium als an einen trendigen Club. Wer dann noch in Richtung Ausgang blickt, denkt, im Badezimmer hätte jemand das Licht nicht ausgemacht. Der vordere Bereich ist einfach zu hell und leuchtet den Tanzenden direkt ins Gesicht. Ein Stimmungskiller. Ach ja, und war da nicht was mit Oliver Rath? Stimmt. DJ Ehret träg ein T-Shirt mit Raths Konterfei, im Eingangsbereich laufen in der Dauerschleife Videos der beiden Freunde beim Spaßhaben und auf dem Weg zum Klo sind einige Kunstwerke drapiert. Allgegenwärtig ist der verstorbene Fotokünstler nicht, aber immerhin.

Party-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

Ausdruckstanz in bester Waldorf-Manier. Das kann man hier erwarten – und es wird geboten! Die Lady ruht in sich selbst, ist eins mit sich und der Musik, schlängelt ihre Extremitäten tranceartig und braucht eine Menge, also wirklich eine Menge Platz. Das Sahnehäubchen ihrer Performance sind allerdings die Ecken der Tempotaschentücher, die aus den Ohren ragen. So sieht sie aus wie der Jedi-Ritter Yoda, nur ist ihre Stirn nicht so faltig und sie bewegt sich etwas schneller.

Und der Sound? Ehret schaffte es immer wieder, absichtlich oder nicht, kleine Kunstpausen einzulegen, in den die Tanzfläche quasi zum Stillstand kommt, um dann die Menge wieder in Schwung zu bringen. Ekstase (mit Ausnahme der Waldorf-Lady) oder Überraschungen bleiben allerdings aus. Brave Beats eben. Die Klangqualität verdient insgesamt die Note Zwei: Satte Bässe, klare Höhe, nicht zu laut und nicht zu leise. Was da aus den Boxen kommt ist okay. Komme ich wieder? Vielleicht.

Mehr zum Thema: