Nightlife-Guru: Das letzte Partywochenende im Bambii

Nightlife-Guru

So hatte sich Walt Disney das nicht gedacht: Das Bambii hat kein Happy End, Bambii ist nämlich tot. Am Wochenende fanden die letzten zwei Veranstaltungen im dem Club im Bermudadreieck statt. Unser Nightlife-Guru war am Freitag mit dabei:



Die Jungs vor der Tür


Der Regen prasselt vom Himmel, die Leute rennen in ihren Sommersandalen durch die Pfützen auf der Kajo. Es ist kurz nach Mitternacht, das Bambii lädt zum letzten Mal zum Balzen ein. Ein guter Zeitpunkt: Gerade stürmen die Freiburger auf Grund des Unwettwers vom Oberlindenhock in die trockenen Klubs und Kneipen.

Der Türsteher, den der Guru noch aus Nachtschichtzeiten zu kennen glaubt, macht sich vor der Absperrung breit. Damals, als 16-Jährige Schlangen bis zum Schlappen bildeten. Damals, bevor das Schicht Dreieck hieß, bevor das Bambi noch ein BalzBambii war.

Heute geht es schnell, es gibt keine Schlange und keine Proleten, die rumpöbeln, weil sie nicht reingelassen werden. Der Türsteher versucht hart zu bleiben: Ein Kollege - Mitte 30 - muss seinen Ausweis zeigen. "Ist immer Kontrolle", sagt der Türsteher und verzieht dabei grimmig das Gesicht, zieht die Augenbrauen zusammen und die Mundwinkel nach unten. Bestimmt ist er traurig, denke ich. Ist schließlich auch für ihn die letzte Party.

Inneneinrichtung und Deko

Der Guru tritt ein und schreitet auf die Bambii-Wiese. Es ist dunkler als sonst, zumindest kommt einem das so vor. Nur vereinzelte kleine Lichter leuchten auf. Keine Stroboanlage. Kein Bling-Bling. Der Club hat sich in schwarze Schale geworfen – wie bei Beerdigungen üblich. An der Wand kleben kleine Poster von Stars. Direkt daneben hängt ein großer Spiegel auf dem "R.I.P Bambi" steht.

Party-Atmosphöre

Das letzte Mal hat der Guru hier im Bambi mit der  Draq-Queen Betty BBQ getanzt. Es war auf dem großen Floor, der heute allerding geschlossen bleibt. Der große Floor wurde das letzte Mal für eine Vacation Beats Party geöffnet. Toll. Die Teenies durften sich richtig verabschieden - uns bleibt das verwehrt.

Die Stimmung: bedrückend. Der Staub all der gerauchten Zigaretten weht über die Tanzfläche. Der Boden klebt noch immer von den verschüttetenden Vodka Bulls der letzten Monate. Jetzt sitzen die letzten Gäste an der Bar - als wäre nie etwas gewesen. Als wäre hier nie getanzt, gefeiert und getrunken worden. Sie nippen an ihren extra starken Drinks und schlurfen eine Runde durch den leeren Club. Es ist 1 Uhr.

Was hier alles passiert sein muss! Wie viele Nummern wurden im Bambii ausgetauscht? Wie häufig wurde geknutscht und gefummelt - wie häufig davon fremd? Und jetzt? Jetzt knutscht hier keiner mehr. Keiner fummelt mehr rum. Was passiert, wenn keine Musik mehr läuft?

An der Bar

Der Guru sitzt mit einem Gin Tonic an der Theke und blickt um die Ecke auf den kleinen Floor. Knapp zehn Leute tanzen den Boden ein letztes Mal heiß. "Hallo? Noch einen?", fragt mich die Bar-Keeperin. Sie hat einen schwarzen Strich über ihr rechtes Auge gemalt. Wieso weiß ich nicht. Aber ja, Frau mit Strich am Auge, schenk mir ein. Heute muss das so.

Klangwaren-TÜV

Es tönt Elektro aus der Musikanlage. Gerade mal so laut, dass es zum Tanzen reicht, man bei einer Unterhaltung aber nicht brüllen muss. Es fehlt ein trauriger Abschiedssong: Goodbye my lover von James Blunt wäre angerbracht.

Highlight und Tiefpunkt

Der Fotoautomat. Bei der Bambi-Eröffnung wurde hier noch fleißig geknipst. Geile Retro-Bilder konnte man da machen. Nun klebt ein Schild am Bildschirm: "Defekt". Aber das ist uns egal: Das Selfie-Licht ist perfekt. Mit müden Augen, nassen Haaren und Shirts, die nach Rauch und Klub müffeln, quetschen wir uns in den kleinen Automaten.

Es stinkt, es ist eng und ungemütlich. Es ist unser letztes Bambiibild: schön, verrucht und klassisch in schwarz-weiß. Es ist unser kleines Happy End.

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[Foto: Nightlife-Guru]