Nightlife-Guru: Extravaganza im Güterbahnhof

Nightlife-Guru

Mit Moonbootica, Mixmaster Mike, Phil Fuldner und Karotte hatte Endless Event am Samstag eine DJ-Garde der Extraklasse zur Extravaganza in den Freiburger Güterbahnhof bestellt und wie üblich kamen die Freiburger Partygänger in Scharen. Der fudder Nighlife-Guru war ebenfalls mit von der Party und unterzog das Großevent der kritischen Betrachtung.

   

Der Shuttleservice zum Güterbahnhof

Um kurz vor halb 12 starte ich meinen Extravaganca-Trip am Stadttheater.

Endless Event bietet einen Shuttlebus-Service, der einen im halbstündigen Takt zum Güterbahnhof fährt. An der Haltestelle angekommen, warten mit mir sicherlich 100 andere auf den Bus. Kaum kommt dieser zum Stehen, beginnt ein unglaubliches Geschiebe, Gedrängel und Geschrei um mich herum. So in etwa muss es also auch bei einem Tokio-Hotel-Konzert abgehen.

Die Tür öffnet sich – glücklicherweise direkt vor meiner Nase – und ein äußerst gestresster Securityguard schreit uns an, weder im Bus zu rauchen noch Getränke mitzunehmen. Ich schaffe es unter Qualen hinein und los geht’s.

Bestimmt die Hälfte der Leute wird zurückgelassen, um am nächsten Lotteriespiel eine halbe Stunde später erneut teilnehmen zu können. Im Bus begrüßt uns der strenge Geruch von Erbrochenem, aber nun gut, letzten Endes ist man drin. Die Stimmung im Bus gleicht der einer Straßenbahnfahrt zum SC-Spiel – volltrunkenes Gegröhle und ein niveauloser Spruch jagt den nächsten. Normal vermutlich.

Die Jungs an der Tür

Endlich angekommen, verläuft der Security-Check reibungslos und zügig. An vier Eingängen geht es natürlich dementsprechend schnell voran. Vor mir werden zwei wirklich viel zu junge Mädels zur Seite genommen und nach Ausweisen gefragt. Davon abgesehen beschleicht mich aber doch das Gefühl, dass wirklich jeder reingelassen wird, Hauptsache die Kasse stimmt.  



Inneneinrichtung & Deko

Wer spielt wann wo? Nach einer kurzen Orientierung zieht es mich erstmal in die große Halle mit dem Hiphop- und Housefloor. Schon auf den ersten Blick ist deutlich, dass die Veranstalter sich wirklich viel Mühe gegeben haben, der Location das richtige Ambiente zu verpassen: Es gibt viele Video- und Lichtinstallationen, eine riesige Bühne auf dem Hiphopfloor und eine große Leinwand über den DJs auf dem Housefloor, so dass man diesen direkt bei der Arbeit zuschauen kann. Die ganze Halle ist angenehm beleuchtet und relativ dunkel, was der gesamten Party viel Charme verleiht.

Richtig gut gefällt mir der Technofloor im Keller: Er wirkt wie eine Undergroundlocation. Nicht leicht zu finden, klein, unglaublich heiß und dunkel. Hat was.

Partyatmosphäre

Die Stimmung ist von Floor zu Floor unterschiedlich. Hiphop-DJ SPR schafft es nur durch sinnlose und nervige Durchsagen wie “Come on everybody, say whoo whoo”, “Put your hands up in the air” “Freiburg, seid ihr gut drauf?” und am besten: “Ein großes FUCK YOU an alle Nazis” die Crowd zu Begeisterungsstürmen zu verleiten.

Auf dem zweitgrößten Floor, dem House-Floor, ist eher Totentanz angesagt. Daniel S spielt gewohnt Charthits mit Elektrobeats aufgepeppt, aber der Funke will nicht überspringen. Zwar befinden sich viele Leute auf der Tanzfläche, aber bewegt wird sich so gut wie gar nicht. Im Nebenraum, auf dem Elektrofloor, gibt Phuture Traxx ordentlich Gas. Er spielt aktuelle Technotracks, wie zum Beispel von Carl Craig, aber auch Klassiker wie “Beatbox Rocker” von Westbam. Der gut 400 Leute fassende Raum ist von Beginn an sehr gut gefüllt und die Stimmung ist wirklich super und entspannt. Auf allen Floors steigt die Stimmung deutlich, als die Star-DJs die Pulte übernehmen. Bei Womanizer Phil Fuldner drängeln sich fast nur Frauen direkt ans Gitter und werfen ihm Kusshände zu. Mixmaster Mike geht ganz auf Nummer Sicher und spielt Klassiker von Cypress Hill, Wu-Tang Clan, House Of Pain und natürlich den Beastie Boys. Auf dem Moonbootica-Floor ist es brechend voll. Die Jungs brettern ihr Elektroset ohne große Überraschungen runter. Hier leider nur Gedrängel und Geschiebe, stickig, kein Sauerstoff, aber trotzdem alle gut drauf. Das Gedränge scheint ein Pärchen auch nicht davon abzuhalten, sich eng an die Wand gedrückt mehr oder weniger offensichtlich ihre Liebe zu bekunden. Wer es mag… Das größte Abenteuer bietet der Technofloor. Es dauert ewig, die etwa 1m breite und sehr steile Treppe heil runter- und noch viel länger, wieder nach oben zu kommen. Direkt vier Stufen vor mir übergibt sich ein Mädchen. Ausrufe des Ekels und Entsetzens um mich herum. "Armes junges Ding", denke ich, "ist doch gerade erst 24 Uhr."

