Nightlife-Guru: Erstsemester-Familientag im Dreisam-Stadion

Nightlife-Guru

Heutzutage begehen Erstsemester einen ihrer ersten Uni-Tage also gemeinsam mit den Eltern. Seltsam, dachte sich unser Nightlife-Guru und machte sich auf den Weg ins Dreisam-Stadion. Das wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen:



Der Weg zum Stadion

Ich bin spät dran. Um 14 Uhr geht der Zirkus los, jetzt ist schon fast vier. Wird noch irgendwer da sein? In der Straßenbahn nur das übliche Gemenge aus Arbeitnehmern, die glücklich darüber sind, früh ins Wochenende abhauen zu können - einer stürtzt schon mal sein erstes Bier -, und Schülern, die ebenfalls auf dem Nachhauseweg sind.

Studenten samt Eltern(teil)? Fehlanzeige.

An der Straßenbahnstation Römerhof stehen dann allerdings schon ein paar, und auf dem Weg zum Stadion, vorbei an Einfamilienhäusern und Vorgärten ("Vorsicht Hund!"), kommen mir immer wieder vor allem Erstsemesterstudentinnen vor allem mit ihren Müttern entgegen: eine Hippiemama mit ihrem Hippiemädchen, eine CDU-Mutter mit ihrer Juristentochter.

Mitten auf dem Bürgersteig ein kleines Plastiktütchen. Was konsumiert der Ersti von heute: Gras, Koks, Speed, Ritalin? Ich hätte es zu gerne gewusst. Aber das Tütchen ist leer.



Inneneinrichtung & Deko

Wenn Fußball ist, sieht das Dreisam-Stadion klein aus, heute erscheint es groß und leer. Der Gang entlang der Osttribüne kommt mir ewig vor. Ganz am Anfang macht der SC Werbung für Studententickets, dann kommen Stände verschiedener studentischer Interessengruppen - und Fressbuden. Irgendwann öffnet sich der Gang zu einer Art Hof. Und dort stehen sie dann alle.

Wer war da?

Wie gesagt: alle. Vor allem Uni- und Studentenstände: der AKA Filmclub, Orchester und Chöre, die Uniklinik, Inditrack, politische Hochschulgruppen, Stiftungen. Aber auch eine Krankenkasse, das Stadttheater, eine Tanzschule - und die Badische Zeitung.

Studenten und ihre Eltern waren natürlich auch da. Allerdings erzählt mir ein äußerst bärtiger Typ an 'nem Stand, dass der Andrang jetzt schon wieder nachgelassen habe: "Um zwei war hier die Hölle los. Man kam hier kaum mehr durch." Also Glück gehabt. 

Wobei: Vor Gewaltausbrüchen hätte ich mich bei den Studis von heute eh nicht fürchten müssen. Eher vor Massenhysterie. Aber nein, jetzt mal im Ernst: Alle niedlich, alle freundlich, alle ordentlich, lebensfroh, gläubig, voller Hoffnung, voll dem Willen, die Welt zu verändern.



PS, noch mal im Ernst: Ich hätte damals den Teufel getan, mit meinen Eltern da aufzutauchen.

Catering und Getränke

Ein stadtbekanntes Café-Bar-Restaurant serviert aus Fressbuden heraus Pommes, Wurst im Brot (beides 2,50 Euro), Kaffee (1,50 Euro) und Kuchen (1,70 Euro). Okaye Qualität zu superannehmlichen Preisen. Die Eltern finden's total cool, die Erstis nehmen's unkommentiert hin. Systemgastronomie ist halt nicht Bistro Mama; liebe Erstis: So schmeckt das jetzt vorerst drei Jahre lang. 

Klangwaren-TÜV und Partyatmosphäre

Auf einem Podest vor der Osttribüne spielt die Uni-Bigband Bigbandmusik. Ziemlich viele StudEltern (= Studenten und Eltern) sitzen in den Rängen und hören zu. Als ich mir das Spektakel selbst ansehen und -hören will, hören sie auf zu spielen. Schade. Der Sound harmonierte perfekt mit dem Wetter.

Dann läuft - über die Stadionboxen? - irgendwas Hartes, Rockiges. Nicht mein Ding, und mutmaßlich auch nicht das Ding der jungen longchamp-betaschten Dinger. Maximal noch das Ding der leder-bejackten Väter an ihrer Seite.



Auf dem Klo um halb fünf ...

... erwarte ich Mütter, die ihren Söhnen die Hose aufknöpfen und sie aufs Töpfchen setzen. Scherz. Jetzt mal Schluss mit dem Ersti-Bashing. Zu einfach. Zu billig.  

Aufheiterle

Natürlich die vielen tollen Konversationen links und rechts. Vor allem aber, dass ein Stockwerk höher niemand, aber wirklich gar niemand zugegen ist. Auch mal schön, bei all dem Trubel ...



Fazit

Ein durch und durch angenehmer Nachmittag - auch für Zweitis, Drittis oder Gar-Nicht-Mehr-Studentis. Und das Wetter ... hach, das Wetter ...

Mehr dazu: