Nightlife-Guru: EHC Freiburg gegen Schwenninger ERC II

Nightlife-Guru

Die jungen Wölfe feierten Mittwoch Abend den Derby-Hattrick gegen die Schwenninger Wild Wings. 7:2 konnten sie die Partie für sich entscheiden, mit dem 13. Sieg im 13. Spiel wurde der Spitzenplatz in der Regionalliga gefestigt. Der Nightlife-Guru war zum ersten Mal beim Eishockey - und ließ sich vor allem vom Design der Pissoirs begeistern.



An der Tür

 
Das erste Mal beim Eishockey. Daheim also noch schnell die Regeln ergoogelt und ab geht die Lutzi. Während des zehnminütigen Fußmarsches zur Franz-Siegel-Halle in der Ensisheimer Straße akklimatisiert sich mein Körper an die zu erwartenden, eisigen Temperaturen.

Vor dem Stadion stehen viele Menschen - viel mehr, als ich erwartet habe. In langen Schlangen begehren sie Einlass. Nach fünf Minuten stehe ich immer noch am gleichen Fleck und entschließe mich, aktiver zu werden: Eishockey ist ein Vollkontaktsport, da darf man auch in der Schlange keine Berührungsängste haben.

"Sitzplätze aaausverkaaauft!", ruft jemand über die Köpfe der Massen hinweg. Die betagten Fans sind verärgert, gibt es die gewünschten Karten doch sonst immer. Aber die nach draußen dringenden Fangesänge machen den Stress vergessen: Nur noch wenige Meter bis zum Eingang.

Weitere fünf Minuten, sechs Euro für den Stehplatz - ich passiere die Ordner und betrete eine dunkle Halle. Nur ein Spotlight zieht einsame Kreise über das Eis.

Inneneinrichtung & Deko

 
Wunderkerzen erleuchten die Halle. Scheint, als hätten hier einige noch nicht genug vom weihnachtlichen Flair. Ein Banner weist darauf hin, dass der EHC-Trainer erkrankt ist: "Gute Besserung T. Dolak!" Zahlreiche Miniaturausgaben in den Heim- und Auswärtstrikots des EHC wuseln über das Eis. Auf Kommando stehen sie Spalier, und es schießt ein Schwenninger aufs Feld.



Die Freiburger Fans begrüßen jeden von ihnen mit wüsten Beschimpfungen und grellen Pfiffen: Circus Maximus. Jetzt sind die Wölfe an der Reihe. Klar: tosender Applaus.  

Wer war da?

 
3800 Zuschauer. Unter ihnen Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, die A-Junioren des Fußballvereins VfR Hausen und etwa eine Hand voll Schwenningen-Fans.

Die Fans lassen sich grob in zwei Gruppen teilen: Ultras und Normalos. Während sich erstere zu großen Teilen in der Kurve hinter dem Tor tummeln - "Nord" - und an diversen Fan-Accessoires zu erkennen sind, befinden sich die ruhigeren Mitglieder des Wolfsrudels auf den Sitzplätzen. Angepeitscht wird die Derby-Stimmung von zwei unermüdlichen Trommlern.

 

Catering & Getränke

 
Als langjähriger Fußballfan bin ich von den zwei Pausen überrascht, ja: fast überfordert. Geh ich mir jetzt zwei Würste kaufen? Muss ich doppelt so viel Bier trinken? All diese Fragen erübrigen sich, als ich die Schlangen vor den Ständen sehe. Keine Chance dort schneller ans Ziel zu kommen. Auf solch einen Ansturm waren die Verkäufer wohl einfach nicht vorbereitet. Bodychecks werden verteilt, Beine gestellt. Trotz knurrendem Magen und trockener Kehle ist es mir das nicht wert. Bärenhunger in der Wolfshöhle.  

Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre

 
Der Introitus der Wölfe wird von einem Song begleitet, der passt wie die Pfote aufs Auge: AC/DCs "It's a Long Way to the Top". Raus aus der Regionalliga - hinauf soll's gehen, in die zweite. Die Stimmung ist anders als die Partie hochklassig und in großem Maße Derby-esk. Lobeshymnen auf den EHC, Schmährufe, von denen "Ihr seid der Abschaum der Liga" noch der harmloseste ist - bei diesen Chören wird das Grölherz ganz weit.

"Südbaden, Südbaden!" Heute ist akustisch nur eine Mannschaft vertreten. Auch auf dem Eis gehört das Spiel den Breisgauern. Doch: Autsch! Nach jedem der sieben Tore läuft Scooter! Maria, Maria, I like it loud! Nur dreimal öfter als in der Dorf-Disse - für Nachtleben-geschulte Ohren aber definitely zu viel. Nach jedem Tor der Wölfe geht's wieder los: Bam bam bam baba bam bam bam ... Hilfe!



Ich entdecke noch ein paar Ohropax in meiner Hosentasche, der Geselligkeit halber nehme ich sie aber nach ein Paar Minuten wieder raus.  

Auf dem Klo

 
Die immer gleichen Pissoirs langweilen mich, ich steh' auf ausgefallene Klos. Das Exemplar in der Franz-Siegel-Halle ähnelt ein bisschen einer halbierten Badewanne. Eine Pinkelwanne! Begeistert ob dieses schnörkel- und zeitlosen Designs verfolge ich beiläufig eine Diskussion über die Freiburger Wohnungsssituation. "Ein echtes Scheißhaus haben wir da gemietet." - "Na immerhin: Wir bekommen hier überhaupt keins!" Ha, ich hab daheim sogar zwei Scheißhäuser!

Aufregerle

 
Nach einer Rauferei auf dem Eis packt ein Schwenninger einen Wolf im Schwitzkasten. Provozierend fährt er mit ihm unter dem Arm auf das Freiburger Publikum zu und applaudiert diesem. Quittiert wird das mit derben Beschimpfungen, Pfiffen und Becherwürfen. Beide in die Schlägerei involvierten Spieler werden vom Schiedsrichter vorzeitig duschen geschickt.

 

Aufheiterle

 
In der Pause stupst mich ein kleiner Pfandflaschensammler im EHC-Jersey in den Bauch: "Ey, hasch du mir dein' Becher? Ich schwör' dir, letztes mal hab isch fuffzisch Euro bekommen!" Ich muss passen, und ohne ein weiteres Wort zu verschwenden dreht er sich um und fragt den nächsten. Für ihn gilt wohl dasselbe wie für die Jungwölfe, die vor dem Spiel über das Eis holperten: Früh übt sich, wer ...  

Fazit

 
Meine Füße gleichen zwei Eisklötzen, die Schlange am Eingang war lang, weder Bier noch Wurst hab ich bekommen - aber es war geil. Gute Stimmung und ein Freiburger Verein, der auch mal hoch gewinnt. Was für ein wunderbares Gefühl.


Die von fudder vorgestellten Akteure wussten zu überzeugen, der Rieselfelder Nikolas Linsenmaier versenkte den Puk sogar zweimal im Netz. Mit warmer Jacke, Skisocken, Schaal, Handschuhen und ein wenig Geduld ist es momentan ein schöneres Erlebnis als ein SC-Spiel. Sicher ist: Ich werde wiederkommen - dann aber schon mit dem Pausenbier intus.

Mehr dazu: