Nightlife-Guru im Dschungelfieber: Volleyball beim FT1844 Freiburg

Nightlife-Guru

Die Affenbande, Freiburgs Volleyball-Bundesligisten vom FT1844, starten mit drei Heimspielen in die Saison. Am Samstag haben sie das zweite davon gewonnen. Unser Nightlife-Guru war da und hat die Dschungel-Atmo auf sich wirken lassen. Wie es war:



Die Jungs an der Tür ...

... sind erstmal schwer zu finden. Das Kassenhäuschen vor der Burda-Halle im Sportpark der „Freiburger Turnerschaft von 1844 e.V.“ - oder kurz „FT1844“ - an der Schwarzwaldstraße ist verwaist, die Leute strömen einfach daran vorbei. Viele scheinen den Weg zu kennen. In der Halle stehen zwei fröhliche Mädchen an einem Tisch mit Kasse. Sportliche 5 Euro kostet der Eintritt, trotzdem wirkt die Halle eine halbe Stunde vor Spielbeginn schon fast halb voll. 

Wer war da?

Der Nightlifeguru sitzt ganz oben auf der fünfreihigen Tribüne, im Drei-Generationen-Block: Familien mit Kindern und Großeltern sind da, vor allem aber viele Jugendliche. Sportliche Menschen, na klar: Der FT1844 ist nicht nur uralt, sondern auch riesengroß. Hier sitzen nicht nur Spielerfreundinnen und Spielermuttis, sondern Vereinsmitglieder und Fans. Kein Wunder, die erste Herrenmannschaft spielt schon seit 13 Jahren in der 2. Bundesliga.

Deko

Der Verein inszeniert das Team als Affenbande, die Spiele stehen unter dem Motto „Dschungelfieber“. Entsprechend wird der Eingang von einigen mannshohen Bäumchen flankiert. Es könnten Birkenfeigen sein. Immerhin, eine Tropenpflanze, auch als Ficus benjamina bekannt. Weiter hinten in der Halle stehen nochmal drei Stück. Unter der Gästebank liegt eine Banane.

Ansonsten versprüht die Halle aus Sichtziegel, hier und da ausgebessert mit Sichtgips, nicht gerade Dschungel-Flair. Wohl aber Dschungel-Atmosphäre: Schon bald beschlagen die riesigen Fensterscheiben, es ist feuchtwarm, beinahe schwül, der Sporthallenstaub klebt am Schweiß in der Luft.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Während sich die Teams warmmachen läuft bereits Musik im Hintergrund, aber es ist klar: Diese Boxen sind für mehr gedacht, als nur Durchsagen. Einige Gäste sind ganz in grün erschienen, der Hauptfarbe des Teams und des Sponsors, Freiburger Pilsner. Die bereit liegenden Affenbande-Schilder stellen sich als Klatschpappen heraus - na gut, wenn‘s der Breitensportförderung dient...



Die namentliche Vorstellung des Gästeteams aus Friedrichshafen verläuft noch erwartungsgemäß, mit bravem Höflichkeitsapplaus der fast ausschließlich Freiburger Fans, doch dann erlischt die Hallenbeleuchtung. Ein Scheinwerferle sucht das Feld ab, erfasst einen Arm, der als einer der Freiburger Spieler vorgestellt wird, streift dessen Kopf und sucht den nächsten Spieler. Nette Idee, zu schwacher Lichtkegel, aber die Leute jubeln, angeheizt von treibenden Beats, und die Gäste schleichen etwas bedröppelt zu ihrer Bank, als das Licht wieder angeht.

In den vielen kleinen Spielunterbrechungen nach jedem Punkt reißt die Regie die Anlage auf. Es läuft alles, was gut Bass hat. Kirmestechno, den man in einem tiefergelegten Honda Civic in Bad Krozingen erwarten würde. Es gibt Ausreißer nach unten (Katy Perry - I kissed a girl) und nach oben (Darude - Sandstorm) - und es dauert erstaunlich lange, bis die Regie mitten im zweiten Satz zum Äußersten greift: Scooter! „Döp Döp Döp Dödedöp Döp Döp“ - da erweist sich das Publikum erstmals als textsicher. Kondensierter Schweiß rinnt die Scheiben herab. Der Schiri pfeift - zack - Musik aus, Spannung! Wow!



An der Bar ...

... gibt es den unvermeidlichen badischen Brezelbasar, Bier und Erfrischungsgetränke. Eine Schlange bildet sich aber nur kurz in der Pause nach dem zweiten Satz.

Auf dem Feld in Satz 3 ...

... lässt es die Affenbande kurz schleifen. Die ersten beiden Sätze hatten sie souverän und oft mit gewitzten Spielzügen nach Hause geholt, aber jetzt landet so mancher Aufschlag im Netz oder im Aus. Die Friedrichshafener Youngstars geben alles und holen sich ihren ersten Satz. Das lassen weder das FT1844-Team noch der Hallensprecher noch die Zuschauer zu einem Trend werden: Satz vier läuft bis zum 10:10 ausgeglichen, dann ziehen die FT-Jungs langsam davon. Jeder Punkt wird gefeiert und auch die Anlage darf zeigen, was sie kann.

Den Friedrichshafenern gelingt praktisch kein einziger Block - trotz ihres Trikotsponsors, der Bundeswehr, einer Verteidigungsarmee. Mühsam aber stetig baut Freiburg die knappe Führung aus, Friedrichshafen wehrt sich tapfer bis zum Untergang, die Freiburger holen Satz und Sieg, aus aus aus, die Menge tobt ... auch nicht viel stärker, als bei den anderen gewonnenen Sätzen, aber langanhaltend.

Aufregerle

In der zehnminütigen Pause nach dem 2. Satz werden Bier und Mini-Volleybälle verlost. Der Nightlifeguru gewinnt nicht.

Aufheiterle

Auf Kleinstfeld wird ebenfalls in der Pause um einen echten Volleyball gespielt. Vom Publikum weitgehend unbeobachtet gewinnen zwei Männer gegen drei kleine Jungs - und schenken ihnen anschließend den gewonnenen Ball.

Fazit

Das ist hier nicht aufwändig inszenierter College-Sport in den USA, sondern Randsport-Bundesliga in der Provinz - und dafür bietet der FT1844 mit seiner Affenbande eine gute Show! Die familientaugliche Atmosphäre stimmt, die sportliche Leistung sowieso. Das Dschungel-Motto könnte allerdings noch weiter umgesetzt werden. Hat denn wirklich niemand ein Affenkostüm parat?

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