Nightlife-Guru: Ein Nachmittag in den Freiburger West-Arkaden

Nightlife-Guru

Am 31. Januar eröffneten die ersten Geschäfte der West-Arkaden im Freiburger Stadtteil Mooswald. Klar, dass unser shopping-geiler Nightlife-Guru da vorbeischauen musste. Was er gestern Nachmittag vorfand: eine Einkaufsmeile zwischen Spaghetti-Western und Arkadien.



Die Jungs an der Tür ...

... sind für mich erst einmal zweitrangig. Erstrangig ist für mich die Frage: Wo liegen diese West-Arkaden überhaupt?

Ich komme mit der eins am Runzmattenweg an, steige aus und sehe im Wartehäuschen gegenüber ein händisch angefertigtes Ortsschild: "The Real Ghetto Hustle." Fühlt sich gut an, hier zu sein.



Es regnet, es windet, es ist kalt. Meinen Regenschirm habe ich schon vor Tagen bei 'nem Kumpel vergessen, meinen Schal vorhin zuhause. Ich fühle mich wie auf einer Expedition am Arsch der Welt, auf die ich mich schlecht vorbereitet habe.

In einem Hauseingang steht eine Frau im Vogelscheuchen-Look. Ich denke zuerst: Elke Heidenreich? Dann merke ich aber, dass ihre Brille eine andere Farbe hat und dass sie zu wenig Samt trägt. Ich frage nach dem Weg. "Die West-Arkaden? Noch nie von gehört."

Ich versuch's auf eigene Faust ... und da sind sie schon! Links das grandiose Gasthaus Weststadion, das heuer "Freiburgs größtes chinesisch-mongolisches Restaurant" beherbergt; rechts eine Reihe hoher, neuer Fassaden, die ganz anders aussehen, als alles, was hier sonst rumsteht.



Inneneinrichtung und Deko

Wie gesagt: Irgendwie sieht das Teil aus, als ob's irgendwo mit einem Riesenkran in die Luft gehoben und hier wieder abgesetzt worden wäre. Die Gegend ist hässlich bis runtergekommen; die West-Arkaden sollen das wahrscheinlich ändern.

Die West-Arkaden: ein sogenanntes Gässle, das ein paar Hundert Meter lang ist und an dem links und rechts Geschäfte und Wohnungen liegen. Ein paar Geschäfte haben schon auf - der Biosupermarkt Denn's, ein Rewe, ein dm, ein Klamottenladen (nein: kein Zara), ein Kiosk. Folgen sollen noch: ein Fressnapf, ein Mai-Wok, eine Volksbank, ein Deichmann, ein e-plus-Shop, ein Eiscafé und noch ein paar andere Geschäfte. Hier wird man unbedingt Shoppen gehen wollen!



Die Stimmung, die Optik: ein bisschen wie im Wilden Westen, wenn gerade eine neue Stadt hochgezogen wird.

Vieles ist noch unfertig, steht noch leer. Baustellen, Bauzäune, Bauschutt, Bauirgendwas. Vielleicht sieht das ja alles mal ganz dufte aus - jetzt aber noch nicht so wirklich ... zumal im Regen.

Wer war da?

Gar nicht so unwenige Leute nutzen die neuen Einkaufsmöglichkeiten tatsächlich schon. Im dm muss man an der Kasse sogar anstehen. Junge, Alte, Pärchen, Studenten.

Draußen: bestimmt ein Duzend Bauarbeiter in Grün- und Blaumännern.

Shopping-Atmo und Klangwaren-TÜV

In manchen Läden vermisse ich den immergleichen Dudelsound, der zum Einkaufen animieren soll. Ich mag ihn, er entspannt mich. Ich kenne die Jingles einzelner Supermarktketten auswendig, kann sie mitpfeifen, manchmal tanz ich zu ihnen, mitten im Supermarkt. Die Leute schauen mich dann schräg an.

Im Biosupermarkt riecht es, wie es in Biosupermärkten immer riecht: nach Biosupermarkt. Ich weiß nicht, WAS genau diesen Geruch hervorruft - vielleicht die Bio-Orangen aus Spanien oder die Bio-Bananen aus Ecuador ... Vielleicht riecht auch gar nichts in jenem Biosupermarkt tatsächlich nach Biosupermarkt, und der Biosupermarktleiter - erschrocken ob dieser Tatsache - sprüht den Laden jeden morgen mit Biosupermarktraumduft ein, um den Erwartungen seiner Käufer gerecht zu werden.

Draußen hört man das Kratzen von Schaufelunterflächen auf Pflastersteinen; ansonsten Ruhe a.k.a. das Rauschen der Lehener Straße und der Berliner Allee.



Catering

Die Bäckereien im Biosupermarkt und im Nicht-Biosupermarkt haben natürlich jeweils ein Café, so wie sich's heuzutage gehört. Darin sitzen auch schon Gäste, trinken Bäckereien-Kaffee und essen Bäckereien-Backwerk.

Nachmittags um 16 Uhr auf dem Klo ...

... war wahrscheinlich nichts los. Es ist nämlich so gut versteckt, dass man es selbst mit einem Smartphone ausgerüstet nicht findet. Ich muss dringend, und zwar groß, und da ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der man aus dem Laden geschmissen wurde, wenn man gefragt hat, ob man ausnahmsweise mal die Personaltoilette gebrauchen darf, traue ich mich nicht, zu fragen, ob's 'ne Kundentoilette gibt, und wenn ja, ob ich selbige mal benutzen darf.

Ich schreite fortan breitbeinig durch den Shoppingnachmittag.

Aufregerle

Das Wetter sollten sie dringend ändern, in den West-Arkaden. Ihr Baumeister ist doch sicher gut vernetzt - vielleicht auch mit Petrus? 



Aufheiterle

Ein Typ im dm trägt eine Wollmütze mit der Aufschrift "FFC".

Fazit

Zur Zeit noch mehr Western als Arkadien - aber irgendwann wird das Ding schon fertig sein, und dann müssen die Leute, die in der Nachbarschaft wohnen, nicht mehr sonstwohin fahren, um einkaufen zu können.

Vielleicht werden die West-Arkaden dann auch Freiburgs Shopping-Reiseziel Nummer eins. Samstags? Klar! Ab in den Mooswald!

Und: Jene "Real Ghetto Hustlers", die sich ihre freie Zeit jetzt noch am "Runzi" vertreiben, in einem Rudel, das aus bis zu 40 (!) Personen besteht - wie mir ein Langzeitbewohner der Hood zugetragen hat -, werden im Gässle der West-Arkaden, auf seinem Innenhofspielplatz, auf seinen Stufen ein Territorium für immer neue Abenteuer finden.