Nightlife-Guru: Ein Wochenende auf der Ersti-Hütte

Nightlife-Guru

Der Nightlife-Guru hat die ersten Wochen seines Studiums an der Uni in Freiburg überstanden und war am Wochenende auf einer Ersti-Hütte im Schwarzwald. Er hat drei Tage nicht geduscht und in Wollsocken zu "Danza Kuduro" getanzt.

Ich bin schon einen Monat lang Ersti – und ich liebe es, zu studieren. Ich weiß, dass man "die weiße Soße" aus der Mensa und Frau E. – aka "Die Hexe" – bei der Prüfungsordnung vermeiden sollte – und dass die Säule der Toleranz kein Kunstprojekt ist.


Die Witze meines Dozenten habe ich nach vier Vorlesungen aber immer noch nicht verstanden – und ich verwechsle weiterhin das KG II mit dem KG III. Was ich aber bereits nach der ersten Woche – und mehreren Kneipentouren – gelernt habe: Die Promille-Grenze der Erstis sollte immer höher als ihr Abischnitt sein – und doppelt so hoch auf der Ersti-Hütte.

Die Ersti-Hütte

Die Ersti-Hütte: Ein Wochenende mit seinen Kommilitonen, das von der Fachschaft organisiert wird, irgendwo im Schwarzwald – ohne Handyempfang, aber mit viel Alkohol.

Vorweg: An diesem Wochenende sind mehrere Studiengänge gleichzeitig auf eine Erst-Hütte gegangen. Auf welcher Hütte ich – der Guru – war, verrate ich nicht: Ich will nicht schon zu Studien-Beginn Ärger mit meinen Kommilitonen haben. Wer mich für meine Anonymität verurteilt: Auch Ihr benutzt Jodel – und Euer Karma ist echt beschissen.

Inneneinrichtung und Deko

Hinter den Bergen, bei den sieben Kästen Joster: Unsere Hütte steht – wie alle anderen auch – irgendwo im Schwarzwald, fernab der Zivilisation. Dort, wo Kinder Kühe schubsen, weil sie kein Netz für Farmville haben und schon Anfang November der Schnee fällt.

Die Hütte ist klein – zu klein, wenn der freie Platz von drei Bier-Ping-Pong-Tischen eingenommen wird. Der alte Holz-Boden knarrt, kalter Wind weht durch den Gemeinschaftsraum. Schläfst du oben im engen Hochbett, hast du in deinem Bauch nur noch Platz für drei Bier, bis du die Decke berührst. Wer versucht, betrunken hoch zu klettern: scheitert. Es gibt im großen Schlafraum nur eine Steckdose für 15 Leute. Dafür stehen vor der Haustüre 15 Biere pro Person.

Party-Atmosphäre

Auch wenn wir Strom sparen sollen: Wir drehen die Boxen im Gemeinschaftsraum so laut auf, dass uns jedes Eichhörnchen im Wald hören kann. Wir tanzen in selbstgestrickten Wollsocken zu "Danza Kuduro". Wir rennen in den erstbesten Hausschuhen, die wir im Flur finden konnten, raus in den Regen, um uns eine weitere Flasche billigen Sauvignon Blanc zu holen.

Es ist egal, dass unsere Füße nass sind und wir alle ein bisschen stinken. Wir müssen Wasser sparen – also duschen wir nicht. Der bissige Geruch im Schlafraum wird von einer stickigen Deo-Wolke überdeckt. Auch wenn wir wissen, dass wir am nächsten Morgen Toiletten putzen müssen, deren Spülung seit zwei Tagen nicht funktioniert: wir sind trotzdem glücklich. Warum? Wir haben eine Fachschaft, die alles super organisiert – und zu viel getrunken.

Klangwaren-TÜV

Es könnte nur ein bisschen leiser sein – und damit meine ich nicht die Musik. Ein Hochbett quietscht und knarrt um 3 Uhr nachts.

Ich hoffe, die zwei wilden Erstis haben den gleichen Rat von ihren Freunden bekommen, wie ich: "Pack Aspirin und Kondome ein", haben sie gesagt. "Das hilft gegen Kater und die nächste Apotheke für ’die Pille danach’ ist zu weit entfernt."

Wer wirklich Schuld am quietschenden Bett hat, bleibt ungewiss. Jeder hat es gehört, aber keiner ist es gewesen.

Wer war da?

Studierende, die Fachschaft: Leute, deren Name ich am Abend vorher wusste und am Morgen danach wieder vergessen habe. Sie sind moderne Erstis und studieren – bestimmt – irgendwas mit Medien auf Englisch: Culture and Media Science of Arts – oder so.

Auf jedem Hütten-Wochenende mit dabei: das Pärchen auf dem quietschenden Bett, der Streber, der sich auf die Vorlesung vorbereitet, der eine, der kotzt und der andere, der immer irgendwas vergisst oder verliert.

Fazit

Meine Freunde haben mich vorgewarnt: "Die Einführungs-Woche und die vielen Kneipentouren dienen dazu, euch auf die Ersti-Hütte vorzubereiten".

Ich habe mir ein Wochenende mit Exzesse vorgestellt. Ein Wochenende, dessen Filmriss-Soundtracks "Drei Tage Wach" und "Stoff und Schnaps" sein werden.

Aber eigentlich war es gar nicht so schlimm, wie erwartet: Wir haben teilweise Tee statt Bier getrunken, um uns aufzuwärmen und Karten gespielt, statt zu snapchatten. Es hat sich nur einer von 50 Leuten übergeben und am Ende haben wir nur einen Schuh verloren: Eine gute Quote, ein echtes Ersti-Hütten-Märchen.

Ich habe es überlebt – und es war schön.