Nightlife-Guru: Cocktailwürfeln @ Enchilada

Nightlife-Guru

Montags wird im Enchilada um Cocktails gewürfelt, also: Spiel, Spaß und Spannung meets kostengünstiges Vorglühen. So lautet jedenfalls das Versprechen, das unseren Nightlife-Guru in die mexikanische Bar am Karlsplatz lockte. Sein Ziel: Vier Long Island Iced Teas quasi für umme.



Die Jungs an der Tür ...


... rauchen und besprechen die weitere Abendplanung. Die Enchilada-Cocktailwürfel-Aktion dauert nur bis 23 Uhr, eignet sich deshalb und aus Platzgründen nicht als ultimative Partylocation. Drinnen darf nicht geraucht werden, das erklärt die permanente Menschenansammlung vor dem Eingang.

Wer war da

Das Publikum beim Cocktailwürfeln besteht  aus zwei Gruppen. Die Waldsee-Fraktion und die Nachtschicht-Gänger. Mehr wird am Montagabend in Freiburg ja nun mal nicht geboten, daher ist der Graben zwischen den Partypeople an keinem Tag so groß wie an diesem. Elektro vs. Schlager spiegelt sich auch in der Klammottage wieder: Karohemd vs. Tribal Shirt.

Normalerweise auch Gin Tonic vs. Colaweizen, doch das Angebot beim Cocktailwürfeln lässt keine Wahl. Die Trinkgewohnheiten werden an diesem Abend vom Enchilada-Würfelkonzept diktiert. Die dritte Gruppe, die eigentlich nur noch schnell was essen wollte, kommt gar nicht erst rein, weil die Tische restlos ausreserviert sind. Wer ohne Partyabsichten trotzdem einen Tisch reserviert hat, verlässt gegen halb zehn fluchtartig den Raum.

Inneneinrichtung und Deko

Die übliche Enchilada-Einrichtung, Kerzchen auf den Tischen. Platz für viel Deko bleibt sowieso nicht bei der Masse an vollen und leeren Cocktailgläsern, die sich im Laufe des Abends ansammeln. Die Strategie der Deckenbeleuchtung hat das Enchilada von der Säule der Toleranz geklaut oder andersrum. Auf jeden Fall wirds gegen 23 Uhr immer rötlicher, wobei das um diese Zeit, mit viermal 0,5 Liter Long Island Iced Tea intus nur noch die wenigsten wahrnehmen.



Soundcheck und Partyatmosphäre

Der Würfelabend im Enchilada lockt weder mit namhaften DJs noch mit einem speziellen musikalisch-artistischen Programm. Das elektronische Gedudel im Hintergrund bleibt die einzige "Musik"; sie soll scheinbar verhindern, dass es in der ersten halben Stunde des Abends nicht komplett still bleibt.

Hart vorglühen wenn es draußen noch hell ist, schon etwas ungewohnt, da fehlen auch mir erstmal die Worte. Das Kernkonzept des Abends lockert die Stimmung aber in rasantem Tempo auf. Ich bin da, um für möglichst wenig Geld möglichst viel zu trinken. Edles Cocktailschlürfen zum Vorglühen hat schon seinen Reiz; bezahlt wird was der Würfel zeigt.

Das weckt in mir natürlich zunächst Illusionen in der Dimension drei Cocktails für fünf Euro, was sich bei bei mir aber schon nach dem ersten Wurf erledigt hat. Egal, die Jumbo Cocktails kosten normalerweise sowieso 8 Euro, da spar ich mir ja immer was – ein beruhigender Gedanke für mich – ein finanzielle Segen fürs Enchilada.

Meine Begleitung würfelt derweil eine eins – erste Verdachtsmomente über einen gezinkten Würfel haben sich damit auch erübrigt. Wahrscheinlichkeitsrechnung beim Cocktailwürfeln - das wäre doch mal ein Thema für ein Mathe-Abi, denke ich mir und würfle prompt eine zwei. Im Schnitt bezahlen wir um die 3,50 Euro pro Cocktail, nicht teuer aber auch nicht das Endschnäppchen.

Da die Cocktail-Schnäppchenzeit auf drei Stunden beschränkt ist, zieht der ganze Raum wie bekloppt an den Röhrchen, dementsprechend schnell steigt auch die Stimmung, die nervige Elektromusik wird dem Lautstärkepegel angepasst und bleibt immer dumpf im Hintergrund hörbar.



Auf dem Klo um halb drei

Nach Mitternacht ist dort niemand mehr, dafür ist um elf die Hölle los, das flüssige Süßzeug treibt weniger stark als Bier, stattdessen entlädt sich der Druck mit einem Mal gegen Ende der Würfelzeit.

Aufregerle

Das Konzept basiert in meinen Augen darauf, dass ich mir heute mal mehr als nur einen Cocktail leisten kann – mindestens vier sollten es schon sein. Nachdem eine Stunde lang aber keine Bedienung mehr an den Tisch kommt, gebe ich den Plan auf und frage nach, ob ich nicht am Nebentisch mitbestellen kann – was aber nicht geht.

"Ihr könnt nur bei der kleinen Schwarzhaarigen bezahlen." Die scheint aber verschollen zu sein. Als ich sie irgendwann finde, weise ich sie darauf hin, dass wir schon über eine Stunde warten. Die Antwort: "Das ist montags normal."

Aufheiterle

Wer eine sechs würfelt, bezahlt meistens nur 5 Euro, für zwei gleiche Zahlen nacheinander gibt es zwei Shots gratis. Die kommen zwar mit zweistündiger Verspätung, aber immerhin kommen sie.

Fazit

Das Konzept ist simpel aber effektiv. Der Pfennigfuchser bricht bei der Aktion in jedem durch. Dabei darf man keine rauschende Party erwarten, sondern eine Möglichkeit gepfegt mit Cocktails zu einem vernünftigen Preis vorzuglühen. An diesem Abend herrscht aber ein nervtötender Bedienungsmangel, was mich und meine Begleitung ärgert, und auch das Enchilada schneidet sich so ins eigene Fleisch.

Meine vier angepeilten Cocktails bekomme ich dann doch noch voll, weil ich bei der nächsten und letzten Bestellung gleich zwei anfordere. 14 Euro hat mich der Abend gekostet, die Cocktails waren lecker - zwei Flaschen Wein an der Dreisam sind aber auf Dauer die stessfreiere und kostengünstigere Variante.

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[Bild 1: fotolia]