Nightlife-Guru: Eröffnung Schneerot

Nightlife-Guru

Am Samstag öffneten die Betreiber des neuen Clubs Schneerot erstmals die Türen im Kornhauskeller, zumindest für geladene Gäste. Neues Design, neues Konzept, neue Akzeptanz? Der fudder-Nightlifeguru hat sich in die Besucherschar geschmuggelt und erste Eindrücke mitgebracht.



(Die Jungs) An der Tür

Um Mitternacht. Münsterplatz. Aus der Dunkelheit heraus hebt sich das Kornhaus, Heimat des neuen Clubs „Schneerot“, ganz in tiefrotes Licht getaucht. Über einen meterlangen roten Teppich, vorbei an Clubsprecher und berater Alexander Kniessner sowie einer Handvoll Sicherheitspersonal betrete ich Freiburgs neuen Bewegungsraum.

Geschlossene Gesellschaft. Einlass nur mit Einladung oder über Gästeliste. Ohne Ausnahme. Auch nicht zu vorgerückter Stunde, als sich ein paar Monkey-Jumper hierher verirren. An den Türriegeln ist kein Vorbeikommen.



Beleuchtung, Teppich, Security. All das soll – wenigstens heute Abend – den exklusiven Anspruch und die Einzigartigkeit des Schneerot unterstreichen.

Inneneinrichtung / Deko

Schon die äußere Gestaltung des Treppenaufstiegs vermittelt gewolltes Design: ein reliefierter Wandschriftzug, rot unterlegt. In gespannter Erwartung, endlich einen Blick auf die Inneneinrichtung zu werfen, steige ich Stufe um Stufe hinab, und werde enttäuscht: unvermittelt stehe ich vor der Garderobe, und diese hat das Flair eines kleinstädtischen Theaterfoyers.



Kaum betrete ich jedoch den Club selbst, weicht meine kurzzeitige Enttäuschung einer beständig zunehmenden Begeisterung: ich tauche ein in mehrere, für Freiburgs Nachtleben hochmodern gestaltete Räume. Sie sind alle auf die Tanzfläche ausgerichtet. Mit einer Ausnahme: die Smoker’s Lounge.



Sofort ins Auge fallen die vielen Sitzgelegenheiten, welche entfernt an den Longchair Wave von Rolf Benz erinnern. Sie laden ein zum sitzen, liegen, sich näher kommen, oder – je nach körperlichem Zustand – dahindämmern. In gewissen zeitlichen Abständen werden diese Räume in ein anderes Farbschema getaucht, wobei Rot- und Purpurtöne vorherrschen.

Blickfang und unbestrittene Hauptattraktion: die so genannte iBar mit ihrem interaktiven Tresen. Ein in die Decke eingelassener Beamer bespielt die Oberfläche mit beliebigen Inhalten. Heute Abend sind es Auszüge aus der Cocktailkarte. Diese Projektionen reagieren mittels Sensoren auf jedweden Gegenstand, der die Oberfläche berührt.

Noch etwas skeptisch stehe ich allerdings der Tanzfläche gegenüber. Aufgrund der Bodenbeleuchtung ist sie für meinen Geschmack etwas zu hell. Ich persönlich bevorzuge nackte Steinböden, Asphaltdecken oder Holzdielen.



Wer war da?

Am heutigen Abend ist keine einheitliche Crowd auszumachen. Zu breit und zu heterogen ist das Publikum aus Anlass der Eröffnung aufgestellt. Chucks treten auf gepflegte Lederschuhe, Ballerinas auf High Heels.

Am Rande bemerkt: mit einem weißen Hemd können Männer mit Sicherheit nicht punkten, aber auch nichts falsch machen. Und für Frauen gilt: ohne Absätze unter 10 Zentimeter ist frau nicht im Gespräch.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

„You know, God made me phunky, and I’m just glad he made me that way…”

Über die von innen beleuchtete und damit etwas zerbrechlich wirkende Tanzfläche rollt eine schwere Bassline. Sekunden später setzen funky Beats ein und die hypnotisierende Stimme heizt den Tanzenden ein: „You know, God made me phunky…“ Fehlt es den Jungs und Mädels zwar nicht an Hitze – es ist wahnsinnig heiß hier unten -, haben sie den Funk bitter nötig. Nur zögerlich bewegen sie sich zu diesem Sound, scheinen sie doch vielmehr mit sich selbst und ihrer Wirkung auf die anderen Gäste beschäftigt.

Minuten später. DJ- und damit auch Soundwechsel. Zum wiederholten Mal an diesem Abend. Wer die Regler bedient, entzieht sich meiner Kenntnis – wahrscheinlich einer aus dem Insel Affe-Team. Er spielt Lady Marmalade, die Coverversion von Christina Aguilera & Co., trifft damit den Ton der Gäste, und gleichzeitig meine Nerven. Zwar ist die Tanzfläche jetzt zum Bersten voll, aber die Party nimmt den Charakter einer SWR-3-Nacht an.

Für kurze Zeit tritt Besserung ein, als DJ Darren übernimmt und seine Interpretation von House-Musik zum Besten gibt.



Catering & Getränke

Crostini, gefüllte Blätterteigkissen, winzig kleine Quiche Lorraine, Schälchen mit Obstsalat oder roter Grütze – ein kaltes Buffet, herzhaft und süß, sorgt für das leibliche Wohl der geladenen Gäste. Bier (Heineken, 0,25 l), Wein (weiß/rot, 0,2 l), Sekt sowie verschiedene Softdrinks (Afri-Cola, 0,2 l) gibt’s dazu umsonst. Für Cocktails, Longdrinks und weitere hochgeistige Getränke muss gezahlt werden. Dementsprechend groß ist der Ansturm auf die Bar, deren Personal kaum nachkommt, Flaschen über den Tresen zu reichen.

Auf dem Klo um halb Vier

…ist weniger los als in manch einer Vielflieger-Lounge.

Aufregerle

Defizitär ist die Be-/Entlüftung der Smoker’s Lounge. Keine fünf Minuten halte ich mich hier auf und dennoch unterscheidet mich nichts mehr von einer Südtiroler Kaminwurz.

Etwas anstrengend ist auch das Rotationsprinzip in der DJ-Kanzel. Zu viele Köche!



Aufheiterle

Ein Schlag, und ein stechender Schmerz durchfährt meine Schulter. „Ey, du bisch au immer am Start, wenn z’ Friburg was los isch. Häh?“ Erschrocken drehe ich mich um und blicke in das alkoholrote Gesicht eines Mit-Vierzigers. „Ouh, sorry, s’ hen halt alli es wiisses Hemd a…“

Fazit

Das Schneerot wird mit Sicherheit sein Stammpublikum finden. Ob es sich jedoch zum südbadischen Gral der beautiful people und House-Club Nummer 1 entwickelt, wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.

Mehr dazu:

fudder.de: Foto-Galerie Schneerot Eröffnung
fudder.de: Alles zum neuen Schneerot
fudder.de: Serie Nightlife-Guru