Nightlife-Guru: Goa-Party im Crash

Nightlife-Guru

Krumelur und Onkel Dunkel sind keine Figuren aus einem John Sinclair-Roman, sondern Goa-DJs, die am Samstagabend im Crash aufgelegt haben. Unser Nightlife-Guru hat bei der "Fuck Smile"-Party mitgetanzt und sich angeschaut, was da sonst noch so alles ging.



An der Tür …

... setzt mein Herzschrittmacher fast aus. Zehn Euro! Damit hab' ich zuletzt noch den halben Kartoffelmarkt leergekauft. Wir Crash Test Dummies zahlen’s, ohne mit der Wimper zu zucken. Für ’nen Flug an die indische Westküste war damals ja auch Kohle da. Nun gut, ich erhoffe mir ein Freiburger Goa: einheimische Frauen, psychedelische Stimulanz und in Trance versetzende Musik – alles zu Preisen, gegen die KiK wie Prada wirkt.



Inneneinrichtung/Deko

Christo auf Peyote: Das gesamte Crash ist in UV-aktiven Psychedelic-Kitsch gehüllt. An der Decke: organische Deko-Elemente; über dem Hauptfloor: Projektionen wie beim Holiday-on-Ice-Showdown. Lucy in the Sky with Diamonds.



Party-Atmo und Klangwaren-TÜV

Malte erzählt mir, dass das alles hier mit Goa eigentlich nichts zu tun habe: „Das Crash ist seltsam, die Party erst noch am Warmlaufen und ich bin auch noch nicht ganz auf der Höhe …“ Dennoch scheint er bester Laune und legt mir nahe, mal auf eine richtige Goa-Party zu gehen: „Die gibt’s hier schon, in der Regio. Da irrste dann erstma ’ne Stunde rum, bist du irgendwann ma auf so ’ne Waldlichtung kommst.“ Aha, OK. Und: Ich solle unbedingt den Sonnenaufgang abwarten. Das sei besser als … Und schon ist Malte wieder weg.

Der Laden brummt wie ein Bienenstock auf E. Ich weiß nicht, aus welchen Löchern all die Crashos gekrochen sind – im Real Life glaube ich sie noch nicht gesehen zu haben. Sie tanzen und schwitzen, trinken und schwatzen, rauchen und schmatzen, dass es eine Freude ist. Auf dem Mainfloor ist mir die Mucke zu schnell – irgendwas bei 140 bpm.

Komisch, dass ich meine Ohropax nicht brauche. Letztes Mal war’s hier lauter. Oder ich hab mir zwischenzeitlich die Gehörknöchelchen gebrochen. Mitten im Durchgang pennt zusammengekauert ein Typ. Andere stehen rum und glotzen romantisch. Fürs Crash ist das ein ganz normales Nebeneinander.

Draußen vor der Tür geht’s amüsanter zu. Beziehungskisten, Ich-will-einfach-nur-noch-nach-Hause-Dramen, ein Ü-30er, der auf ein paar Fahrräder kotzt. Ein Aussteiger in Batikmontur verabschiedet einen Druffi lautstark mit „Verpiss dich, du Motherf*****!“. Taxis, vorbei schleichende Streifenwagen vom Revier Nord. Das Übliche.



Wer war da?

Alice im Wunderland, Nosferatu und Blade Runner. Männer mit langen Haaren, Frauen gern mit kurzen, außer unter den Achseln. Viel Filz, zu kunstvollen Nestern hochgebundene jaTaa-Locken; aber auch Hardcore-Glatzen und Stino-Cuts (neudeutsch für stinknormale Frisuren). Heterogen auch die Kopfbedeckungen, die sich irgendwo zwischen Carhartt-Outlet, Schwulendisse und Dritteweltladen bewegen.

Tattoos und Piercings à discrétion; Shirts mit Aufdrucken wie „keeping it psychedelic“, „Amsterdam“ und „St. Pauli Skinheads“. Ab drei wird angespült, was andere Clubs ausspucken: ’ne Hiphop-Posse mit sweeter Ma, Tschabbos, die sich gut integrieren und Burschenschaftler, die an der Bar selig werden.

Dass ich selbst overdressed bin, fällt nicht negativ auf. Im Gegenteil: Den schönen Ladies gefällt’s!



Catering

Hinter der 666 Meter langen Bar tut eine handvoll ansehnlicher Mädels alles, um dem großen Durst der Kampftrinker nachzukommen. Das hohe Tempo ist leberberaubend und liegt bei mehreren beers per hour. Gesoffen wird vornehmlich aus schicken Crash-Bechern. Denn: Auch Siffläden geben was auf Corporate Identity. Und die stimmt hier allemal! Bis auf den rückwärtigen Fürstenberg-Aufdruck. Aber irgendwer muss die Leberzirrhose ja sponsern.



Aufheiterle

An ’nem Kickertisch stehen seit 100 Jahren dieselben Soziopathen. Endlich wird gewechselt und Muscle-Shirt-Sergej tritt in Aktion. Er und sein Schatten ziehen einen Gegner nach dem anderen ab, bis Trainingsjacken-Tanja ihre Hände an die Griffe legt. Sergej unterschätzt sie, tut ihr erstes Tor als Glücktreffer ab, kassiert aber noch eins und noch eins – bis die süße Tanja verlegen auf ihre Chucks schaut und Sergej, ein guter Verlierer, ihr anerkennend gratuliert.

Aufregerle

Überall stinkt’s nach Schweiß. Außer aufm Klo.

Um halb Fünf aufm Klo …

…geht es zu wie im Taubenschlag. Die zünftigen Pissrinnen, die urinale Massenabfertigung – alles erinnert mich ans Hacker-Pschorr-Zelt.



Fazit

10 Euro Eintritt sind natürlich viel zu viel. Da erscheint das Schneerot ja geradezu als Discount-Club. Ansonsten trotz harter Schale sehr freundlich, selbst wenn man dem Dresscode nicht entspricht. Und Goa? Nun, das liegt wohl anderswo.

Mehr dazu: