Nightlife-Guru: Eröffnung der Erika-Bar

Nightlife-Guru

"Irgendwo in der oberen Altstadt", eröffnete am Freitag die Erika-Bar. Klar, dass der Nightlife-Guru da vorbeischaute. Was er dort vorfand: Bravo, Popcorn und Mädchen



Die Jungs und Mädels an der Tür...

...sind zwischen 16 und 18, tragen - den frühsommerlich lauen Abendtemperaturen und ihrem Alter angemessen - Cargo-Baggyshorts, Hawaii-bunte T-Shirts oder einfarbige Cardigans und schauen etwas verdutzt, als der beginnend grauschläfige Nightlife-Guru mit seiner attraktiven Begleitung den Raum betritt.

Inneneinrichtung und Deko

"Zu ihrer Eröffnung wird sich Erika in einem Kitschgewand präsentieren, wie es Freiburg noch nicht gesehen hat", so die Aussage des Betreibers im April. Bewunderung oder Ablehnung werde sie hervorrufen. Mir und meiner Begleitung entlockt sie jedoch ein "Joah, ganz nett." Warum dies?

Wer die Erika-Bar betritt, glaubt sich im Aufenthaltsraum eines teilautonomen Jugendzentrums wiederzufinden. Ein paar DB-Eilzug-Waggon-Sitze (sind es doch, oder?) entlang der Fensterfront und Wand rechts vom Eingang; zwei Balkonschaukelstühle und zahlreiche Sitzhocker aus rot gepolsterten Freiburger-Bierkisten.

Die Wände und der Bartresen mit Auszügen aus Comics, Schundromanen und Heften wie Bravo, Popcorn und Mädchen beklebt; und ein Kronleuchter im Barbereich darf natürlich auch nicht fehlen. Hat ein bisschen was von der Beat Bar Butzemann, dem Artik und dem Jugendzimmer meiner Cousine als sie 16 war. Wie gesagt: Ganz nett.



Wer war da?

Die Jungs und Mädels an der Tür. Doch diese lassen uns nach einer guten Viertelstunde alleine zurück. Drinnen lümmeln zwei junge Männer untätig auf den DB-Eilzug-Waggon-Sitzen. Sie sehen so aus, als ob sie auch sofort wieder gehen möchten. Wahrscheinlich ist es zu früh - kurz vor zehn Uhr - und zu gutes Wetter, als dass sich jemand aufraffen mag, sich "irgendwo rein" zu setzen.

Gegen später wird's ein wenig voller, ich denke, dass es sich dabei um Freunde und Bekannte der Betreiber handeln muss. Schade eigentlich, dass nicht mehr los war. Denn: Es ist wirklich ganz nett dort.

Bar-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

 
Die Jugendlichen, mutmaßlich Abiturientinnen und Abiturienten, unterhalten sich mit gedämpfter Lautstärke über den anstehenden Spanien-Urlaub. An der Bar hängen sieben, acht Männer und Frauen, die miteinander eine gute Zeit haben. Hinten im Eck sind Laptop und Serato (?) aufgebaut. Ein Kerl zieht MP3-Dateien auf die Decks und spielt DeepTechMinimal-House.

Vom Klangbild her wirkt seine Musik wie die auf Tape selbst mitgeschnittenen Radiosendungen, Treibhaus / Einslive, Evosonic, HR3 Clubnight. Das Set erfüllt seinen Zweck, es ist nicht ganz so ruhig in der Bar. Doch meine Begleitung und ich hätten uns Kraut Rock, Yacht Rock, Achtziger-Elektronika oder Balearic Disco erwartet.

 

An der Bar

Longdrinks kosten plus-minus 6 Euro und schmecken gut, jedenfalls besser als die seichte Brühe, die manche "Bars" im Fadenkreuz von Bertold- und Kaiser-Joseph-Straße ausschenken. Großes Plus: Ein ausgesprchen freundliches Barteam, bei dem man sich Willkommen fühlt. Schön, dass mit dem Artik, der Lila-Bar und nun der Erika-Bar drei persönlich geführte Barbetriebe eröffnet haben, die den Gast auch wie einen solchen behandeln.

Auf dem Klo um halb elf

"It's not easy being green", rappt Marsimoto. In Freiburg allerdings schon! Marsimoto und sein Soundsystem würden sich auf dem Männerklo bestimmt sehr wohlfühlen, denn es ist ganz in grün gehalten. Die Damentoilette ist rot. Karmesin, Bordeaux oder Burgund - darüber streiten meine Begleitung und ich uns heute noch. Skandal: Bei den Frauen ist ein Spiegel, bei den Männern nicht. Dafür hängt dort ein Kabel von der Decke herab.



Aufheiterle

Aufgeheitert und entsetzt zugleich hat mich der Gedanke, dass die meisten der Gäste durchaus auch meine Kinder hätten sein können.

Aufregerle

Ich war zu kurz in dieser Bar und zudem auch noch bestgelaunt, als dass mich irgendetwas hätte aufregen können.

Fazit

Die Erwartungen, in der Erika-Bar eine abgefahren und skurrile Atmosphäre einzutauchen, waren vielleicht etwas zu groß. Dafür entschädigte jedoch die Bar sowie das Personal. Und das ist beim gepflegten Trinken ja das Wichtigste!

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