Nachtleben

Nightlife-Guru: Feiern auf einer Verbindungsparty

Nightlife-Guru

Mit Vorurteilen und leicht einem im Tee hat sich unser Nightlife-Guru am Freitag auf den Weg auf eine Verbindungsparty im Ripuarenhaus gemacht. Was er dort erlebte – und warum einiges ganz anders als erwartet kam.

Das Vorglühen

Freitagabend. Vortrinken. Das ein oder andere Vorurteil fliegt durch den Raum. Der Nightlife-Guru wird immer skeptischer, ob er sich tatsächlich in die Party-Fänge einer Studentenverbindung begeben will. Was soll einen da schon erwarten? Hochnäsige Schärpentragende mit schmierigen Frisuren. Ein Besäufnis, bei dem es einzig und allein darum geht, neue Mitglieder zu rekrutieren. Eine Möchtegern-Party wie in einem amerikanischen College-Movie. Rassistische Kommentare und nervige Couleurdamen, Bootschuhe und Anzüge. So weit, so Vorurteil.

Die Jungs (und Mädels) von der Tür

Was soll’s! Die ersten Drinks sind gekippt und die Gruppe um den Nigthlife-Guru wagt sich in Richtung Lorettoberg. In der Schlierbergstraße steht das Haus der Ripuaria, einer katholischen, nicht-schlagenden Verbindung. An der Eingangstür wartet ein bulliger Türsteher. Er beäugt uns grimmig von Kopf bis Fuß. Die Tür wird geöffnet. Dahinter sind drei Damen um einen Stehtisch drapiert. Schnippisch fragt eine von ihnen: "Steht ihr auf der Gästeliste?". Der Nightlife-Guru und seine Freunde nicken brav. Nettes Empfangskomitee. Wir reichen einer nach dem anderen 10 Euro an die freundliche Dame. Das verspricht uns einen Abend lang freie Bedienung an der Bar.

Stimmungscheck

Ein rotes Bändchen um das Handgelenk. Geschafft. Wir kämpfen uns durch den menschenvollen Flur in den ersten Raum der Party: der Gemeinschaftsraum. Ein Raum mit hohen Decken, von denen Kronleuchter hängen. Die Wappen von Freiburg, Baden, Breisgau und vielen weiteren zieren eine Wand. An der anderen ein prachtvolles Hirschgeweih.

In der Mitte des Raumes mehrere Tische für Bierpong, um die sich die Gäste Gruppenweise scharren. Der ein oder andere Tischtennisball fliegt quer durch den Raum. Also doch die Collegeparty, die der Guru erwartet hat? Die Mitglieder der Ripuaria sind leicht von den Gästen zu unterscheiden: Hemd und Schärpe. Die unterschiedlichen Bänder zeigen die verschiedenen Ränge der Mitglieder. Zweifarbig, Dreifarbig oder zwei Bänder überkreuzt. Aber eins vereint sie alle: der Alkohol. An der Bar herrscht hoher Betrieb.

Flirtfaktor

Hohe Schuhe, kurze Röckchen, tiefer Ausschnitt. Zwischen den bierpongspielenden Herren huschen eine Menge schöne Frauen durch den Raum. Der Guru erfährt, dass die geladenen Gäste gewollt zur Hälfte weiblich sind. Das erste Vorurteil, dass sich für den Guru bestätigt: Einige dieser Damen nutzen die Gunst der Stunde, um mit allen Mitteln ein Verbindungsmitglied zu erobern – oder sich erobern zu lassen. Flirtfaktor: Hoch!

Der Party-Keller

Der Nightlife-Guru und seine Freunde schnappen sich ein Bier und gehen auf die Suche nach der Tanzfläche. Eine Treppe führt in den ausgebauten Keller. Steinwände, rote Tücher an der Decke, ein DJ-Pult mitsamt Lichttechnik und eine Shot-Bar. Auf der Tanzfläche tanzen ein paar Verbindungsmitglieder innig mit Frauen, während neben ihnen einige Typen zum Bass hüpfen. Die Menge hat sichtlich Spaß. Der DJ spielt, was tanzbar ist. Zwischen den Tanzenden huscht immer wieder ein Verbindungsmitglied durch – mit einem Tablett voll Shots in der Hand. So hält man die Feiernden bei Laune, denkt sich der Guru und schnappt sich einen Joster-Shot.

Das Aufregerle

Mit einer Menge Vorurteile haben der Guru und seine Freunde den Abend begonnen. Fast schon enttäuscht darüber, dass sich die meisten nicht bewahrheitet haben und dass es tatsächlich eine lustige Party ist, macht der Guru sich auf den Weg zurück zum Gemeinschaftsraum. Ein arabisch aussehender Gast kreuzt seinen Weg. Hinter dem Guru ertönt ein "Kanacke" aus einer Runde Verbindungsbrüder. Doch die Eskalation bleibt aus. Der Kommentar wird dem Überfluss an Alkohol zugeschrieben. Jeder geht weiter seinen eigenen Party-Weg.

Das Aufheiterle

An der Bar, am Bierpongtisch oder an der Wand angelehnt – eins muss man den Ripuaren lassen: Sie sind sehr kommunikativ. Selten hat der Nightlife-Guru auf einer Party so interessante Gespräche geführt wie an diesem Abend. Zwischen einigen hochnäsigen Prollos, die in jedem Arm eine Dame halten, hatte der Großteil der Anwesend tatsächlich einfach nur Lust auf eine gute Party.

Finale

Die Party nimmt ihren Lauf. Das Laufen fällt dem Guru immer schwerer, denn der Fußboden gleicht eher einem riesigen Kaugummi, als einer normalen Tanzfläche. Getränke erreichen nicht mehr den Mund, sondern eher den Boden. Die meisten Gäste haben wohl ihren Gleichgewichtssinn genauso verloren wie ihre Scham. Lippenstiftverschmierte Herren verlassen mit genauso verschmierten Damen breitgrinsend den Raum.

Für den Guru wird es Zeit, seine sieben Sachen zu packen und das Verbindungshaus zu verlassen. Ein letzter Blick auf das große, beleuchtete Haus. Vorurteile? Hat der Nightlife-Guru keine mehr. Auch wenn die Couleur-Damen einen Beigeschmack hinterlassen, muss der Guru eins zugeben: Feiern können sie, die Ripuaren.



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