Nightlife-Guru: Freiburger Yoga-Musik-Festival

Nightlife-Guru

Drei Tage lang gab es am vergangenen Wochenende Yoga für alle. Im Seminarhaus am Schönberg in St. Georgen konnte man Workshops besuchen, Konzerten lauschen oder sich mit anderen Yogis austauschen. Unser Nightlife-Guru hat seine Yoga-Hosen angezogen, die Yoga-Matte umgeschnallt und sich auf das Festival begeben. Warum seine Begleitung in Tränen ausbrach:



Die Mädels an der Tür

105 Euro für ein Drei-Tages-Ticket, da muss auch der entspannteste Yogi erst einmal schlucken. Allerdings lohnt ein Blick auf das Kleingedruckte: Wer nur einzelne Workshops besuchen möchte, zahlt pro Kurs 12 Euro, für 50 Euro kann man gleich fünf Workshops besuchen. Und auch für das "große" Ticket gibt's immerhin eine Menge Workshops und Konzerte im Angebot. "Leider fällt der Kurs mit Patrick Broome heute aus, weil sein Flug Verspätung hatte." Schade, denn auf die Jivanmukti-Stunde mit dem Yogalehrer der deutschen Fußballnationalmannschaft hatte ich mich besonders gefreut.

Mit einem weißen Bändchen am Arm betrete ich das Seminarhaus und befinde mich direkt auf einem kleinen Yoga-Markt. Hier gibt es Kissen, Räucherstäbchen, verschiedene Duftöle, kleine Kunstwerke und allerlei weiteren Schnickschnack, den man sonst auch auf dem Freiburger Kartoffelmarkt erstehen kann.

Wer war da?

 
Yoga-Liebhaber aus Freiburg und dem Dreiländereck. Positionen wie der "nach unten schauende Hund" oder die "Cobra" sind hier keine Fremdwörter mehr. Jeder kommt mit seiner eigenen Matte, gekleidet ist man in typisch schlabbelig-gemütlichen Klamotten und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Ein Hauch Esoterik liegt in der Luft. Ich kenne viele Leute, die bei dem Anblick der Festivalbesucher sagen würden: "Typisch Freiburg halt!".

Der Altersdurchschnitt liegt bei 35 plus. Anscheinend ist der Yoga-Trend bei den jungen Leuten noch nicht angekommen  - oder schon wieder vorüber. Auf jeden Fall zählen meine Begleitung und ich zu den jüngsten Besuchern.



Festival-TÜV und -atmosphäre

 
"Leute, die Yoga machen, sehen immer so glücklich und gesund aus", sagte mal eine Freundin zu mir. Und es scheint zu stimmen: Seit ich regelmäßig Yoga-Kurse besuche, fühle ich mich wohler und fitter. Wie sehr man sich auf den von vielen Seiten belächelten Yoga-Lifestyle einlässt, bleibt einem ja selbst überlassen. Alles kann, nichts muss. Dieses Mantra lässt sich auch schön auf das Freiburger Festival übertragen.

Momentan liegen Entspannungssportarten wie Tai Chi, Pilates oder Yoga im Trend, und schon das Fitnessstudio von nebenan bietet entsprechende Kurse an. Ganz anders ist es jedoch, eine Unterrichtseinheit in einem Yoga-Studio oder auf einem Festival wie dem in Freiburg zu besuchen. Das hat viel mit der Atmosphäre, aber auch mit der Stimmung und Energie zu tun. Im Seminarhaus in St. Georgen reiht sich Yoga-Matte an Yoga-Matte, die Räume sind mit Teppichen ausgelegt, die Wände mit bunten Bildern geschmückt und alle Teilnehmer wollen nur eins: Yoga machen.

Das kann man beim Freiburger Yoga-Festival in vielen Facetten: Kundalini Yoga, Vinyasa Yoga, Jivanmukti Yoga, Traditional Hatha Yoga,  Ashtanga Yoga, Acro Yoga, Iyengar Yoga oder Power Yoga kommen hier unter einem Dach zusammen. Unterrichtet werden die Workshops von internationalen, regionalen und überregionalen Yoga-Lehrerinnen und Lehrern.

Wir besuchen den Workshop von Dani Fuentes, die als Ersatz für Dr. Patrick Broome eingesprungen ist. In einer knallbunten Leggins und einem Old-School-T-Shirt bekleidet nimmt sie hinter ihrem Harmonium Platz und beginnt, mit uns die ersten Oms zu singen. Wir liegen so dicht aneinander, dass ich mehrfach den Fuß aus der ersten Reihe im Gesicht habe. Aber das macht mir nichts aus, denn Dani Fuentes sagt: "We are all friends."

Nach einem 15-minütigen Exkurs in die Yoga-Philosophie fangen wir mit den ersten Asana-Sequenzen an. Aus den Boxen tönt entspannte Musik mit Reggae-Einflüssen, und was harmlos beginnt, steigert sich innerhalb von 90 Minuten in eine anstrengende, schweißtreibende Yoga-Einheit.
Für die Endentspannung legen wir uns wie gewohnt auf den Rücken, decken uns zu, schließen die Augen und relaxen die einzelnen Körperteile. Plötzlich beugt sich Dani Fuentes über mich und massiert mir ein Kräuteröl auf Stirn, den Brustbereich und die Schultern. Eine Art Energieschub für jeden Teilnehmer, mit dem sie sich von uns verabschiedet. Als ich mich aufrichte, stehen meiner Begleitung Tränen in den Augen. "Das hat mich gerade irgendwie so ergriffen."

 

Aufregerle

Als Yoga-Lehrerin Dani Fuentes über Yoga philosophiert, antwortet ein Mann aus der Reihe hinter mir: "I would like to practice now." Ungeduld in der Yoga-Welt - sowas geht nicht, das ist unhöflich. Ansonsten regt mich nichts auf, schließlich bin ich ein kleiner Yogi.



Fazit

Als ich das Seminarhaus verlasse, spüre ich jeden Muskel in meinem Körper. Das fühlt sich gut an. Außerdem habe ich heute eine Übung geschafft (wenn auch nur für eine Sekunde), die ich noch nie vorher gemacht habe: eine fortgeschrittene Variation der Krähe.

Das Freiburger Yoga-Musik-Festival war so erfolgreich, dass die beiden Veranstalter - das deutsch-indische Pärchen Julia und Deep Deka - nächstes Jahr eine Fortsetzung planen.



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[Fotos: Patricia Torales ]