Nightlife-Guru: Der Youth Life-Rave in Freiburg

Nightlife-Guru

Schmitz Katze dicht und auch sonst wenig los in Freiburg: So hätte ein Freiburger Party-Kollektiv für seinen Outdoor-Rave kein besseres Timing an den Tag legen können. Unser Nightlife-Guru erlebte eine rauschhafte Nacht.

Die Jungs an der Tür

"Weißt du, was heute Abend los ist? Weißt du, wer auflegt?" Ein Schlaks Anfang Zwanzig fragt einen Freund nach dem Programm. Kommt in Freiburg selten genug vor, ist aber eigentlich ein guter Filter, um das Publikum ein wenig sortieren zu können. Mein Freund ist informiert. Er zählt die Discjockeys, die auflegen werden, auf. Prüfung bestanden, er darf rein. Ich werde nichts gefragt, werde durchgewunken und betrete das Gelände. Die Jungs und Mädels, die nach mir gekommen sind, müssen erst einmal warten. "Wir lassen nicht alle gleichzeitig rein", sagt der Schlaks. Da hat einer sein Tür-Metier verstanden.

Außeneinrichtung und Deko

Das Partygelände irgendwo im Westen Freiburgs wirkt ein bisschen, als hätte man die verstorbenen Schweizer Kinetik-Künstler Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl mit dem Duo Peter Fischli und David Weiß und einem großen Topf LSD-Bowle alleine gelassen. Holz- und Eisenplastiken stehen allerorts, die sicher, je nach Uhrzeit oder Bewusstseinszustand, ein Eigenleben entwickeln. Bei Tageslicht plastische Reizüberflutung, nachts für skurril-spukige Begegnungen gut. Ein großes Freilicht-Atelier. Eigentlich das perfekte Setting für eine Party.

Gar nicht aufdringlich ist das Licht. Die hohen Bäume werden von unten rot und grün angestrahlt. Hin und wieder spielt der Wind mit ihrem Laubkleid, was neue Raumbilder entstehen lässt. Dazu kommen zwei LED-Quadrate auf dem Dach einer Blockhütte, und ein Laser, der Herzen und kaleidoskopartig sich verändernde Muster in den Nachthimmel zeichnet. Sonst ist es dunkel. Angenehm.

Wer war da?

An diesem Samstagabend sind wir alle Freunde. Das sagt mir meine Wahrnehmung. Fremde Gesichter, die willkürlich auf der Tanzfläche auftauchen, scheinen vertraut. An vertrauten Gesichtern ist kein Vorbeikommen. Die Gespräche und Umarmungen sind inniger als sonst, und ich bin etwas überfordert ob der vielen Begegnungen.

Punks mit nietenbesetzten Jeanskutten stampfen neben Coachella-Mädchen mit Federn in den Haaren und Indianerschmuck. Sicher "original". Die Frage, ob das unter dem Aspekt der "cultural appropriation" so in Ordnung geht, lasse ich einmal undiskutiert. Schließlich wird auf dem Gelände auch Pizza verkauft.

Zwischendrin wuseln Hunde durch die Beine der Tanzenden. Meistgehasster Gast: Culex pipiens, die gemeine Stechmücke, die zu Tausenden gekommen ist und sich an Armen und Beinen der Nachtschwärmer und Nachtschwärmerinnen festsaugt. Meistgeliebter Gast: Jeder, der gerade neben einem steht. Umarmen wollte man sie. Alle.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Boom. Boom. Boom. Boom. Boom. Boom. Unablässig donnern die Bassdrums. Ihr geradliniger Groove erinnert an die runde Bewegung einer Dampfmaschine, die ständig Antriebsarbeit leistet. Klang und Rhythmus dieses Techno-Sounds verändern sich nur in Nuancen, wenn überhaupt. Ein wenig eintönig, dieses hämmernde Ostinato. Doch irgendwie muss man als Discjockey das Publikum ja in Trance versetzen, muss man als Gast in Trance kommen, und das klappt mit einem harten, dunklen Techno-Sound ja meistens ganz gut.

Allerdings, das so als Einschub, dauert es auch Stunden, bis das Publikum in Fahrt kommt. Um 22 Uhr ist die Frei- beziehungsweise Tanzfläche vor der Blockhütte nahezu menschenleer. Alle stehen, sitzen, spielen Tischkicker, den es auf dem Gelände auch gibt. Dabei hatte da schon ein Discjockey drei Stunden gespielt, und der, der gerade an den Decks steht, zielt mit seinem rhythmisch intensiven, klanglich sparsam ausgestalteten Stücken eigentlich direkt auf das Bewegungszentrum im Gehirn. So wirkt das ganze zunächst wie ein bräsiger Hock, nur dass Wodka Mate und Gin and Tonic statt Gutedel und Grauburgunder in Strömen fließen.

Ziemlich weit in den Morgen hinein brodeln Synthesizer. Der Bass ächzt und knarzt. Der Sound wird härter, rauer, der Discjockey scherbelt, bis er mit "Never Grow Old" von Robert Hood für einen kurzen Moment Gefühle zulässt. Glücklich, wer sie in diesem Augenblick zeigen kann.

An der Bar

Gin and Tonic, Wodka Mate, Bier gibt’s gegen eine Spendenpauschale. Ersteres gibt’s nach drei Uhr morgens nicht mehr. Ausverkauft. Besser war das.

Aufregerle

Ursprünglich sollte die Party bis weit in den Mittag gehen, und nach einem kurzen Powernap wollte ich mich wieder auf dem Gelände blicken lassen. Doch dann erfahre ich: Die Party ist zu Ende. Seit acht Uhr. Die Veranstalter wollten irgendwann mal doch schlafen gehen. War so. Kann man nicht erfinden.

Aufheiterle

Der Taxifahrer auf dem Nachhauseweg. Er freut sich, mit mir einen Gast zu haben, der noch einen geraden Satz von sich geben kann. So bringt er mich fast bis an die Haustür und sieht darüber hinweg, dass ich nicht mehr ganz so viel Geld in der Tasche habe. Bester Mann! Danke!

Fazit

Dieser Ort im Westen Freiburgs ist eigentlich der beste Spot für Partys im Sommer. Schade, dass es so etwas in Freiburg nicht dauerhaft gibt. Umso schöner, dass diese Freiburger Veranstalter-Crew so etwas für eine Nacht und einen Morgen ermöglicht hat.