Nightlife-Guru: Cro im Jazzhaus

Nightlife-Guru

Cro geht steil. Sein Debütalbum 'Raop' ist gerade auf Platz eins in die Charts eingestiegen, hat nach zwei Wochen Goldstatus erreicht und ist zur Zeit 31 Mal in verschieden Charts vertreten. Gestern war der Hipster-Rapper in Freiburg - für ein Exklusiv-Konzert eines Radiosenders im Jazzhaus. Ob ihm unser Nightlife-Guru die Pandamaske vom Gesicht gerissen hat?

 

Die Jungs an der Tür ...

... sind erst mal gar nicht zu sehen. Um 19 Uhr schlängelt sich eine Schlange aus dem Eingangsbereich heraushinein. Bis um die Ecke zur Ampel steht ein Querschnitt der Generation Mittelstufe brav an. In der Hand oder auf dem Kopf hat jeder von ihnen eine ausgedruckte und mit einer Schnur zusammengebastelte Pandamaske. Andere haben ihre Maske aus dem Faschingskoffer an, und wieder andere haben sich gleich das ganze Gesicht bemalt. Verkleidung ist Pflicht, nur so gibt es Einlass. Und: Man muss noch auf einer Liste stehen, die Tickets gab es beim Radiosender mit den „biggsten Beats“ zu gewinnen.

Irgendwann haben sich dann alle Gewinner ins Jazzhaus geschlängelt, und der alte Guru bemüht sich auch in den Gewölbekeller. Allerdings steht er auf keiner Liste. Zumindest behauptet das der Radiomitarbeiter am Eingang. Irgendwann findet sich dann aber doch diese Liste, auf die der Guru steht, obwohl er an keinem Gewinnspiel teilgenommen hat.

Eine Maske hat der Guru auch nicht dabei. Und Cro in dem Moment auch nicht, als er entspannt mit Rucksack die Treppe zum Jazzhaus hinunter läuft. Das Phänomen Cro ohne Maske, der Guru hat es von Angesicht zu Angesicht gesehen, schweigt sich dazu aber aus - aus Solidarität. Man muss zusammenhalten als anonyme ... Kunst- und Kultfigur.

Einrichtung und Deko



Im Jazzhaus ist alles so wie immer bei Konzerten. Nur ist viel mehr Platz. 300 Leute sind da. Der Abend läuft unter dem Motto „Das kleinste Konzert der Welt.“ Nun gut, das kleinste Konzert der Stadt hätte vielleicht in der Garderobe vom Kamikaze steigen können, aber der Guru meckert nicht. Er ist tiefenentspannt. Im Jazzhaus ist Platz.

Wäre es ein reguläres Konzert gewesen, hätte es platztechnisch anders ausgesehen. So sammeln sich zwischen den beiden Säulen vor der Bühne die Pandas, die überraschenderweise gar keine nonstop kreischende Teenie-Meute sind. Die jungen Menschen sind textsicher, auch als der Refrain von Aloe Blacs „I Need A Dollar“ gebraucht wird. Der Guru steht derweil mit einem weiteren Altersschnittheber und Freiburger Nachtmacher hinten. „Ich will mir das mal anschauen“, sagt der. Der Guru nickt.

Klangwaren-TÜV

Der Guru nickt.

Das Konzert

Cro kommt mit DJ, Drummer sowie Gitarrist und Keyboarder in Personalunion und spielt sich in einem einstündigen Showcase im Schnelldurchlauf durch seine Diskografie - also durch sein Mixtape und sein Debütalbum. Er macht einen sympathisch unbeholfenen Eindruck - er bittet immer wieder darum, das Licht auf der Bühne zu dimmen, er fühlt sich doch sonst so beobachtet – zeigt ein paar Mal, dass er wirklich gut rappen kann, aber er reißt sich auf der Bühne kein Bein aus.

Die Stücke zwischen Rap und Pop, also Raop, gehen ins Ohr, bei ein paar Instrumentals unterstützt der Cro auf Platte den Cro auf der Bühne. Es werden zwischendurch Fotos mit Fans gemacht, Wasser verteilt, gekichert und erzählt, wie entspannt und schön das alles ist. Dazu kommen ein paar gute Gags für die Radioübertragung, am Schluss kommt „Easy“ und nach einer Stunde ist es dann schon wieder rum.



Vor dem Konzert auf dem Klo

„Ich glaub, ich hab mich grad mit ihm unterhalten. Der hat sich wie er angehört, und ich erkenne den schwäbischen Einschlag“, erzählt der Freiburger Nachtmacher, der aus dem gleichen Eck wie Cro kommt.

Aufregerle

Es gibt keine Zugabe. Die hätte gerne noch sein dürfen. Einige der Gewinner sind aus verschiedenen Ecken ganz Baden-Württembergs nach Freiburg angereist und hätten dafür noch den einen oder anderen Song verdient gehabt. Wirkliche Aufregung herrscht deswegen aber nicht.

Aufheiterle

Psaiko.Dino, der DJ von Cro, gibt während des Konzertes für die Mithörer am Radio mit stoischer Stimme den Augen-Ohren-Dolmetscher: „Rapper wirft Wasserflaschen ins Publikum“, „Rapper versucht, Kamera zu verstehen“, „Rapper macht Foto mit Fan“.

Fazit

Easy. Nicht wahnsinnig einfallsreich, aber passend. So wie das Konzert. In so gediegener und unstressiger Atmosphäre wird man Cro live wohl nicht mehr zu sehen bekommen.