Nightlife-Guru: Chinesische Maultaschen kochen in der MensaBar

Nightlife-Guru

Wie heißen Raviolo auf Chinesisch? Richtig: Jiaozi. Auf Deutsch: chinesische Maultaschen. Klingt leichter, als sie in Wahrheit herzustellen sind. Und deshalb bot der Internationale Club des Freiburger Studentenwerks am Donnerstagabend einen Kurs dazu an. Unser Nightlife-Guru hat sich dort ein paar Teigtaschen-to-go für das bevorstehende Wochenende gebastelt.




An der Tür

Noch nicht mal die Kasse ist aufgebaut, als ich mit meiner Begleitung im Punkt 18.30 Uhr durch die Eingangstüren der MensaBar trete. Da wir beide keine Mitglieder im Internationalen Club der Studierenden sind, kostet uns der Kochspass jeweils 2 Euro. Leider habe ich das Geld nicht passend. Zwar ist mittlerweile der Kassentisch aufgestellt, aber das Wechselgeld fehlt noch. Also wieder warten. Der Empfang ist aber sehr freundlich, man scheint sich aufrichtig über jeden Gast zu freuen.

Deko & Einrichtung

Es sieht aus wie immer, und wer mittags schon mal in der MensaBar war, weiß, was ich meine. Dekoriert wurde gar nicht, lediglich acht Tische und ein großer Kochtopf wurden aufgestellt. Es geht um das Wesentliche, und je intensiver ich mit dem mühsamen Kneten des Teigs beschäftigt bin, um so weniger nehme ich die karge Umgebung war.



Das einzig Auffällige sind drei Tische, an denen einige Chinesen ausgefallene asiatische Mode, Tücher, sogar Schuhe und Tischdecken verkaufen. Dezent an der Seite platziert, muss man schon zweimal hingucken, damit sie einem auch wirklich ins Bewusstsein dringen.

Wer war da

Positiv überrascht stelle ich fest, dass sich hier tatsächlich 50 Leute eingefunden haben, um etwas über das Zubereiten von chinesischen Maultaschen zu erfahren. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer stammen aus China, auch einige weitere Gaststudenten aus europäischen Ländern tummeln sich hier. Ach ja, ein paar Deutsche sind auch da, so dass das allgemeine Gebrabbel eine Mischung aus Chinesisch, Deutsch und Englisch ergibt. Alle Teilnehmer studieren irgendetwas - dementsprechend ist die Uni das beherrschende Thema an allen acht Kochtischen. „Und was machst Du so?“ - „Was studierst Du?“ - „Welches Semester?“ 

Zu jedem Arbeitstisch gesellt sich noch eine Chinesin, die uns zeigt, wie man die exotischen Maultaschen bastelt. Gelernte Köche sind nicht dabei, es scheinen eher die großen Schwestern und Brüder der Organisatoren zu sein.



Atmo & Klang-TÜV

Nach 20 Minuten Rumstehen und Warten geht es endlich los. Nach einer sympathisch schüchternen Ansage von einer der Organisatorinnen teilen wir uns an die Tische auf. Brav finden sich an allen etwa gleich viel Chinesen wie Europäer ein, eine wahre Multikulti-Runde. Die Stimmung ist prächtig und die Uhrzeit prädestiniert dafür, ordentlich Hunger zu haben. So geht es auch ohne großes Vorgeplänkel direkt los. Teig kneten, Lauch schneiden, Mehl ausstreuen, die dadurch entstehenden Klänge ergeben eine fast schon meditative Grundstimmung. Bis auf die fast schon geflüsterten Anweisungen der „Köche“ ist es hier mittlerweile richtig still geworden, jeder hört und schaut konzentriert zu.

