Nightlife-Guru: Emmendinger Partymeile

Nightlife-Guru

Für vergangenen Freitag hatten fünf Gastronomen aus Emmendingen den Start einer Inititiative für ein lebhafteres Nachtleben in der großen Kreisstadt angekündigt: die "Emmendinger Partymeile". In den fünf Bars, Kneipen und Cafés sollten DJs für Partystimmung sorgen. Ob dem so war? Unser Nightlife-Guru war auf Kontrollbesuch.




Draußen vor den Türen

Schnee. Schnee. Und noch mal Schnee. Kein Wunder, das an diesem, Freitagabend in Emmendingen wenig Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Die sübadischen Ausläufer von "Blizzard" Daisy überziehen die übrig geblieben Weihnachtsdeko vor den Kneipen der Stadt einer dekorativen Schneeschicht. Ob Januar ein guter Monat um eine kneipenübergreifende Ausgeh-Aktion zu starten? Ich habe schon jetzt wenig Lust, meine Schal-Mantel-Mütze-Handschuhe-Kombination heute Abend mindestens fünf Mal aus und wieder anzuziehen.



Inneneinrichtung & Deko

Mein erster Stop ist das Shamrock. Dort sind einige Tische besetzt, einige weitere Gäste sitzen an der Bar, aber es ist bei weitem nicht voll. Tanzt der Pub-Bär vielleicht im Raucherraum? Das scheint geplant zu sein, denn dort hat der DJ, an einem Tisch auf einem kleinen, bühnenartigen Podest sitzend, sein Laptopauf  hergerichtet. Er lässt Die Ärzte, Die Toten Hosen, ACDC und schließlich "Smoke on the Water" von Deep Purple auf höchster Volumenstufe aus blechernen Boxen donnern. Party! Party! Party!

Niemand tanzt.



Passend zur ausgelassenen Stimmung bestelle ich mir eine Weinschorle. Während ich warte, schaue ich mich im Shamrock um. Es ist schummrig und spärlich dekoriert. Auch die Einrichtung ist nur spärlich vorhanden, doch hier zeigt man sich erfreulich flexibel: Als weitere Partyhungrige Gäste das Pub betreten, verlässt der Wirt kurz seinen Platz hinter der Theke, um bald darauf mit drei Campingklapptischen zurück zu kommen. Platz ist auch im leersten Pub.

Zur Anheizung der Stimmung scheint der DJ die Lautstärke des Classic Rocks immer weiter aufzudrehen. Mir wird es ganz klar zu laut. Ich ziehe meine Winter-Montur an und mache mich durch die verschneite Innenstadt auf den Weg zum nächsten Partymeile-Ort.




Wer war da?

Mein nächster Stopp: das Palio. Während ich mir beim Eintreten die Mütze vom Kopf (und den Ohren ziehe) erschrecke ich: dort dröhnt Howard Carpendale aus den Boxen. Mein Blick wandert vergeblich auf der Suche nach dem angekündigten DJ Hubert B durch den Laden. Vielleicht ist das ja aber auch nur der Name der Musikanlage, aus der der Schlager dudelt.



Ich setze mich. Am Nebentisch ist es einer Gruppe Frauen mittleren Alters gelungen, an diesem kalten Freitagabend ein wenig Partystimmung zu generieren. Eifriger Weinkonsum scheint geholfen zu haben. Die Truppe lacht laut über eine Kollektion leerer Gläser hinweg. Hier hält es mich nicht lange. Ich flüchte in Schal-Mantel-Mütze-Handschuhe, in die Kälte und ins Café Emotion.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Hier ist - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit - noch weniger los als in den beiden ersten Etablissements. Aber dafür gibt es den ersten richtigen DJ des Abends, der hinter einem richtigen DJ-Pult mit Plattenteller steht. Aus den Boxen wuppert hörbarer Party-House, der mir und meiner Begleitung gut gefällt. Auch die Belegschaft scheint vom hauseigenen Sound angetan, und vertreibt sich die arbeitsarme Zeit gut gelaunt tänzeld hinter der Theke.



Nach einem weiteren Schal-Mantel-Mütze-Handschuhe-Tanz meinerseits und einem kurzen Gang durch den Schnee, bin ich vom Vertreter der Musikliefernden Branche im Fuchsen dementsprechend enttäuscht: hier steht ein Laptop auf einer Bierkiste. Sein Bediener versucht sich an Winamp. Die Gäste spielen stattdessen Skat.

Ich bin nicht verwundert.



Ein letztes Mal rein in Schal-Mantel-Mütze-Handschuhe, rein in die Bier-Börse, und raus aus Schal-Mantel-Mütze-Handschuhe. Und hier ist es tatsächlich voll. Schade nur, dass das Durchschnittsalter deutlich über 50 liegt. Meine ortskundige Begleitung klärt mich auf: "Das ist da immer so, das sind die Stammgäste, die Bierbörse ist der einzige Laden der auf diese Partymeilen- Aktion nicht angewiesen ist, weils da immer voll ist."

Aha.



Catering & Getränkekarte

Zum Start der Partymeile hatte ich Specials erwartet: vielleicht eine Happy Hour, besondere Cocktails, Theken-Snacks. Ich habe zu viel erwartet. Schade.




Auf den Klos zwischen 23 und 1 Uhr

Wer im Shamrock mal muß, muß durch einen Innenhof. Einen schneebedeckten Innenhof.



Aufregerle

Wie immer und überall: der Sound. Ob Party-House-Bass im Emotion, Classic-Rock-Dums im Shamrock oder Düdel-Schlager im Palio: Aua. Überall war es, gerade in Anbetracht der geringen Besucherzahl, deutlich zu laut.




Fazit

Der Versuch, das Nachtleben in Emmendingen zu beleben, muss natürlich grundsätzliche gelobt werden. Umso trauriger ist es da, dass der Start der Partymeile so extrem mau ausgefallen ist.

Eine "Special Night", auch wenn die von nun an jede Woche stattfinden soll, müsste anders aussehen, angekündigte DJs auch wirklich auflegen, und Musikrichtungen eingehalten werden. Im Sommer kann das Konzept natürlich gut funktionieren. Ich werde kontrollieren.

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