Nightlife-Guru: HipHop-Festival im JuZe Hochdorf

Nightlife-Guru

QNexionZ, so der Titel des Festivals, das am Samstag zum dritten Mal in Hochdorf über die Bühne gegangen ist - beobachtet von unserem Nightlife Guru, der nun einiges berichten kann über die Hochdorf Crime Scene, Feuertonnen und das Auftreten der "realen" Leute, die um sie herumstanden. Qult!



Die Jungs an der Tür

Das Schneegestöber macht es an diesem kalten Abend nicht leichter, sich zu einer Reise nach Hochdorf aufzuraffen. Doch dann sitzen wir doch im Bus und freuen uns über herrliche Haltestellennamen wie „Tierhygienischisches Institut“, während sich eine kleine Gruppe wahrer HipHopper in der letzten Reihe mit den passenden Klassikern von Snoop Dogg beschallt und fleißig vordreht.

Mit dem sympathischen Grüppchen bewältigen wir die verbleibenden Meter bis zum Juze: Dort stehen Feuertonnen, darum versammelt einige eingemummte Baggieträger und Sprayer, die auch noch später am Abend zu Werke gehen werden.

Um diesen Frieden nicht zu gefährden, sind die Jungs an der Tür auch besonders aufmerksam. Sicherheitskontrollen, die die Security-Checks im Flughafen Ben Gurion locker in den Schatten stellen, wirken angesichts der Tatsache, dass wir uns immer noch in Hochdorf und nicht in der Bronx bewegen, relativ absurd. Aber vielleicht wird die Hochdorf Crime Scene ja auch unterschätzt. Schnell die drei Euro bezahlt und hinein.



Inneneinrichtung und Deko

Wir kommen direkt in den großen Veranstaltungsraum. Ein typisches Juze, allerdings mit Bar und kleiner Bühne. Auf dieser rappt gerade ein örtlicher, mir unbekannter, junger Mann. Ich höre ihm nur kurz zu und schreite dann durch die an einer Hand abzählbare Zuhörerschaft zielstrebig zur spartanisch bestückten Bar. Mit einem Bier mache ich es mir weiter in der Sofaecke bequem. Ob die Räumlichkeiten für eine Hiphop-Party richtig gewählt sind, sei mal aufgrund weniger Alternativen für junge Crews dahingestellt.

Wer war da?

Das Publikum repräsentiert den harten Kern der Freiburger Rapszene. Baggie-tragende, entspannt hin- und her wippende junge Männer. Selbst im Laufe des Abends füllt sich der spärlich mit Menschen bestückte Raum kaum. Schließlich wollen oder können auch die unter 16-jährigen Gäste, nicht zu knapp vertreten, nicht zu lange das Sofa besetzen.

Damen sind kaum anwesend, erst zum Qult-Auftritt gegen 23 Uhr trudelt noch eine letzte Fuhre weiblicher Fans ein.

Die meisten stehen so lange draußen bei einer Zigarette um die Feuertonnen. Es entspinnen sich nette Gespräche um den besten Drehtabak, persönliche Bekanntschaft mit Qult („Die nehmen mich nachher mit zurück, so…“), mehrfaches Wiederholen der Anzahl bereits getrunkener Biere und nicht zuletzt das nicht autorisierte, spontane Ausborgen von Handys diverser Kumpels. Alles sehr symphatische Zeitgenossen. Auch die Jungs von der Tür entspannen sich im Laufe des Abends.

Eine aussagekräftige Szene stellt auch die Antwort auf die Frage eines Offenbacher Gast-MCs da: „Wer ist hier aus Freiburg? Hebt die Hände!“ Mehr als sechs oder sieben Händepaare sind da nicht in der Luft zu sehen. Der Rest ist aus Offenbach angereist. Braver Support. Schade eigentlich, denn die Kurzauftritte der lokalen Größen sind größtenteils gut anzuhören.



Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Familiär trifft es wohl am Besten. Man kennt und begrüßt sich mit ausschweifenden Handbewegungen. Partystimmung will allerdings keine aufkommen. Alles erinnert mich sehr an die Wohnzimmerpartys von damals, als noch keiner tanzen wollte. Vielleicht liegt es auch am Frauenmangel. Auf der Tanzfläche wippen immer nur einige, wenige Crewmitglieder cool-unauffällig vor sich hin und lauschen ihren Mitrappern.

Selbst, als ein DJ kurzzeitig Bravohits von Will Smith bis zu den Beastie Boys auflegt, tanzt eigentlich keiner so richtig. Abgesehen von der kleinen Gruppe eifriger und talentierter Breakdancer ("Stylerockers"), die sich zwischen Sofas und Bühne die Seele aus dem Leib strampeln. Man misst und übertrifft sich immer aus Neue. Und wird vom Großteil dennoch ignoriert (siehe Foto).



Die jüngeren Gäste laufen betont entspannt durch die ganze Szenerie, meist mit einer Cola in der Hand. Manche drehen auch am Kicker neben den Sofas.
Wir werden allerdings wiederum vor den Feuertonnen darüber informiert, dass die „realen“ Leute nachher noch ins Rufetto weiterziehen, da ginge noch richtig Party.

Genauso überzeugend wie der Bierpreis ist übrigens die Qult-Crew. Sie lässt sich Zeit mit ihrem Auftritt Zeit bis 23 Uhr. Doch das Ausharren lohnt sich, die Texte sind überzeugend und die Beats klingen gut. Selbst die leere Fläche vor der Bühne füllt sich wieder mit eifrig rufenden und springenden Fans.

Catering & Getänkekarte

Über ein Zäpfle für 1,50 Euro werde ich mich als Letztes beschweren, auch wenn es an Alternativen ein wenig mangelt. Besonders freue ich mich über den Teller Chilli, den ich von einem der Juze-Mitarbeiter auf Nachfrage umsonst bekomme. Erinnert zwar alles auch wieder an die Wohnzimmerparty von früher, aber an die angenehmen Seiten.

Aufregerle

Gibts eigentlich nicht. Wer mit keinen überzogenen Erwartungen nach Hochdorf fährt, wird auch nicht wirklich enttäuscht. Faire Preise und ein dafür angemessenes Angebot.

Aufheiterle

Die netten Konversationen vor der Tür mit betrunkenen HipHoppern.



Fazit

Ein bisschen mehr Publikum hätte sich trotz des Schneetreibens ruhig einfinden können. Qult hat überzeugt. Aber vielleicht sollte man sich überlegen, das Festival an einen zugänglicheren Ort als Hochdorf zu verlegen. So bleibt die Veranstaltung eben nur etwas für echte Kopfnicker und deren kleine Brüder. Aber da das HipHop-geprägte Selbstbewusstsein aus Tradition stark ausgeprägt ist, stört das wohl kaum.