Nightlife-Guru: DJ Storm @ Palladium

Nightlife-Guru

Wer immer noch die Meinung vertritt, Schwaben seien humorlos, wird von unserem Nightlife-Guru nun eines besseren belehrt. Er ist am Samstag bei der Sturm-Sause von Breakbeat Movement am Start gewesen und dokumentierte unter anderem einen Schwaben-Strip.



An der (versteckten) Tür

Als ich um 1:15 Uhr am Bahnhof eintrudele, muss ich erstmal den Eingang suchen. Weit und breit kein Anzeichen einer Schlange. Man muss schon einen aufmerksamen Blick haben, um den ein oder anderen Jungle-Freund zu entdecken.

Ein Türsteher winkt mich schließlich am Bahnsteig 1 zu sich. Echter Service! Hinter der unscheinbaren Türe warten er, ein Brite sowie zwei Damen. Allesamt gut drauf.

Erfreut über einen Gast knöpft mir das Empfangskomitee acht Euro ab. Mit Vorfreude geht's durchs das kahle Treppenhaus ins Palladium.



Deko & Einrichtung

Auffallend ist die hübsch anzusehende Projektion auf dem Palladiumbanner. Teils wurden stilisierte Aufnahmen von DJ Storm projiziert – sehr cool. Ansonsten eine eher dezente Lichtanlage.

Getrennt wurde der Raum, den das Palladium bildet, durch ein Tarnnetz – der einzige Hinweis neben Flyern und Werbebannern, dass hier der Bär aus dem Jungle steppt.



Neben der Nebelmaschine erschöpft sich die Deko in der schlichten Einrichtung des Palladiums samt Mamorboden. Bemerkenswert ist der Balkon des Palladiums, auf dem man mitten über der Eingangshalle des Hauptbahnhofs sitzen kann.

Wer war da?

Ein sehr gemischtes Publikum von Anfang 20 bis Mitte 30. Angenehm ist der recht hohe Frauenanteil. Neben Rastaträgern und augenscheinlichen Ska-Liebhabern tanzen auch Freunde des Hip-Hops sowie ein breites, nicht stereo-typisierbares Partyvolk.



Chic war wo anders. Bis auf die ständig patrouillierenden, massiv gebauten Palladium-Mitarbeiter, die allesamt stilvoll in Schwarz gekleidet sind.

Alle anwesenden Gäste, die Initiatoren des Jungle Clubs MC Fava und die restliche Bande von Breakbeat Movement sowie DJ Storm vom UK-Label Metalheadz sind bester Laune und genießen die Party sichtlich.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

Ich kenne Jungle-Parties aus dem Jazzhaus und aus der KTS. Ich erinnere mich gern an überfüllte Tanzflächen, auf denen die Leute euphorisch feiern.

Nicht so im Palladium. Neben acht beinahe gemütlich vor sich hin tänzelnden Zeitgenossen sitzen und stehen die anderen 30 bis 40 Gäste und unterhalten sich.

Um 1:40 Uhr kündigt MC Fava eine weitere Session von DJ Storm aka “the First Lady of Drum’n’Bass” an. Dies wirkt wie ein Weckruf für das vornehmlich quatschende Publikum abseits der Tanzfläche.



Der Break

Als Storms erste, tiefe und körperdurchdringende Bassline einsetzt, füllt sich schlagartig die Tanzfläche. Der Sound, den die immerzu rauchende Dame aus Großbritannien auflegt, ist eingängig und treibend. Die First Lady macht ihrem Titel alle Ehre. Ruckzuck entspricht die Party dem, was ich unter Jungle Club verstehe. Tanz, Spaß und Schweiß, wie schön.

Im Folgenden gibt es abwechslungsreiche Jungle-Sounds zu hören, gepaart mit Drum’n’Bass-Elementen. MC Fava unterstützt die Musik mit seinen bekannt routinierten und stets passenden MC-Einlagen. Mit gefühlten 190 Beats pro Minute heizt DJ Storm dem langsam in die Gänge kommenden Partyvolk kräftig ein.



Catering & Drinks

Je nach Variante gibt's Bier zwischen 2,50 – 3,50 €. Cocktails bekommt man ab 6,50 €. Schnaps gibt‘s im 4cl Behältnis ab 2 €.

Bestellen kann man all das bei der einzigen Bar, die von drei entspannten Mitarbeitern geführt wird. Schnell komme ich an meine Martinis.

Auf dem Klo um kurz vor halb Vier

Alles ruhig. Die fast klinisch reinen Klos bieten dem bedürftigen Partygast alles, was er benötigt.

Aufheiterle

Als ich mir gerade im Reporterstyle etwas notiere, werde ich von der Seite von einem Stuttgarter Partygast angequatscht:

„Hey, was machst du denn da?“
„Ich notier' was. Ist für Fudder.“
„Was ist das?“
„Ein Onlinemagazin für Freiburg.“
„Bist du sone Art Kritiker?“
„Vielleicht so ähnlich wie’n Restaurant-Kritiker. Kann ich ein Foto von euch machen?“
„Soll ich mich dafür ausziehen?“
„Äh, klar, wenn du willst.“
„Okay." (zieht sich die Hose aus)



„Alter, ich mach keinen Scheiss. Ich bin echt von ‘nem Onlinemagazin. Das kommt ins Internet.“
„Ja, ich mach auch keinen Scheiss. Hau rein!“

Fazit

Obwohl die Party anfänglich etwas (zu) gemütlich war, kamen alle Jungle-Begeisterten und für elektronische Musik offenen Menschen letztlich auf ihre Kosten. Die Combo DJ Storm und MC Fava rockten das Haus.

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