Der Soundtrack des Abends besteht leider aus maximal vier Songs, die eisenhart in einer Endlosschleife laufen. Die Lieder bewegen sich irgendwo zwischen langweiligem Till Brönner, Jazz, Bossa Nova, französischem Chanson und Volksmusik, die mir nach dem dritten Hören tierisch auf die Nerven gehen. Während des Zusammenrührens der Maultaschenfüllung (Sauerkraut, Hackfleisch, Lauch, Ingwer, Salz, Eier, Sojasauce) mögen die Konservensounds ja noch einigermaßen inspirierend gewesen sein. Spätestens beim Warten am Kochtopf werden sie zur Qual.

Wenigstens der Barmann hat irgendwann ein Einsehen und dreht die Musik einfach ab, was zum Glück niemanden zu stören scheint. Es gibt ja heutzutage nur noch sehr wenige Momente, in denen man sich die guten alten Café del Mar-Compilations zurückwünscht. Dieser war ein solcher.

Catering



Endlich mal eine „Party“, auf der man selbst für das Catering verantwortlich ist und nicht andere für schlechtes Essen oder teure Getränkepreise verantwortlich machen kann.

Wir haben geknetet, gerührt, geschnitten und versucht, zu formen. Es bedarf definitiv einiger Übung, die Maultaschen so herzurichten, dass auch das Auge mitessen kann und die Dinger nicht spätestens im Kochtopf komplett auseinander fallen. Meine ersten Versuche scheitern kläglich, und ich ernte schnell mitleidige bis belustigende Lacher meiner weiblichen Tischnachbarn. Meine Begleitung hat den Dreh wahnsinnig schnell raus und lässt Maultaschen entstehen, eine schöner als die andere, während ich auf total verlorenem Posten stehe.

Zusätzlich zu einigen Koch- und Zubereitungstipps werden uns netterweise auch diverse Hintergründe zur Geschichte der chinesischen Maultasche, die eigentlich Jiaozi heißt und traditionell am chinesischen Neujahrsfest serviert wird, erzählt. Das Sauerkraut stammt ursprünglich auch aus China, die Maultaschen werden eher im Norden des Landes verzehrt, während der Süden sich tendenziell weniger von Teigwaren, dafür um so mehr von Reis ernährt.

Am Ende hat nicht nur unser Tisch ein riesiges Blech fertig, und wir achten peinlich genau darauf, dass auch nur die von uns geformten Teigwaren im Topf landen, schließlich will das eigene Werk auch probiert werden. Und siehe da, die Maultaschen sind nach 10 Minuten Kochzeit wirklich was geworden und schmecken richtig gut. In wenigen Minuten ist an unserem Tisch alles aufgegessen, so dass der Aufwand und die Zeit leider in keinem Verhältnis zum viel zu kurzen Genuss stehen.



Auf dem Klo

Auf dem Klo war ich nur zu Beginn, zum Händewaschen. Ich hoffe, alle anderen Teilnehmer auch.

Aufheiterle

Den Leuten zuzuschauen, wie sie sich abmühen, den Teig zu einer halbwegs ansehnlichen Maultasche zu formen, war mehr als amüsant. An allen Tischen wird viel gelacht und gekichert. Schön auch, wie unsere Lehrer mit einer Engelsgeduld uns auch nach dem vierten gescheiterten Versuch die Technik erneut erklärt und gezeigt haben.

Aufregerle

Ein Kochtopf für letzten Endes etwa zehn volle Bleche mit Maultaschen. Zum Glück war unser Tisch einer der Ersten, sonst hätten wir eine Ewigkeit auf die fertige Mahlzeit warten müssen.



Fazit

Die Idee ist toll, das Konzept auch. Ich hätte zwar zum Ablauf, der Organisation und vor allem der Musik noch einige Verbesserungsvorschläge, habe mich aber während der zwei Stunden extrem wohl gefühlt. Gerade die sympathische, liebevolle und hilfsbereite Art der Veranstalter, ihre Engelsgeduld und Akribie, sowie das gemeinsame Leiden und untereinander Helfen mit den anderen Teilnehmern hat den Kochkurs zu einem großen Spaß werden lassen.

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