Nightlife-Guru: Eröffnungsparty im Mamasita

Nightlife-Guru

Das neue Freiburger Salsa-Wohnzimmer "Mamasita" lud am Samstag zur zweiten Eröffnungsparty. Was versprochen wurde: heiße Rhythmen und loungiger Chillout-Bereich. Was unser Nightlife-Guru feststellen musste: In kubanischen Hochöfen tanzt man am besten zu live-Musik.



Die Jungs an der Tür

Ledergesichtig schauen Vitali und Tarkan an uns vorbei, als meine Begleitung und ich um elf Uhr im Mamasita aufschlagen. Zu sehr in ihr Gespräch über die vergangen Kickboxerfolge vertieft, winken uns die Steroidosaurusse durch: ohne Taschen zu durchsuchen, ohne Ausweise zu verlangen.

Treppab begrüßen zwei breitgrinsende Damen die tanzwilligen Freiburger. Mit sechs Euro weniger im Portemonnaie und einem unabwaschbaren Stempel mehr – die Stempelfarbe ist so frisch, dass sie gleich bis zur Kontrolle nächste Woche reicht – tauchen wir, von rhythmischer Musik begleitet, in die Nacht ein.



Inneneinrichtung und Dekoration

Salsa-Wohnzimmer klingt eher nach einem kleinen Raum mit vielen bequemen Sofas und winziger Tanzfläche. Doch uns empfängt neben einer großen Tanzfläche an den Wänden eine Sitzecke für zehn, kuschelnd auch zwanzig Personen. Weiße Ledersofas zusammen mit weißen Beistelltischchen und weißen Sitzhockern muten eher wie das Wohnzimmer von Joseph Ackermann denn das von einer gutherzigen kubanischen Mama an.

Die weiße Theke, das weiße DJ-Pult und der riesige Tanzsaalspiegel vervollständigen den Gewölbekeller, der auch als Tanzschule genutzt wird. Für Gemütlichkeit sollen einige Kunstblumen nebst echtem Klavier sorgen, das leider den ganzen Abend unberührt an der Wand verbringt. Klassisch kubanisch dagegen ist die Bühne der Band: einfache Holzlatten tragen das spanische Quartett „Macondo“.



Wer war da?

Wie Uni-Dozierende es ausdrücken würden: eine heterogene Gruppe von Anfang Zwanzig bis Mitte Fünfzig. Da wären zum einen die Männer, feurige Kubaner, mal mehr mal weniger hüftschwingend, gefolgt von bleichgesichtigen Latino-Imitaten und älteren Herren, die mit der Dame ihres Herzens eine Sohle aufs Parkett legen Die Damen, oft mehr offenbarend als fantasieanregend, finden sich am Rand der Tanzfläche zu kleineren Knäulen zusammen und warten auf die Aufforderung eines passablen Tänzers, der vielleicht mehr verspricht als nur einen netten Tanzabend.

Die meisten Besucher gehören eher zur Gruppe der fortgeschrittenen Salsatänzer als zu den mutigen Anfängern, die außerhalb des Tanzkurses ihr Glück versuchen wollen. Zwischen dem klassisch kubanischen Tänzer, der im kleinen Kreis mit der Dame „Sex on legs“ tanzt, bis hin zum „New York Styler“, der knapp ein Drittel der Tanzfläche beschlagnahmt, finden auch wir unseren Platz auf der Fläche, wenn auch als Anfänger mit Hüftglück.



Klangwaren-TÜV und Partyatmosphäre

Um 23.30 Uhr wird der DJ lahmgelegt. Die Stromsicherungen für DJ-Pult, die Hälfte der Belichtung und der Klimaanlage geben den Geist auf. Tut jedoch der Stimmung erst mal keinen Abbruch: Dort wo Platz ist, wackeln die Paare den Speck von ihren Hüften – dort wo keiner ist, wackeln sie noch mehr. Das Mamasita scheint als neue, nächste Adresse für Freiburgs Salsa-Völkchen gut zu funktionieren.

Die Sache mit dem Sicherungskasten wird allerdings zum Problem: Die Band muss nun Extraschichten übernehmen, Schweiß perlt über die Trompeten. Die Tanzpaare beklatschen jede Nummer mit dankbarem Applaus. Stöhnen aber zugleich immer hörbarer auf. Auf den Shirts der Männer zeichnen sich hinten nicht länger Schweißflecken ab – hier entstehen ganze Seenlandschaften. Ein junger Kerl streckt seinen Arm mit verwirrtem Blick zur Klimaanlage hoch. Betet sie an. Doch da rotiert nicht das kleinste Lüftchen.



Catering und Getränke

An der Bar gibt’s eine angenehme Mischung vom Caipi bis zum Espresso – je nachdem, ob man voll oder munter durch die Nacht möchte. Ich bestelle aber nichts: Zu viele wollen gerade ihre trocken getanzten Kehlen wässern. Und zu wenig Platz ist in der Cocktail-Einflugschneise: Ein Elektriker hat sich mit einer Klappleiter vor dem Sicherungskasten aufgebaut.



Auf dem Klo um halb zwo

Der Stromausfall hat auch die Damentoilette erwischt: Wer suchet, der findet, auch ohne Licht. Bei den Herren erhellt wenigstens ein winziger Funke den Lokus: Ein kleines Notlicht sorgt auf den Toiletten für Licht. Eine Kabine ist dauerhaft verriegelt – die andere lässt sich nicht verriegeln.

Aufregerle

Das Stromproblem besteht auch noch nach über einer Stunde. Immer mehr Partygäste stolpern über die Kellertreppe ins Freie, um Luft zu schnappen. Hätten die Damen nicht so hohe Absätze, könnten sie ihre Tanzfüße im Bächle vor der Haustür kühlen. Wer rauskommt, presst Wortfetzen wie „mindestens 60 Grad“, „wie in der Sauna“, „Boah, ich sterbe“ hervor.

Rechts neben dem Eingang werkelt mittlerweile eine Elektriker-Armada an einem Stromkasten herum. Und der Veranstalter und sein Handy laufen - verständlich - schreiend im Zick-Zack über die Nußmannstraße.



Aufheiterle

Die düstere Beleuchtung und die fehlende Belüftung tun der Stimmung keinen Abbruch. Die Paare tanzen einfach weiter. Die Band spielt einfach weiter. Und über die Theke wandern immer noch die Caipis. Und meine Begleitung und ich freuen uns über mehr Platz auf der Tanzfläche.

Fazit

Was auch immer ein Salsa-Wohnzimmer ist: das Mamasita ist keines. Aber dafür ist es eine gute Adresse, um ausgelassen zu tanzen. Die Salsa-Clique Freiburg hat einen neuen Spielplatz. Und wenn dabei der Strom ausfällt, kommt sogar richtiger kubanischer Flair auf. Mangelversorgung, doch Spaß dabei: Willkommen im Buena Vista Socialist Club!

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