Nightlife Guru: Istanbull Mega Bayram Party @ Xerox

Nightlife-Guru

Türkische Partys sind in Freiburg selten. Am Samstag fand im Xerox ("die größter Russische-Disco Baden-Würtenberg in Freiburg") die "Istanbull Mega Bayram Party" statt. Grund genug für unseren Nightlife-Guru, dort vorbei zu gucken. Wie er's fand:



Die Jungs an der Tür


Vor dem Eingang des Xerox Club, mitten im Industriegebiet-Nord, stehen zwei bullige Türsteher – und ein paar Halbstarke, die ehrfürchtig ihre Ausweise herzeigen.
Ich muss grinsen, das Bangen und Hoffen vor dem Club erinnert mich an früher. Die drei Jungs haben keine Chance, dem strengen Blick des Türstehers entgeht nichts, noch nicht einmal der berühmte Monat bis zur Volljährigkeit. Bedröppelt ziehen sie ab. Ich habe mehr Glück, der Türsteher winkt mich nach einem kurzen Blick auf meinen Ausweis durch.

Wer war da?

Im Xerox Club verkehrt an diesem Abend nicht das typische Studentenvolk, das Publikum ist heterogener als im Elpi. Viele Hemdenträger sind da, aber auch Karohemdenträger. Und jede Menge aufgestylter Frauen mit kurzen Kleidchen und langen Haaren. Viele sind von außerhalb gekommen, daher auch die vielen Autos auf dem Parkplatz des Toom-Markts. Der obligatorische Junggesellenabschied darf an einem Freitagabend auch nicht fehlen, ein Grüppchen junger Frauen ist mit rotem Tüllschleier unterwegs. Ist das dann vielleicht eher eine Henna-Nacht in modern?

Auf die Frage, wie ihr die Party gefällt, antwortet eine Deutsch-Türkin mit kunstvoll onduliertem Haar: „Geht so. Ich komme aus der Schweiz, da sind die türkischen Partys einfach besser.  Aber das Publikum mischt sich ganz gut, falls es dir aufgefallen ist. Deutsche, Türken, alle feiern miteinander.“

Stimmt, auch die Altersgrenzen sind weiter gesteckt. Was sie eint, ist der Style: Frauen mit Glätteisen-Frisuren, Männer mit Gel in den Haaren. Zur Perfektion bringt diesen Style der Partyfotograf, der emsig hin und herläuft , um das „Spaghetti!“-Lächeln der Nacht einzufangen: Mit turmhoher Beton-Igelfrisur, Hemd und spitzen Schuhen der Prototyp des Xerox-Gängers.



Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Um Mitternacht stehen die meisten noch auf der Balustrade und beobachten bei Wodka Lemon die wenigen Frauen, die sich auf die tiefergelegte Tanzfläche trauen. Angekündigt waren Oriental Beats von DJ Boran Ece. Tarkan darf nicht fehlen an diesem Abend, er lockt mit „Simarik“ auch den letzten Tanzmuffel hinterm Ofen hervor, ansonsten läuft ein Mix aus türkischen Songs mit einer ordentlichen Portion Technobeats und der clubüblichen Musik.

Manche Frauen zeigen den atemberaubenden orientalischen Hüftschwung, die Männer umgarnen sie mit zuckenden Schultern und erhobenen Armen – fast wie in Istanbul.

Catering und Getränkekarte

Becks Gold gab's für 4 Euro, Tequila-Shots standen auf einem Tablett hinter der Theke für 2 Euro bereit, ein doppelter Wodka Melone kostet 3 Euro. Normales Bier war aus unerfindlichen Gründen nicht zu haben; meine Bestellung scheiterte entweder am Lärm oder an mangelndem Sortiment, jedenfalls servierte mir die hochnäsige Bedienung ein Becks Gold, nachdem sie mich demonstrativ warten lassen hatte.

Aufregerle


Kein Raki
auf der türkischen Party! Der Xerox Club hat sich mit der thematischen Vorbereitung wohl nicht sonderlich verausgabt, das einzig Türkische an diesem Abend ist die Musik, die gerade so als „Oriental Beats“ durchgeht. Statt Raki gibt’s Wodka. Das Xerox bleibt nun mal die nach eigenen Angaben „größter Russische-Disco Baden-Würtenberg in Freiburg“.



Aufheiterle

Wer die 10 Euro Eintritt bezahlt, bekommt ein Feuerzeug und einen Flyer mit der Aufschrift „Kim güzel?“ („Wer ist schön?“) in die Hand gedrückt. Ein Klick bei Google am nächsten Tag zeigt, was dahinter steckt: eine „deutsch-türkische Flirt- und Vote-Community“, bei der man Fotos hochladen kann, die dann von den anderen Usern bewertet werden.

Auf der Topliste der Männer ganz groß: Sonnenbrille, Muskeln und aufgeknöpfte Hemden. Bei den Frauen: Handy-Kamera, Model-Pose und Katzenaugen.

Auf dem Klo um halb zwei

… werden meine Erwartungen nur teils erfüllt. Mädchen am Handy, Frauen zupfen ihren Wonderbra zurecht und ziehen den Lidstrich nach. Trotzdem ist wenig los auf der Toilette um halb zwei. Keine Schlange volltrunkener Ladies vor der Klotür, keine Mädchen, die sich vor den Spiegeln drängen, um das Make-Up nachzubessern und mit ihren Freundinnen die Strategie für den Männerfang besprechen. Alles in allem recht unspektakulär.



Fazit

Die „Istanbull Mega Bayram Party“ war recht uninspiriert organisiert, mit ein bisschen mehr Aufwand wäre sicher was Besseres draus zu machen gewesen. Das Potenzial ist prinzipiell da: Russische Partys gibt es in Freiburg jede Menge, mit türkischen Partys und Oriental Beats könnte man bestimmt eine Nische füllen; wenn man die Sache ordentlich aufzieht und vielleicht auch woanders feiert. Das wäre dann aber ein anderes Format.

Alles in allem eine solide Alternative für Leute, die Großraumdiscos mit allem Drumherum mögen – und bei denen nicht das „türkisch“ im Vordergrund steht.

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