Unten geht’s rund. Christian Gimbel spielt Techno, mal progressiv, mal eher deep, aber immer amtlich auf die Zwölf. Ach wäre das schön, mehr so Clubs in dieser Stadt zu haben, denn hier ist die Atmosphäre – auch wegen der verdammt guten Anlage – um die frühe Uhrzeit mit Abstand am besten. Es ist knallvoll und tropisch heiß, kaum auszuhalten.

Also schnell ein Bier zum Abkühlen, aber leider steht nur eine Frau hinter der Bar und etwa 50 Leute davor. Natürlich ist die Bedienung komplett überfordert und es dauert eine halbe Ewigkeit bis ich endlich mein Getränk bekomme. Karotte spielt beeindruckend, alle schreien, die Hände gehen in die Luft. Diese Location hat was, wenn nur diese unglaubliche trockene Hitze nicht wäre. Also wieder hoch. Die komplette Halle ist wirklich gerammelt voll, gute Laune überall.
 



Wer war am Start?

Auf der Extravaganca bekommt man den perfekten Querschnitt der Jugend von heute zu Gesicht. Bedingt durch die verschiedenen Musikrichtungen trifft man hier styletechnisch vom Übergröße tragenden Hiphopper über lustige Raver bis zur Landjugend mit Beckham-Iro wirklich alles. Der Altersdurchschnitt liegt meinem Eindruck nach so um die 20. Natürlich darf auch auf dieser Party die Freiburger Nightlife-Prominenz nicht fehlen. So erkenne ich diverse DJs, Clubbetreiber und Magazinmacher.

Catering und Getränke?

Neun Bars, davon eine Bacardi- und eine Southern-Comfort-Bar, zähle ich in der gesamten Location. Die normalen Bars bieten Bier, Sekt und zwei mit 5,50 Euro überteuerte Longdrinks im 0,2l Plastikbecher. Sie schmecken grauenhaft.

Einige Bars haben sicherlich eine Länge von sieben, acht Metern, aber trotzdem herrscht hier das gleiche Problem wie unten: Drei Leute maximal hinter einer so langen Bar und, wie auch nicht anders zu erwarten, riesiger Andrang auf der anderen Seite. So dauert es auch hier geschlagene 10 bis 15 Minuten, um einen Drink zu bekommen.

Ich dachte, dass es gerade auf solchen Großveranstaltungen wichtig ist, viel Geld über den Getränkeverkauf zu verdienen. Anscheinend haben die Veranstalter das heute Abend nicht nötig. Naja, ist es so eigentlich niemandem möglich, sich komplett vollaufen zu lassen, außer man kauft sich direkt alle Getränke auf einen Schlag. Werde ich mir definitiv fürs nächste Mal vornehmen.

Kleine Dramen

Zwei Latino-Hiphop-Boys, Mischung aus Marc Anthony und 2Pac, wollen ihre in die Mitte genommene und schon viel zu betrunkene Freundin mit noch mehr Alkohol abfüllen. Nett wie ich bin, drücke ich ihr ein Glas Wasser in die Hand, was mir nicht gerade freundliche und dankende Blicke der beiden Jungs einbringt. Aber egal – die gute Tat ist getan!



Nachts um halb Vier auf dem Klo

Den Toilettengang versuche ich, so gut es geht, zu vermeiden: Die vier (!!!) Dixie-Klos inmitten des großen Raumes, wenigstens durch Absperrgitter umstellt, sehen um kurz nach zwei Uhr schon so aus wie nach zwei Tagen Open-Air-Festival. Die anderen Toiletten, die einen gefühlten Kilometer weit entfernt leigen, sind auch alles andere als zahlreich. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es da erst um halb vier aussehen wird.

Aufregerle

So wenige Toiletten für geschätzte 3500 bis 4000 Besucher sind nicht nur in meinen Augen eine Frechheit: So ziemlich alle Gespräche in der Schlange drehen sich um dieses Thema.



Fazit

Die Extravaganca ist und bleibt das Freiburger Großevent für junge Menschen. Natürlich sollte sollte man als Gast ein Faible für Veranstaltungen dieser Art mitbringen. Ist man ein wenig älter und reifer als der Durchschnitt der Party und zudem noch anspruchsvoll, gerade auch was Getränke betrifft, bleibt man dem Stress vielleicht lieber fern. Eins wird einem bei der Extravaganza ganz sicher nicht: langweilig. Zu gucken gibt es immer eine ganze Menge.