Nightlife-Guru: Extrabi 2010 in Offenburg

Frederik Baumann

Bei Deutschlands größter Abiparty feierten am Samstag 7000 Jugendliche in der Messe Offenburg. So viel partywillige Abiturienten auf einem Haufen: klar, das da unser Nightlife-Guru mit von der Partie war.



An der Tür

Für meine Verhältnisse zeitig treffe ich kurz vor Mitternacht an den Pforten der Messe Offenburg ein. Für die Extrabi-Party bin ich so allerdings fast ein wenig spät dran: die Party heute? Ging schon vor Stunden los. Und diese Party ist begehrt: vor der Tür herrscht tatsächlich noch Ticket-Schwarzmarkt-Handel. Dankenswerterweise muss ich nur kurz Schlange stehen, denn ein Rudel betrunkener Abiturienten, sich Hucke-Pack tragend, rennt mit jugendlicher Energie und viel Geblöke immer wieder auf die Wartenden los.  Das freundliche Personal verschafft mir schnell Einlass.



Inneneinrichtung & Deko

Wie macht man aus zwei großen Messehalleneine ästhetisch ansprechende Partylocation? Eine schwierige Aufgabe, der sich die Veranstalter von Extrabi einfach konsequent verweigert haben. Oder haben sie sich nur diesem modernen puristisch-nüchtern Dekostil verschrieben?

Baden-Arena und Ortenau-Halle, funktionale Stahl- und Betonbauten, werden zwar von bunten Licht- und Lasereffekten erhellt, die sonstigen Dekoversuche sind jedoch einigermaßen kläglich: In der Badenarena stehen vier große Palmen neben Sonnenschirmen und Liegestühlen, in der Ortenauhalle gibt es eine kleine Hüpfburg. Letztere wird jedoch ausgelassen benutzt. Verweigerung vor dem Erwachsen werden, yeah!



Wer war am Start?

Karten für die Riesenparty waren nur bei den Abiturienten der beteiligten Gymnasien erhältlich. Trotzdem ist das Publikum erstaunlich gemischt. Von verkrampften Landpomeranzen mit Affenschaukeln bis hin zu frühreifen Gangsterkids ist alles dabei. Orsay-Chic und Polyester-Minikleider an Wasserstoffblondinen gibt es heute allerdings kaum.

Die frisch gebackenen Abiturienten tragen ohnehin meist stolz ihre Abi-Shirts. Gut so. Denn viel Gelegenheit dieses Shirt mit einem meist nur bedingt lustigen Aufdruck zu tragen, hat man ja nicht. Denn wasimmer man nach dem Abi auch macht: entweder trägt man im Herbst Anzug oder irgendwas, das nach Dritt- anstatt nach Erstsemester aussieht. Das Abi-Shirt ganz sicher nicht mehr.



Partyatmsophäre und Klangwaren-TÜV

In der Ortenauhalle ist die Tanzfläche mit Partymusik. Hier läuft Musik, die ich nur höre, wenn ich alleine bin. Erwischt mich jemand dabei, wird meist breit gegrinst und mit den Augen gerollt, denn Latino-Hits wie „Maria“ von Ricky Martin oder "Let’s get loud" von Jennifer Lopez sind mir in der Öffentlichkeit schnell peinlich. Den Abiturienten geht es nicht so. Auf der Tanzfläche ist es eng und reibungswarm. Ich wage mich dazwischen, und....finde es erstaunlich gut.

Auf dem Mainfloor in der Baden-Arena vermischen DJs House und Black Music. Auch dort tobt der Partybär. Anwesende probieren sich auf der Tanzfläche in allerlei Akrobatik. Mich ödet der musikalischen Einheitsbrei schnell an, aber trotzdem ist der Spaßfaktor insgesamt hoch.

Diverse Gangster-Hip-Hop-Gruppen versuchen bis 1 Uhr, die Gäste von der Bühne aus zu animieren. Das Konzept scheitert grandios: Die Performer haben’s drauf, keine Frage, aber das Publikum springt ganz und gar nicht drauf an. Statt mitzutanzen, gaffen sie gähnend auf die Bühne und stehen stramm. So etwa, wie die Bewohner Nordkoreas unfreiwillig die Militärparaden von Kim Jong Il mitverfolgen müssen. Als die Gruppen dann wieder von der Bildfläche verschwinden, geht’s mit ordentlichen Bässen weiter und der Stimmungsmotor läuft wieder an.



Catering & Getränke

Tanzen macht hungrig. Hier wird bei Extrabi - im Gegensatz zur Deko - nicht gespart. Auf dem Oktoberfest gibt’s in Biergartenatmosphäre ein reichhaltiges Angebot, ein paar Schritte weiter finde ich eine große Food-Area. Neben Klassikern wie Currywurst und Pommes steht auch eine Asianudelpfanne auf der Karte.

Tanzen macht aber auch durstig. Während beim Essen der Service rund läuft, werden die Bars und Trinkstationen regelrecht überrannt. Die Barkeeper sind maßlos überfordert. Nachdem ich eine Viertelstunde für meine Bons angestanden bin, frage ich mich während der nächsten Viertelstunde, die ich hier für meine liquide Erfrischung anstehe, wie man die Bars bei einer Party mit 7000 Gästen so unterbesetzen kann.



Aufheiterle

Vor der Food-Area drehen zwei leicht angetrunkene junge Damen völlig durch. Total auf Diva getrimmt, reißen sie sich erotisch-lasziv gegenseitig an sich. Anfangs noch von Menschenmassen umströmt, bildet sich um die beiden laut quiekenden Mädchen allmählich ein Gaffer-Kreis. Vor lauter Ekstase kippen die beiden um, krabbeln nun auf dem Boden herum und besteigen sich schließlich. Krönender Abschluss des Spektakels ist aber ein Typ in einem rosa Plüschhasen-Kostüm, der neben den beiden kichernden Mädchen durchaus sehr sexy Posen übt.

Aufregerle

Die Wartezeiten, die Wartezeiten. Und zwar nicht nur an den Bars, sondern gleich nach Einlass an den Garderoben: „Wir sind voll, wir können keine Jacken mehr annehmen!“, rufen die supergut gelaunten Servicekräfte hinter den Empfangstheken. Und das schon um Mitternacht! Ach wie praktisch. Dann tanze ich eben mit meiner Jacke anstatt mit meinen Freunden.

Wer seine Jacke abgegeben hatte, hatte nicht notwendigerweise mehr Spaß: In den Gaderoben fielen die Garderoben-Marken von den abgegebenen Kleidungsstücken, so daß man schließlich unter Einzelaufsicht durch einen Security-Angestellten selbst ihre Jacken in der weitläufigen Garderobe und den Kleiderhaufen. Wühltische bei kik sind nichts dagegen!



Auf dem Klo um halb eins

....sieht es schlimm aus. Gummistiefel wären das angebrachte Schuhwerk gewesen.



Fazit

Große Party, großer Spaß - aber auch große logistische Probleme. Wartezeiten und Tanzgruppen-Unterbrechungen minderten die Partyfreude im Laufe des Abends immer wieder. Schade, eigentlich, denn so eine Abiparty soll ja eine Erinnerung für's Leben sein.

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